Ein Glücksfall für beide Seiten

BISCHOFSZELL. An diesem Wochenende endet in den Technischen Gemeindebetrieben Bischofszell eine Ära. Während zehn Jahren war Urs Gamper als Geschäftsleiter für das Unternehmen verantwortlich. Vor der Pension ist ihm nicht bange.

Georg Stelzner
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Gestern zum letzten Mal am Sitz der Technischen Gemeindebetriebe Bischofszell: Urs Gamper. (Bild: Andrea Stalder)

Gestern zum letzten Mal am Sitz der Technischen Gemeindebetriebe Bischofszell: Urs Gamper. (Bild: Andrea Stalder)

Trübsal blasen widerstrebt Urs Gamper. Das entspricht nicht seinem Naturell. Und so nimmt er auch den Umstand, dass er die Funktion des Geschäftsleiters der Technischen Gemeindebetriebe Bischofszell (TGB) niederlegen muss, gelassen zur Kenntnis. «Jeder weiss doch, dass ein solcher Moment einmal kommt», sagt Gamper. Man müsse das akzeptieren. Das Pensionsalter hat er schon im August erreicht. Doch weil Thomas Hirt, sein Nachfolger, die Stelle erst zu Beginn dieses Jahres antreten konnte, blieb das Schloss am Hofplatz länger als geplant Gampers Arbeitsort. Die letzten Tage habe er vor allem mit Aufräumen zugebracht, um ein geordnetes Büro übergeben zu können, erzählt Gamper.

Alle Fähigkeiten gebraucht

Vor seiner Übersiedlung in den Oberthurgau vor acht Jahren wohnte Gamper in Winterthur. Er war für grosse, renommierte Firmen wie Ascom, Swisscom und DeTeWe im Verkauf tätig. Meist in der Ostschweiz, die er deshalb schon gut kannte. Den Stellenantritt in Bischofszell bezeichnet Gamper als Glücksfall. «Hier fand ich eine Arbeitsstelle vor, bei der ich alle meine beruflichen Fähigkeiten und Erfahrungen einbringen konnte.»

Der Wechsel sei zufällig zustande gekommen. Aktiv gesucht habe er eine neue Stelle nicht. Beim Kaffeetrinken zu Hause sei ihm aber das Inserat der Stadt Bischofszell ins Auge gestochen. Er habe sich beworben und den Zuschlag bekommen. Bereuen musste Gamper den Entscheid niemals. «Bischofszell war die interessanteste Stelle, die ich im Berufsleben je hatte», betont der Elektroingenieur HTL.

Qualität hat hohen Stellenwert

Gleich zu Beginn seiner Tätigkeit in Bischofszell wurde Gamper die Aufgabe übertragen, das Fest zum 75-Jahr-Jubiläum der TGB vorzubereiten. Als erstes grosses Projekt hatte er die Strommarktliberalisierung umzusetzen. Von der Einführung des Qualitätsmanagements, einer Herzensangelegenheit Gampers, profitiert das Unternehmen bis heute. «Ich bin froh und stolz, dass wir das Zertifikat bekommen haben, denn die TGB sind dadurch zu einem transparent und bestens organisierten Betrieb geworden.»

Die zehnjährige Ära Gamper prägen auch zwei bedeutende Investitionen. In Sitterdorf konnte 2008 die mit einem Kostenaufwand von 6 Mio. Franken errichtete Messstation 2 eingeweiht werden, und 2014 wurde von der EKT AG an der Amriswilerstrasse in Sitterdorf ein Gebäude erworben. Dies mit dem Ziel, an diesem Standort dereinst den neuen Geschäftssitz der TGB zu erstellen. Laut Gamper ist mit dem Baubeginn aber nicht vor 2018 zu rechnen.

Andere Rechtsform nötig

Hinsichtlich der Zukunft der TGB äussert sich Gamper optimistisch. Er ist überzeugt, dass sich das Unternehmen behaupten wird. Unüberwindbare Hürden vermag er keine zu erkennen. Am Energiehandel beteilige man sich nicht, und beim Wasser und Abwasser besitze man das Monopol. Markante Veränderungen und das grösste Wachstum erwartet Gamper im Bereich von Telekabel Bischofszell.

Eine klare Meinung hat Gamper zur Frage, ob die TGB in eine selbständige öffentlich-rechtliche Anstalt umgewandelt werden sollen. Er befürwortet einen derartigen Schritt und hält eine andere Rechtsform für «ein Gebot der Stunde», um die heutigen Vorgaben erfüllen zu können.

Keine Angst vor Langeweile

Dem neuen Lebensabschnitt blickt Gamper mit der ihm eigenen Gelassenheit entgegen. «Mir wird nicht langweilig», sagt der 65-Jährige im Brustton der Überzeugung. Dafür werden schon zwei Verwaltungsratsmandate und ein privates Bauprojekt sorgen. Und spätestens im Frühjahr wird man den einstigen «Mr. TGB» auch wieder auf der Anlage des Tennisclubs Bischofszell in Aktion sehen.

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