Ein hoher Preis fürs Schloss

Das Schloss Romanshorn mit Teilen des «Panem»-Gebäudes steht zum Verkauf. Möglichen Interessenten ist die Liegenschaft zum Preis von 11 Millionen Franken angeboten worden. Was viel zu viel sei, heisst es in der Branche.

Markus Schoch
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Das Schloss Romanshorn wird von Verkäufern als idealer Standort für eine Klinik oder Seniorenresidenz angepriesen. (Bild: Markus Schoch)

Das Schloss Romanshorn wird von Verkäufern als idealer Standort für eine Klinik oder Seniorenresidenz angepriesen. (Bild: Markus Schoch)

ROMANSHORN. Es ist eines der Wahrzeichen von Romanshorn. Doch seine Zukunft steht in den Sternen. Das Schloss Romanshorn mit Hotel und Restaurant ist seit ein paar Monaten geschlossen. Wieder einmal.

Das herrschaftliche Anwesen gehört seit 2007 der Towit Machinery Trading, die Industrie- und Konsumgüter vertreibt. Das Unternehmen möchte die Liegenschaft verkaufen – inklusive (im Stockwerkeigentum) Teile des «Panem»-Gebäudes sowie das sogenannte «Waschhaus». Alles zusammen biete sich zur Nutzung für medizinische Zwecke (Klinik, Behandlungsräume) oder als gehobene Seniorenresidenz wie auch als ständiges Schulungszentrum (Seminarräume und Unterkunft) für grössere Unternehmen geradezu an, heisst es in den Verkaufsunterlagen, die der Thurgauer Zeitung vorliegen. Dass Hotel und Restaurant weiterbetrieben werden könnten, wird vom Makler nicht in Betracht gezogen.

Höchstens 3 oder 4 Millionen

Mit gutem Grund: Der Preis dafür wäre viel zu hoch. Interessenten wurde das Schloss mit den dazu gehörigen Gebäuden zuerst für 15 Millionen Franken angeboten, später für 11 Millionen Franken. Mit Hotel und Restaurant könne die Rechnung bei Investitionskosten in dieser Höhe nie und nimmer aufgehen, heisst es in Immobilienkreisen. Das Objekt würde ihn erst zu interessieren beginnen, wenn es für 3 oder 4 Millionen Franken zu haben wäre, erklärt ein Profi. Das Problem sei vor allem die Grösse, sagt ein anderer. Das Hotel hat 16 Zimmer, und ein Ausbau ist schwierig, da das Schloss unter Schutz steht. Zudem sei Romanshorn nicht Zürich. Im Winter ist nicht viel los, und damit fehlen Gäste.

Auch Peter Fratton sagt: «Bei solchen Preisen kann ich mir den Betrieb als Restaurant und Hotel nicht vorstellen.» Fratton muss es wissen. Ihm beziehungsweise der Hotel Schloss AG mit der Schule für Beruf und Weiterbildung als Eigentümerin gehörte das Schloss einst. 2003 erwarb die Aktiengesellschaft die Liegenschaft, um darin einen Gastro-Lehrbetrieb zu eröffnen – die Academia Euregio Bodensee. Für 6 Millionen Franken wurde dafür auf der Parzelle des ehemaligen Hotel Schweizerhof das «Panem»-Gebäude errichtet mit Bistro und Seminarräumen. Doch das Konzept ging nicht auf, weil der Kanton nicht mitzog. Nach vier Jahren war Schluss.

Towit hatte andere Pläne

Dann kaufte die Towit die Schlossliegenschaft. Allerdings nicht mit der Absicht, dort weiter ein Hotel und Restaurant zu betreiben – wie es Pächter aus Tschechien am Schluss taten. Geplant war, das historische Gebäude als repräsentativen Firmensitz und Tagungsort für die Unternehmergruppe zu nutzen. Die Towit wollte eng mit der Vitkovice-Gruppe in Tschechien zusammenarbeiten, ein grosser Konzern, der damals im Bereich der Produktion von Gasflaschen, Gaslagerbehältern, Schiffsschrauben und Windturbinen-Technologie tätig war. In diesem Segment sei man auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gut aufgestellt, gaben sich die Verantwortlichen anfänglich optimistisch. Am Schluss stand die Towit am gleichen Punkt wie alle anderen Eigentümer in der jüngsten Vergangenheit vor ihr: Sie versuchte ihr Glück im Schloss mit der Gastronomie – und scheiterte.

Touristische Nutzung zwingend

Jetzt soll wieder einmal alles anders werden. Doch so einfach ist das nicht. Das Hotel Schloss befindet sich in der Touristikzone. Dort sind nach Angaben von Stadtrat Markus Fischer gemischte Nutzungen mit touristischer Ausrichtung wie Hotel- und Restaurantbetriebe sowie Dienstleistungs- und Spezialbetriebe im Zusammenhang mit der See- und Freizeitnutzung zulässig. «Reine Wohnnutzungen und Fachmärkte mit erheblichem Verkehrsaufkommen sind nicht möglich.» Verbindliche Aussagen mit Bezug auf eine Klinik oder eine Seniorenresidenz würden sich erst bei einer konkreten Anfrage machen lassen, sagt Fischer. Im Moment liege aber keine vor. Die Stadt weiss nur, dass die Liegenschaft zum Verkauf steht. «Detaillierte Informationen haben wir nicht», sagt Fischer.

Stadtpräsident David H. Bon hätte es sich anders gewünscht. «Wir sind sehr erstaunt, dass ohne Rücksprache mit der Stadt möglichen Käufern solche Konzepte versprochen werden.» Die Stadt wünsche sich «einen mit Leben erfüllten Betrieb», sagte Bon schon früher. Am liebsten ein Hotel mit «umfassendem ganzjährigem Gastronomieangebot». Vorstellbar sei ein Boutique-Hotel. Wichtig sei, dass Gebäude und Terrassen öffentlich zugänglich blieben.