Ein Herz für Migranten

In Egnach kümmern sich Freiwillige um die Asylbewerber. Sie lernen mit ihnen Deutsch, kochen und spielen. Zudem gibt die Gemeinde den Migranten stundenweise Arbeit auf dem Werkhof.

Markus Schoch
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Asylbewerber helfen in Egnach bei der Pflege der Ufergehölze. (Bild: pd)

Asylbewerber helfen in Egnach bei der Pflege der Ufergehölze. (Bild: pd)

EGNACH. Sdalinrasa Thusjanthan aus Sri Lanka wird von seinen Kollegen in den umliegenden Gemeinden beneidet. «Sie sagen mir immer, sie würden auch gerne nach Egnach kommen, erzählt der 34jährige Schreiner. Der Grund: In Egnach kümmern sich Freiwillige um ihn und die anderen sieben Asylbewerber, die zusammen in einem Haus der Gemeinde wohnen und auf den Bescheid aus Bern warten, ob sie in der Schweiz bleiben können – oder eben nicht.

30 Paten haben sich gemeldet

Thusjanthan und die anderen Asylbewerber müssen in dieser Zeit nicht allein in ihrem Zimmer sitzen, sondern erhalten dank eines sogenannten Patenschaftsprojektes der 2013 gegründeten Kommission für Integration diverse Kontakte zur Bevölkerung. Rund 30 Personen hatten sich im letzten Jahr auf einen Aufruf zur Mitarbeit gemeldet – viel mehr, als die Verantwortlichen erwartet hatten. Gut ein Dutzend von ihnen begleitet die Asylbewerber jetzt ein Stück weit in ihrem Alltag und hilft ihnen, mit Land und Leuten vertraut zu werden. Und zwar auf drei Ebenen.

Erstens gibt die Gemeinde den Flüchtlingen Arbeit im Werkhof. «Die Asylbewerber helfen beim Unterhalt der Badi oder bei der Pflege der Bachgehölze», sagt Gemeinderätin Christina Holzer, die Präsidentin der Kommission für Integration. Die Einsätze waren bis jetzt witterungsbedingt eher selten. «Im Schnitt kamen nur zehn bis zwölf Stunden pro Monat zusammen», sagt Pius Schenker, der Leiter der Sozialen Dienste, bei dem die Fäden des Projektes zusammenlaufen. Doch es sollen mehr werden. Geld erhalten die Asylbewerber nicht, wenn sie in Diensten der Gemeinde zur Säge oder dem Hammer greifen. Sie bekommen aber eine sogenannte Integrationszulage, sagt Schenker.

Alle lernen fleissig Deutsch

Im Prinzip dürften die Asylbewerber nach drei Monaten in der Schweiz einer regulären Arbeit nachgehen, was aber nicht so einfach ist. Die acht jungen Männer in der Egnacher Asylunterkunft jedenfalls haben den Einstieg in die Schweizer Berufswelt noch nicht geschafft. Sie sind aber daran, sich in eine gute Position zu bringen: Alle lernen fleissig Deutsch. «Es ist der zweite Pfeiler unseres Programms», sagt Holzer.

Zum einen besuchen die Asylbewerber wie alle anderen in ihrer Situation einen Sprachkurs in Romanshorn, und dreimal pro Woche erhalten sie zusätzliche Nachhilfe in Egnach vom pensionierten Lehrer Hansjörg Stäheli und weiteren Freiwilligen. «Es geht uns vor allem darum, den Wortschatz zu erweitern», sagt Stäheli. «Wir arbeiten hauptsächlich mit Bildern und Rollenspielen, aber ohne eigentliches Lehrmittel.» Inspiration holen sich Stäheli und seine Kollegen bei einem kanadischen Ehepaar, das Musterlektion für den Unterricht mit Flüchtlingen erarbeitet und ins Netz gestellt hat.

Drittens schliesslich verbringt ein Team mit Jugendlichen um Silvan Giger die Freizeit mit Thusjanthan und den anderen Flüchtlingen. «Wir treffen uns alle zwei Wochen zum Kochen oder Spielen – und haben es immer sehr lustig zusammen.»

Die Idee war eine andere

Gedacht war das Projekt anders: Die Idee war, dass sich einzelne Schweizer einzelner Migranten annehmen und sie mit Rat und Tat unterstützen. «Es hat sich aber schnell gezeigt, dass dieses Modell mit jungen Asylbewerbern nicht funktioniert», sagt Gemeinderätin Holzer. Bei ganzen Familien sieht es anders aus. Eine Frau aus Egnach kümmert sich um ein Ehepaar mit Kindern im Dorf. «So passt es», sagt Holzer.

Auch für Thusjanthan aus Sri Lanka passt es, so wie es ist. «Es läuft sehr gut.» Jetzt hofft er nur noch, dass sein Asylgesuch bewilligt wird.