Ein herbstlicher Höhenflug

Leuchtturm

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Ich schreibe heute meinen 111. Leuchtturm. Und wie es solch schnapsige Zahlen in sich haben: Ich blicke zurück.

Ich weiss noch, wie ich als Knabe zu dieser Jahreszeit jeweils einen Luftsprung tat, wenn uns die Schulglocke in die Ferien klingelte. Im Herbst war ich jedes Jahr bei meiner Taufpatin auf einem Bergbauernhof. Dort galt es vor allem zu obsten. Ich fand schon damals, dass es kreativere Arbeiten gäbe als diese Früchtchen einzusammeln.

Wir Dreikäsehochs freuten uns aber vor allem auf die Herbstspiele, die wir der getätigten Arbeit anhängten. Die Palette reichte vom Apfelzielschiessen bis zum Baumklettern, Abseilen oder Strickleiternbauen. Zur Nebelzeit, wenn die Blätter volksliedgetreu zu fallen hatten, standen aber vor allem die Luftspiele an: Mit ungetrübtem Eifer begannen wir Luftdrachen zu bauen. Ein Holzkreuz überzogen wir trapezartig mit Zeitungspapier, das wir bunt bemalten. Der lange Schnurschwanz, mit Zeitungsmaschen bestückt, gab dem Basteldrachen die nötige Eleganz und vor allem Flugstabilität.

Wenn wir nun die Drachen gegen die Windböen steigen liessen, wären wir am liebsten gleich mit in die Wolken gestiegen und hätten die Welt aus der Vogelperspektive gesehen. Auch Heissluftballone setzten wir in den Himmel. Zugegeben: Oftmals verbrannten wir uns an dieser Aufgabe nicht nur die Finger, sondern auch gleich den ganzen Ballon. Aber welch eine Freude und unsäglicher Stolz, wenn ein Feuersack aus Seidenpapier auch wirklich aufstieg. Dann war uns, als flögen wir mit!

Wie wär’s, wieder einmal einen Drachen oder Heissluftballon in den Himmel zu schicken? Ich fände es toll – nun ja, ich geniesse halt jeden Romanshorner Höhenflug.

Christoph Sutter