Ein grosser Musiker hat die Bühne verlassen

Zum Gedenken

Mario Testa
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Charly Thür (1940 – 2017). (Bild: PD)

Charly Thür (1940 – 2017). (Bild: PD)

Charly Thür brachte mit seinem Akkordeon, dem Schlagzeug und der Gitarre während über fünf Jahrzehnten viel Freude und Stimmung ins Land. Der zuletzt in Birwinken wohnhafte und weitherum bekannte Musiker ist vergangene Woche nach schwerer Krankheit verstorben, gestern fand in der katholischen Kirche Berg seine Beisetzung statt, an der mehrere hundert Wegge-fährten, Bekannte und die Angehörigen teilgenommen haben.

Karl Siegfried alias Charly Thür ist mit seinen Eltern und den drei Geschwistern in Arbon und Roggwil aufgewachsen, versuchte sich danach in diversen Berufen, fand seine grosse Leidenschaft und Erfüllung jedoch schon früh in der Musik. Musiklehrer Theo Zürcher führte den jungen Charly an die Musik­schule heran. Dieser gründete nach seiner Ausbildungszeit zum Musiklehrer die Gruppe Charly & Tiger Boys, und er machte mit Luigi Fasoli Musik-Clowneinlagen in der ganzen Ostschweiz. Er gründete seine eigene Musikschule, die er über die Jahre auf mehrere Standorte ausweitete. Als junger Mann übernahm er als Dirigent den Handharmonika-Club Berg, später den Handharmonika-Club Kreuzlingen. Dazu gründete er das Akkordeon- und Gitarrenorchester Altnau.

Charly Thür konnte Kinder mit seiner Freude an der Musik anstecken. Seine Philosophie war es, dass jeder das Instrument lernen soll, das er will, ganz ohne Zwang und ohne den Anspruch auf Perfektionismus. Auch er selbst war kein Notenfresser, spielte viel lieber nach Gefühl und Gehör. Seine langjährigen Vereinskameraden Noldi, Paul und Rita vom HC Berg beschreiben Charly Thür als sehr lebhaften, lebensfrohen und toleranten Mann, der die Musik über alles liebte, gern feierte und nur so vor Ideen sprudelte. Manchmal habe er fast zu viel gewollt, und er sei auch nicht immer einfach im Umgang gewesen, aber nie nachtragend. Für einen Schabernack sei Charly Thür immer zu haben gewesen, sei es auf einer der vielen Musikreisen in Italien oder auch in seiner Heimat, dem Thurgau.

«Charly Thür war für mich seit meiner Jugendzeit eine Legende, und Legenden bleiben für immer», sagt Radiomoderator Reto Scherrer. «Er hat an meiner Hochzeit bis morgens um 6 Uhr gespielt. Die Hochzeitsgäste standen auf den Tischen und skandierten lauthals: ‹Charly, Charly, Charly Thür . . .›.»

Privat fand Charly Thür sein erstes Glück mit Silvia. Er heiratete sie 1971, zog nach Birwinken und wenig später kam sein erster Sohn Sacha, ein paar Jahre später sein zweiter Sohn Pascal zur Welt. Ausgleich zur Musik fand Charly Thür mit seiner Familie bei Wanderungen, in den Ski­ferien und bei Ausflügen. Nach der Trennung von Silvia zog Thür nach Berlingen. Die Musik führte ihn Mitte der 1990er-Jahre zurück nach Birwinken und in die Arme seiner zweiten Frau Heidi Gähler. Mit ihr trat er als Duo auf, und bald wurde daraus eine grosse Liebe. Im Jahr 2005 heirateten die beiden, und sie bauten sich ein neues Leben auf, immer ­begleitet von ihrem Engagement für die Musik. Mit der Bäsebeiz ­Musikschöpfli in Birwinken verwirklichte sich Charly Thür noch einen grossen Lebenstraum.

Mario Testa

mario.testa@thurgauerzeitung.ch