«Ein Kandidat für Nasak4»

Kreuzlingen hofft für den Neubau einer Schwimmhalle auf Beiträge des Bundes. Laut dem Direktor des Bundesamtes für Sport, Matthias Remund, werde die Zeit für Gelder aus der aktuellen Tranche zu knapp. Doch sei damit nichts verwirkt.

Merken
Drucken
Teilen
Das Becken im Egelsee könnte als Ausschwimmbecken für die neue Schwimmhalle dienen, die nördlich davon geplant wird. (Archivbild: Stefan Schaufelberger)

Das Becken im Egelsee könnte als Ausschwimmbecken für die neue Schwimmhalle dienen, die nördlich davon geplant wird. (Archivbild: Stefan Schaufelberger)

Herr Remund, Was genau ist das Nationale Sportanlagenkonzept – genannt Nasak –, und welche Projekte werden damit gefördert?

Matthias Remund: Mit Nasak unterstützt der Bund den Bau von Sportanlagen von nationaler Bedeutung. Das heisst, sie entsprechen einem Bedürfnis von nationalen Sportverbänden für Trainings und Wettkämpfe. Seit den 90er-Jahren wurden bisher Nasak-Gelder in der Höhe von rund 80 Millionen Franken ausbezahlt; damit wurden Investitionen von rund 700 Millionen Franken in 40 Projekte ausgelöst. Derzeit wird über die Vergabe der letzten Gelder aus der dritten Tranche verhandelt, eine vierte Tranche ist in Planung.

Wie funktioniert die Vergabe der Gelder?

Remund: Das Bundesamt für Sport initiiert selber keine Projekte. Wenn zum Beispiel eine Stadt einen Bau plant, tritt diese in Kontakt mit dem entsprechenden Sportverband und dieser kommt dann auf uns zu. Voraussetzung ist, dass dieser nationale Sportverband in einem Konzept sein Bedürfnis nach einem nationalen Leistungszentrum ausweisen kann.

Ist das im Falle von Kreuzlingen und Swiss Swimming gegeben?

Remund: Ja, dieses Konzept existiert. Ein Projekt von nationaler Bedeutung muss nicht zwingend zentral gelegen sein. Kreuzlingen hat ja eine grosse Wasserball-Tradition. Deshalb wäre ein nationales Wasserball-Zentrum und ein Zentrum für Nachwuchsschwimmer auf nationalem Niveau, die aber noch in der Region trainieren, hier sicher am richtigen Ort.

Es wird nun befürchtet, dass aus Zeitgründen für Kreuzlingen der Zug für Gelder aus der 3. Tranche des Nasak abgefahren ist.

Remund: Für Nasak3 reicht es kaum mehr. Soweit ich weiss, hat der Stadtrat erst den Standort beschlossen Und ein Projektierungswettbewerb wurde noch nicht durchgeführt. Man ist generell noch nicht so weit. Für mich ist Kreuzlingen ein Kandidat für Nasak4.

Das heisst, es gibt keine Gelder für Kreuzlingen aus Nasak3?

Remund: Ja, das ist relativ klar. Das heisst aber nicht, dass Kreuzlingen ausser Rang und Traktanden fällt. Der Schwimmverband hat ein bestehendes Förderkonzept, welches den Standort Kreuzlingen beinhaltet. Auch wir würden uns freuen, wenn das Projekt zustande käme.

Sie sagten, Kreuzlingen sei dafür ein Kandidat für Nasak4?

Remund: Ja. Und wenn es ideal läuft, können bereits Ende 2012 Projekte aus Nasak4-Geldern unterstützt werden. Voraussetzung ist, dass im nächsten Jahr der Bundesrat und das Parlament der Vorlage zustimmen, was natürlich ein finanzpolitischer Entscheid ist. Kreuzlingen erwachsen also keine Nachteile, denn bis dahin ist ja beim derzeitigen Stand noch nicht mit einem Baubeginn zu rechnen: Kreuzlingen beginnt erst mit der Projektierung, und das Volk muss auch noch entscheiden.

In Kreuzlingen spricht man schon lange über eine Schwimmhalle. Seit wann gibt es Nasak-Gelder?

Remund: Schon vor zehn Jahren wurde via Nasak der Bau von Sportanlagen gefördert. Aber es ist mir wichtig zu betonen: Für Kreuzlingen ist nichts verwirkt. Man darf noch mit Bundesbeiträgen rechnen.

Auch in der Höhe von etwa zwei Millionen Franken?

Remund: Ja, generell liegen die Beiträge zwischen 15 und 25, in Ausnahmefällen bis 45 Prozent der anrechenbaren Kosten. Ich denke, für Kreuzlingen darf man von etwa zwei Millionen Bundesbeiträgen ausgehen.

Argument für die Standortwahl war ein zusätzliches Aussenschwimmbecken. Ist ein solches nötig?

Remund: Das macht auf jeden Fall Sinn. Kreuzlingen hätte damit eine einzigartige Anlage vom Feinsten.

Wenn das Rennen um Nasak3 gelaufen ist, besteht nun also kein Zeitdruck mehr?

Remund: Meine Erfahrung zeigt mir, dass man Projekte nicht überhastet, aber zügig umsetzen soll, sonst verlaufen sie im Sand.

Interview: Urs Brüschweiler

Matthias Remund, Direktor des Bundesamtes für Sport. (Bild: pd)

Matthias Remund, Direktor des Bundesamtes für Sport. (Bild: pd)