Ein Leben fürs Trinkwasser

Seit 35 Jahren trägt Pius Huber in Weinfelden die Verantwortung für das Wasser. Im September feiert der freundliche Brunnenmeister Jubiläum. In tiefe Schächte zu steigen, ängstigt ihn nicht – doch ein komisches Gefühl hat er schon.

Urs Brüschweiler
Drucken
Teilen
Nass werden gehört zum Beruf: Pius Huber spült einen der 550 Weinfelder Hydranten. (Bilder: Stefan Schaufelberger)

Nass werden gehört zum Beruf: Pius Huber spült einen der 550 Weinfelder Hydranten. (Bilder: Stefan Schaufelberger)

Weinfelden. «Ich habe den Plausch an meiner Arbeit – noch wie am ersten Tag.» Pius Huber, bald 60jährig, gewährt gerne Einblick in sein tägliches Handwerk zwischen Wasserrohren, Pumpstationen und Überwachungsbildschirmen. Seit bald 35 Jahren arbeitet der freundliche Brunnenmeister bei den Technischen Betrieben Weinfelden (TBW) und ist der dienstälteste Angestellte. Am 2. September feiert er Jubiläum.

Wer mit Pius Huber unterwegs ist, merkt schnell, dass es nicht selbstverständlich ist, dass jeden Tag frisches und sauberes Wasser aus den Weinfelder Hahnen kommt. Dazu wird eine grosse Infrastruktur benötigt, und die muss überwacht und in Schuss gehalten werden.

Brunnenmeister Huber hat die Aufsicht über 90 Kilometer Leitungen, 550 Hydranten, 25 Brunnen, drei Grundwasserpumpwerke, drei Quellen und zehn Reservoire. Die TBW verteilten im letzten Jahr rund 1,1 Millionen Liter Trinkwasser, was einem durchschnittlichen Konsum von etwa 300 Litern pro Tag pro Weinfelder entspricht. Damit das Wasser auch gedankenlos verwendet werden kann, wird regelmässig kontrolliert.

Jeden Monat nehmen Pius Huber und seine Mitarbeiter von 15 bis 20 Hahnen in Weinfelden Wasserproben. Diese werden dann nach Frauenfeld ins Labor gebracht und bakteriologisch und chemisch untersucht. «Maximal 300 Keime dürfen gefunden werden, und Kolibakterien dürfen gar keine drin sein», erklärt Huber. Ein bisschen gespannt sei er jeweils schon, wenn er die Auswertungen erhalte. Auch wenn es praktisch nie etwas zu beanstanden gebe. Falls doch, müssen sofort Massnahmen ergriffen und die entsprechenden Leitungen gespült werden. Ins Reservoir Weerswilen sei einmal ein Eichhörnchen gefallen und verendet, erzählt Huber. Dies habe die Wasserqualität beeinträchtigt. Mit Zusatz von Chlor werde solches dann behoben. «Man muss dann dafür geradestehen, den betroffenen Leuten in die Augen sehen und mitteilen, was passiert ist.»

Das Wasser des Thur-Grundwasser-Stroms, der unter Weinfelden durchfliesst, habe eine hohe Qualität, dafür sei es relativ hart. «Es wird getrunken, wie es aus dem Boden kommt.» Zu 97 Prozent stamme das Weinfelder Trinkwasser von dem unterirdischen Fluss, nur 3 Prozent würden aus Quellen gewonnen. «Auf diese sind wir eigentlich nicht angewiesen. Trotzdem unterhalten wir sie weiter, für den Notfall.» Jeden Morgen führt ihn sein erster Gang in die zentrale Leitstelle der TBW. Kontrolllampen und Monitore zeigen an, ob alles seinen gewohnten Gang nimmt. «Wenn nichts blinkt, ist es schon mal gut.» Mit einfachen Mausklicks kann er die Schieber und Regler in den Reservoirs manipulieren und den Wasserdruck regulieren.

Die Gänge vor Ort zu den Pumpstationen gehören aber auch in Zeiten der modernen Technik dazu. «Es ist schon ein komisches Gefühl, in die dunklen tiefen Schächte zu steigen, auch wenn ich kein Angsthase bin.» Wenn man auf Tour sei, teile man dies den Kollegen mit, dann wird besonders aufeinander geachtet, damit niemand plötzlich fehlt.

Auch nach 35 Jahren ist Huber begeistert von seiner Arbeit. Wenn er auf Pikett ist, schläft er auch heute noch weniger tief als sonst. Er kennt jeden Winkel von Weinfelden und alle Hausmeister. «Der Job ist mein Leben.» Er freut sich, dass er beim geplanten Pumpwerk Schachen mitreden darf, und ist auch sonst mit Herzblut bei der Sache. «Als Weinfelder gehört die Bude ja auch ein bisschen mir.»

Aktuelle Nachrichten