Ein grandioses Versprechen

ARBON. Einen tollen Vorgeschmack auf das geplante Kulturzentrum Presswerk erlebten 800 Besucher der Schlosshofkonzerte. Diese mussten in die frühere Fabrikhalle verlegt werden. Das Publikum liess sich durch die Magie der Oper verzaubern.

Max Eichenberger
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Eine Sternstunde erlebten die Arboner Sänger vor 800 Zuhörern.

Eine Sternstunde erlebten die Arboner Sänger vor 800 Zuhörern.

Sie gehören zu den Highlights des Arboner Kulturlebens: die Schlosshofkonzerte des Sinfonischen Orchesters Arbon. Seit zehn Jahren bereichern sie den Kalender und sind das klassische Pendant zum rockigen Summerdays-Festival. Wie dieses in den Seeuferanlagen. Doch ausgerechnet im zehnten Jubiläumsjahr kann das Schlosshofkonzert erstmals nicht am namengebenden Ort open-air abgehalten werden. Es muss wegen der schlechten Wetterprognosen für Freitag und Samstag in-door verlegt werden: ins Presswerk, der künftigen grossen Veranstaltungshalle des geplanten Kulturzentrums Presswerk im Saurer WerkZwei.

«Was für ein Revival!»

Wo einzelne Fenster des über hundert Jahren alten roten Backstein-Fabrikbaus noch luftdurchlässig sind und rundum Unkraut wuchert, soll bis Herbst 2016 das Musikzentrum erblühen. Die Kulturhalle erlebt nun umständehalber – noch im Rohzustand – ihre Vorpremiere. Diese ist ein grosses Versprechen und weckt Vorfreude auf künftige Kulturevents an diesem Ort, der als Industriedenkmal ein Stück Arboner Geschichte verkörpert.

«Die Atmosphäre ist so schon einzigartig», schwärmt Esther Lenhard, Präsidentin der Stadtbibliothek Arbon. «Was für ein Revival für diese Halle!», stimmt Brigitte Stacher ein, deren Mann Kurt mit den Arboner Sängern neben dem Sinfonischen Orchester Arbon und den grossartigen Sopranistinnen Alexa Vogel und Anna Gschwend glanzvollen Zauber und die Magie der Oper erschallen lässt. Ein Auftritt im Presswerk als Alternativstandort hätte schon seinen Reiz, meinte Leiter Leo Gschwend noch im Vorfeld gar nicht abgeneigt einer solchen Ausweichvariante.

Die Macht des Schicksals

Und so kommt es quasi schicksalshaft. Dazu könnte der Konzertauftakt mit Verdis Ouverture «Die Macht des Schicksals» nicht passender sein. «Ein Moment, der mich sehr berührt», gesteht Leo Gschwend. Er möchte den mitreissenden Auftakt gerne als Omen verstehen. Man rieche noch den Schweiss in dieser Halle, wo die Arbeiter in der Presserei und im Rahmenbau gearbeitet haben. Einer von ihnen ist Bruno Ammann, der nach einer langen Zeit der Stille hier in diese Werkhalle zurückgekehrt ist: als Mitglied der Arboner Sänger auf die Bühne. Im Chor gibt es noch andere ehemalige Saurianer. Es ist auch für sie ein besonderer Moment.

Der ölgetränkte Holzklötzliboden und die darin eingespülten winzigen Metallpartikel lassen die Besucher noch förmlich die Zeit der früheren Industrietätigkeit riechen. «Werktätige kamen vor der Arbeit um sechs in der Früh noch zu uns ins Bahnhöfli einen Schnaps trinken», erinnert sich die damalige Wirtetochter Esther Lenhard-Vollmer.

Die grossen Gefühle

Graugelb kontrastiert der Himmel in der Dämmerung mit dem mal grünen, mal violetten, mal blauen Licht, das, dezent eingesetzt, die Halle zum stimmigen Konzertsaal macht. Dazu tragen auch die Kerzen in transparentem Glas bei. «Absolut genial», findet Raphael Künzler neben der Leistung von Orchester, Chor und Solisten auch diese räumliche Ambiance. Der Architekt wird die dankbare Aufgabe haben, die Halle mit subtilen Mitteln herzurichten, ohne ihren Charakter zu verändern. «Eine Challenge werden die Lärmschutzauflagen sein», sagt er.

Orchester, Sänger, Sopranistinnen bieten unter Leitung von Leo Gschwend ein Potpourri aus Opernklassikern, das ein dankbares Publikum ebenso mitreisst wie berührt. Philipp Kreyenbühl behielt recht mit seiner Ankündigung: «Allen Ausprägungen der Oper blieb immer ihr zentrales Element erhalten: Das Erschaffen einer anderen Welt, das Spiel mit Stimmen, Theater, Musik und grossen Gefühlen.» Eine Welt, in der die Hörer gefangen würden, «da sich diesem Sog aus Zauber und Magie kaum jemand zu entziehen vermag».

«Als Arboner sehr stolz»

Ihn mache dieses Kulturerlebnis mit vielen Eigengewächsen als Protagonisten als Arboner sehr stolz, strahlt Christoph Tobler, Präsident des Sinfonischen Orchesters Arbon. «Das ist ein toller Vorgeschmack auf das neue Kulturzentrum.» Diesem Versprechen kann sich auch sein entzückter Nach-Nachfolger und Kulturfreund Martin Klöti nicht entziehen. Und der amtierende Stadtpräsident Andreas Balg, die überschwenglichen Lobeshymnen von Kollege Hans-Ulrich Züllig im Ohr, meint: «Da werden hoffentlich die Besucher sich zahlreich als Aktionäre für das Kulturzentrum engagieren.»

Ovationen für die Sopranistinnen Alexa Vogel und Anna Gschwend.

Ovationen für die Sopranistinnen Alexa Vogel und Anna Gschwend.

Leo Gschwend dirigiert das Sinfonische Orchester Arbon und die Arboner Sänger im ehemaligen Saurer-Presswerk. (Bild: Max Eichenberger)

Leo Gschwend dirigiert das Sinfonische Orchester Arbon und die Arboner Sänger im ehemaligen Saurer-Presswerk. (Bild: Max Eichenberger)

Strahlt eine urbane Ambiance aus: die künftige Kulturhalle.

Strahlt eine urbane Ambiance aus: die künftige Kulturhalle.