Ein Kreuzlinger Urgestein

Transportgeschäft, Pfadi, Klausengesellschaft, Pyrotechnik und Politik: Der Kreuzlinger Josef Zecchinel berichtete aus seinem vielfältigen Leben.

Kurt Peter
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Der Ur-Kreuzlinger Josef Zecchinel wird von Karl Kohli interviewt. (Bild: Reto Martin)

Der Ur-Kreuzlinger Josef Zecchinel wird von Karl Kohli interviewt. (Bild: Reto Martin)

KREUZLINGEN. Der Saal im Kirchgemeindehaus war voll am Dienstagnachmittag. «Das ist nicht verwunderlich, gehört doch Josef Zecchinel zu den Kreuzlinger Urgesteinen», meinte Karl Kohli bei seiner Begrüssung zum Erzählcafé der evangelischen Kirchgemeinde. Josef Zecchinel wurde in Kreuzlingen geboren. In seiner Kindheit faszinierten ihn die Pfadfinder. «Die Abteilung stellte sich auf dem Bärenplatz in militärischer Disziplin und Ordnung auf, das war spannend.» Also schloss er sich der Pfadi an, «obwohl ich damals als Katholik in die Jungwacht gehört hätte».

Kampf um die Müllabfuhr

Seine Lehre als Holzbildhauer musste er aus gesundheitlichen Gründen abbrechen, so dass er in das väterliche Geschäft einstieg. Aus zwei kleinen Lastwagen wuchs mit der Zeit ein ansehnliches Transportunternehmen. Einen heissen Kampf gab es um die Ausschreibung der Kreuzlinger Kehrichtabfuhr, den Auftrag «konnten wir uns dann sichern». Spannend seien immer die Umzüge gewesen: «Da hatte ich Einblick in sehr viele Wohnungen, vom Saustall bis zum fast sterilen Wohnzimmer.» Josef Zecchinel gab aber auch unumwunden zu, dass «Car fahren um einiges einfacher war als Möbel schleppen». Bei einer solchen Dienstfahrt wurde er vom Männerchor Tägerwilen entdeckt, und «weil der Probetag passte, bin ich seither Mitglied». Ein Problem brachte seine Heirat mit sich: «Protestanten und Katholiken, das passte damals für viele nicht zusammen.» Vor allem sein Schwiegervater habe sich gewehrt, aber am Ende hätten sie dann doch geheiratet. «Protestantisch, weil der Mann ja immer nachgibt.»

In Zecchinels aktive Feuerwehrzeit fielen die Brände des Seminars und der «Traube» an der Rosgartenstrasse. Während vieler Jahre gab er den Bischof bei der Klausengesellschaft. «Das Problem war die Ansprache.» Einerseits habe er den Kindern gut zureden, andererseits den Politikern ans Knie «ginggen» wollen.

12 Jahre im Gemeinderat

Wenn immer möglich, sei er mit Feuerwerker Müller auf Tour gewesen. «Pyrotechnik hat mich interessiert, ich habe nicht nur in Kreuzlingen Feuerwerkskörper in den Himmel geschossen, sondern in vielen Schweizer Städten.» Zwölf Jahre sass Zecchinel für die CVP im Gemeinderat. Trotz eines schlechten Listenplatzes wurde er gewählt. Zum Abschluss seiner politischen Laufbahn durfte er den Gemeinderat präsidieren. «Ich kann Ihnen sagen, dass es ein Amt mit Würde, aber ohne Einfluss ist.»