Ein Freundt zeigt mir meine neue Stadt

Die Kirchglocke schlägt neunmal. Eine Stunde später werde ich erfahren, dass dies die St. Martinskirche ist. Drei Personen eilen ins Schloss hinein, als ich das Velo abschliesse. «Sicher auch Neuzuzüger.

Manuel Nagel
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Kurt Freundt (mit beigem Jacket) führt eine Gruppe Neuzuzüger durch die Arboner Altstadt. Im Hintergrund der Römerhof mit Torwächterhaus. (Bilder: Manuel Nagel)

Kurt Freundt (mit beigem Jacket) führt eine Gruppe Neuzuzüger durch die Arboner Altstadt. Im Hintergrund der Römerhof mit Torwächterhaus. (Bilder: Manuel Nagel)

Die Kirchglocke schlägt neunmal. Eine Stunde später werde ich erfahren, dass dies die St. Martinskirche ist. Drei Personen eilen ins Schloss hinein, als ich das Velo abschliesse. «Sicher auch Neuzuzüger.» Tatsächlich betreten sie vor mir den Landenbergsaal, wo uns Stadtpräsident Andreas Balg schon in Empfang nimmt.

In der Feuerwehr gibt's Arbeit

Auch die Stadträte Peter Gubser und Patrick Hug sind zugegen und mit ihnen viele weitere Vertreter von Vereinen, Parteien und der Administration. Selbst Feuerwehrkommandant Hans Schuhwerk hält nach neuen Kameraden Ausschau. Der Name Schuhwerk blieb mir in Erinnerung nach all den Grossbränden in den letzten Jahren. Wer also der Feuerwehr beitreten möchte, dem dürfte nicht langweilig werden, denke ich für mich. Als Anwohner an der Sonnenhügelstrasse, nur wenige Meter vom Depot entfernt, höre ich die Feuerwehrautos jeweils auch ausrücken.

Pfahlbauer bis Saurer

Im Gespräch mit Peter Gubser erfahre ich später, dass er an derselben Strasse wohnt. Doch zuerst rast Stadtpräsident Balg durch die Geschichte Arbons. Von den Pfahlbauern über die Römer bis hin ins Industriezeitalter. Am Namen Saurer kommt er natürlich nicht vorbei. Ich fühle mich unweigerlich in meine Kindheit zurückversetzt, denn als kleiner Bub liebte ich die Lastwagen mit dem blauen Treppengiebel im Logo.

Der Name Saurer dürfte auch all den anderen beinahe hundert Neuzuzügern ein Begriff sein. Sie sitzen im Schloss. Und erfahren, dass mittlerweile über 14 000 Menschen in der Stadt der weiten Horizonte zu Hause sind. Um rund hundert habe die Bevölkerung in den letzten zwölf Monaten zugenommen, freut sich Balg. Und bei all den Wachstumsplänen rund um das Saurer WerkZwei dürfte auch in kommenden Jahren der Neuzuzügerapéro gut besucht sein. Arbon ist noch lange nicht gebaut, wie die Visualisierungen des Bushofs, des Hamelgebäudes und des Hotels zeigen. Ich freue mich darauf. Arbon lebt.

Holzmann passt zu Arbor Felix

Vom Apéro riche gestärkt, führt Kurt Freundt die eine Hälfte der Neuzuzüger durch die Altstadt und hat viele Anekdoten parat. Ein Oberösterreicher, der schon seit 1973 hier lebt. Nicht nur das Fingerglied des Mönchs Gallus in dessen Kapelle fasziniert mich. Auch dass ein gewisser Herr Heine hier in Arbon seinerzeit die zweitgrösste Stickerei der Welt betrieben habe. Arbon, ein Ort von Weltruhm, denke ich und bin grad ein bisschen stolz. Dass die Arbeiter damals auch im Schichtbetrieb das Bett geteilt haben, das war allerdings die Kehrseite der Medaille. Ursula Bär hat der Beruf an den Bodensee geführt. Das «schöne Städtli und die offenen Leute» hätten auch dazu beigetragen, dass sie sich hier bereits sehr wohl fühle. Einen der weitesten Umzüge hat Matthias Holzmann hinter sich. Den Hausarzt hat's aus Berlin an den Bodensee verschlagen. Vertretungsweise durfte er den Thurgau schon früher kennenlernen und verguckte sich in die Gegend. Eine Praxis sei hier frei geworden. Für den deutschen Arzt hat das auch etwas Schicksalhaftes. Mit seinem Namen Holzmann passe er schliesslich bestens nach Arbor Felix, der Stadt mit dem Baum im Wappen.