Ein Jahr tanzt aus der Reihe

Die Rechnung 2014 der Politischen Gemeinde Zihlschlacht-Sitterdorf weist einen Rekordgewinn von 4 Mio. Franken aus. Der Gemeinderat möchte das Geld vor allem für Vorfinanzierungen und zusätzliche Abschreibungen verwenden.

Georg Stelzner
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Elemente aus dem Gemeindelogo schmücken den 2008 in Betrieb genommenen Kreisel an der südlichen Ortseinfahrt von Zihlschlacht. (Bild: Georg Stelzner)

Elemente aus dem Gemeindelogo schmücken den 2008 in Betrieb genommenen Kreisel an der südlichen Ortseinfahrt von Zihlschlacht. (Bild: Georg Stelzner)

ZIHLSCHLACHT-SITTERDORF. Von einem «einmaligen Sondereffekt im Steuerertrag bei den Einkommens- und Vermögenssteuern natürlicher Personen» spricht Gemeindepräsidentin Heidi Grau angesichts eines noch nie dagewesenen Ertragsüberschusses. Budgetiert war ein Verlust von 293 260 Franken, womit die Besserstellung rund 4,3 Mio. Franken ausmacht.

Mehreinnahmen resultierten laut Grau auch bei den Steuern juristischer Personen (+ 60 000 Franken) sowie bei den Grundstückgewinnsteuern (+ 110 000 Franken). «Die restlichen Steuereinnahmen entsprechen ziemlich genau dem Voranschlag; da ist es uns gelungen, sehr genau zu budgetieren», betont die Gemeindepräsidentin. Erfreulich sei der von knapp 38 auf etwas über 17 Franken pro Einwohner gesunkene Nettoaufwand für die gesetzliche wirtschaftliche Hilfe (früher: Sozialhilfe). Im laufenden Jahr zeige der Trend aber bereits wieder nach oben.

Gewinn wird relativiert

Die ungewöhnlich hohen Steuereinnahmen des vergangenen Jahres haben nicht nur dazu beigetragen, dass Schulden zurückgezahlt werden konnten. Sie haben auch die Steuerkraft der Politischen Gemeinde Zihlschlacht-Sitterdorf in die Höhe schnellen lassen. Der Steuerertrag zu 100 Prozent pro Einwohner hat sich binnen Jahresfrist markant erhöht, nämlich von 2188 auf 5508 Franken. Das bleibt nicht ohne Folgen, wie Heidi Grau erklärt: «Für uns bedeutet das, dass wir in den nächsten drei Jahren insgesamt rund 1,5 Millionen Franken in den kantonalen Finanzausgleich werden einzahlen müssen.»

Die Gemeindepräsidentin warnt denn auch vor Begehrlichkeiten. Die nunmehrige Liquidität der Gemeinde sei positiv und werde im finanziellen Bereich einiges erleichtern. Diese gute Ausgangslage dürfe nicht unnötig aufs Spiel gesetzt werden.

Drei Verwendungszwecke

Den Ertragsüberschuss aus der Erfolgsrechnung in Höhe von 4,032 Mio. Franken möchte der Gemeinderat für zusätzliche Abschreibungen und für Vorfinanzierungen verwenden. Erstere betreffen Strassen, Verkehrswege, Hoch- und Tiefbauten, Gewässer, Mobilien, Fahrzeuge und Maschinen. Vorfinanziert werden sollen der ausserordentliche Finanzausgleich in den Jahren 2015 bis 2017, die zweite Etappe der Kommunikationserschliessung, der Umbau und die Sanierung des Gemeindehauses sowie Ereignisse im Jahr 2017 (siehe Kasten). Der Restbetrag von 453 331 Franken soll dem Eigenkapital zugewiesen werden. Dieses würde sich damit auf 4,9 Mio. Franken erhöhen.

Neues Modell angewendet

Im Hinblick auf die Gemeindeversammlung macht Heidi Grau darauf aufmerksam, dass die Rechnungslegung erstmals auf HRM2-Basis erfolgt sei. Ersichtlich sei die Anwendung des Harmonisierten Rechnungsmodells 2 unter anderem im dreistufigen Abschluss. Dieser sei auch in der Wirtschaft üblich und bestehe aus dem Ergebnis aus betrieblicher Tätigkeit, dem Ergebnis aus Finanzierung und dem operativen Ergebnis.

Gemeindeversammlung: Mittwoch, 17. Juni, 20 Uhr; Mehrzweckhalle, Sitterdorf.

Heidi Grau Gemeindepräsidentin von Zihlschlacht-Sitterdorf (Bild: Reto Martin)

Heidi Grau Gemeindepräsidentin von Zihlschlacht-Sitterdorf (Bild: Reto Martin)