Ein Haus heizt sich selbst

ROMANSHORN. In Romanshorn wird das erste Minergie-P-Mehrfamilienhaus gebaut. In Holzelementbauweise entsteht ein Haus mit fünf Wohnungen, das so gut isoliert ist, dass die Abwärme von Geräten, Bewohnern und eine Lüftung als Heizung ausreichen.

Christa Kamm-Sager
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«Bauen mit Holzelementen ist eine millimetergenaue Angelegenheit»: Urs Krattiger, Kurt Krattiger und Dieter Bötschi. (Bild: Christa Kamm-Sager)

«Bauen mit Holzelementen ist eine millimetergenaue Angelegenheit»: Urs Krattiger, Kurt Krattiger und Dieter Bötschi. (Bild: Christa Kamm-Sager)

Seit Dienstag werden die Holzelemente wie Legosteine ineinandergefügt, und das erste Minergie-P-Mehrfamilienhaus in Romanshorn nimmt täglich mehr Gestalt an. Schon sieht man die Grundrisse der vier Viereinhalb-Zimmer-Wohnungen, die Attikawohnung wird heute aufgebaut. Es ist ein besonderes Haus, das hier entsteht an der Reckholdernstrasse – ein Haus ohne herkömmliche Heizung.

Kleinwärmepumpe

Mit den neusten Technologien und einer bestens isolierten, aber dampfdurchlässigen Gebäudehülle ist es möglich, so zu bauen, dass die Abwärme von Geräten, der Bewohner, aber auch die Einstrahlung der Sonne an die dreifach verglasten Fenster für genügend Wärme sorgen. Die Lüftungsgeräte der fünf Wohnungen seien zudem alle mit einer Kleinwärmepumpe und einem Boiler für die Warmwasseraufbereitung ausgestattet, so Architekt Dieter Bötschi.

«So ist gewährleistet, dass in der Wohnung immer frische Luft vorherrscht, aber kein Wärmeverlust beim Lüften entsteht», erklärt der Architekt. Nein, auch kein Schwedenofen sei nötig, um im Winter für genügend Wärme zu sorgen. «Das würde schnell viel zu warm in diesen bestens isolierten Wohnungen, und man müsste die Fenster aufreissen.»

Komplexer Schallschutz

Speziell am ersten Mehrfamilien-Passivhaus in Romanshorn ist auch der Mut zur Holzbauweise. «Viele befürchten, dass ein Mehrfamilienhaus aus Holz zu schlecht schallisoliert ist», so Kurt Krattiger von der Krattiger Holzbau AG in Amriswil. «Beim Holzbau ist es komplex, den Schallschutz zu erfüllen.» In diesem Objekt sei jede Wohnung wie eine eigene Einheit gebaut, und die Wände seien nicht mit den tragenden Decken verbunden, so dass der Schall nicht übertragen werde.

Ein weiterer Vorteil beim Holzbau sei, dass ein Teil der Dämmung bereits in der tragenden Konstruktion integriert ist. «Ohne die äussere Verkleidung aus Holz, die 100 Jahre und mehr hält und nicht erneuert werden muss, ergibt sich so lediglich eine Dicke der Aussenwand von 40 Zentimetern», so Krattiger. Bei herkömmlicher Bauweise mit Backsteinen und Aussenisolation betrage die erforderliche Dicke mindestens 50 bis 65 Zentimeter.

Geringer Stromverbrauch

Weil der Stromverbrauch in einem Passivhaus so gering sei, gebe es auch keine Vorschrift, Solar- oder Photovoltaikanlagen zu errichten, um das Minergie-P-Label zu erreichen. Viel Wärmeverlust könne man dank der dreifach verglasten Fenster verhindern. «Bei heutigen Fenstern hat man im Vergleich zu vor zehn Jahren einen dreimal besseren Wert erreicht», so Bötschi.

Angenehmes Raumgefühl

«Schön in einem Minergie-P- Holzhaus ist das angenehme Raumgefühl», weiss Urs Krattiger. Luft und Wände hätten dank der guten Dämmung die gleiche Temperatur, so dass es keine Abstrahlungen gebe.

Am 13./14. November ist in der Schweiz Tag der offenen Tür in Minergie-P-Häusern. Dann kann auch das Romanshorner Mehrfamilienhaus besichtigt werden.