Ein Fest für Vieh und Volk

21 Aussteller des Braunviehvereins trieben diesen Samstag ihre prächtig geschmückten Kühe und Stiere von der Weide hinab zur 21. Herbstviehschau. Bei Kalbsbratwurst, Bier und ausgelassener Stimmung wurde das beste Vieh gekürt.

Lorena Funk
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Jung und Alt bewunderte, teils in urchige Trachten gekleidet, das Vieh. Bild: Reto Martin (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Jung und Alt bewunderte, teils in urchige Trachten gekleidet, das Vieh. Bild: Reto Martin (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Samstagmorgen, kurz nach acht: Das beschauliche 800-Seelendorf Schönholzerswilen wiegt sich verschlafen in den ersten Sonnenstrahlen, es ist ein ruhiger Herbstmorgen wie jeder andere.

Doch die Idylle trügt. Plötzlich wird die Stille von aufgeregt ohrenbetäubendem Glockengebimmel, das sich den Weg ins Dorf hinunter bahnt, abrupt beendet. Kurz darauf erscheinen ganze Kuhherden mit prächtigen Kopfbedeckungen, angetrieben von ihren enthusiastischen Züchtern in traditioneller Sennenkleidung. Trotz der frischen Temperaturen steht das ganze Dorf gespannt am Strassenrand und beobachtet das Spektakel, die Verkäuferinnen des Volg eilen mit Gipfeli und Kaffee durch die schaulustige Menge.

Entspannte Atmosphäre und kritische Experten

Die Stimmung unter den teils sehr jungen Zuschauern ist ausgelassen und voller Freude, übertrumpft wird sie nur noch vom lautstarken Gemuhe der 327 Kühe, die, beim Festplatz bei der Käserei angekommen, ihre Glocken abgehängt und den prachtvollen Kopfschmuck abgestreift bekommen.

Ihrer Kategorie entsprechend werden die Rinder und Kühe nun auf den mit weichem Stroh bedeckten Festplatz geführt, wo die beiden Experten Daniel Gisler und Josef Portmann nach einigen Minuten jeweils die besten drei vierbeinigen Teilnehmer bestimmen.

Dabei werden die Tiere von oben bis unten genaustens inspiziert, an den Schwänzen wird gezogen, an den Becken geschubst.

Körperbau wichtig für Milchproduktion

Mittendrin steht Wendelin Kuster, der zum ersten Mal die Herbstviehschau organisiert. Der bodenständige Landwirt plaudert hier ein wenig mit den Züchtern und dort, zwischen Kalbsbratwurst und Bier, mit den Zuschauern, bis er verrät, auf was es bei gutem Zuchtvieh ankommt.

«Das Wichtigste bei den gezüchteten Kühen ist, dass sie eine gerade obere Linie aufweisen, also dass ihr Rücken gerade ist, sowie eine gute Beckenlage. Je stärker diese Merkmale ausgeprägt sind, desto mehr Milch kann die Kuh geben», erklärt der fröhliche Familienvater. Bei den Stieren sind zusätzlich ein breiter Rücken und starke Sprunggelenke von Vorteil. Die schönsten und somit produktionsfähigsten sowie ökonomischsten Kühe und Stiere werden dann von den beiden Ehrendamen Katrin und Daniela Iten im Dirndl ausgezeichnet.

Nachdem alle Kühe und Rinder den kritischen Augen der Experten unterzogen worden sind, präsentieren die Kinder von sieben Züchterfamilien stolz ihren Nachwuchs. Dabei stellen die Jungzüchter ihre Lieblingskälber mithilfe von kurzen Gedichten vor, die die Zuschauer beherzt in die Hände klatschen lassen.

Wettbewerb mit Geselligkeitsfaktor

«Die Herbstviehschau ist jedes Jahr ein schönes Erlebnis. Die Menschen der Dörfer treffen sich, um zu plaudern, trinken und essen und natürlich um die Kühe der verschiedenen Züchter zu bewundern», erklärt Remo Schefer, der in Appenzeller Tracht gehüllt die Kühe des Bauern Neff aus Wuppenau nach Schönholzerswilen getrieben hat.

«Natürlich ist es ein Wettbewerb, und jeder Züchter möchte mit seinen Kühen viele Abzeichen gewinnen, aber im Vordergrund steht der gemeinsame Spass in einer geselligen Runde», fasst er weiter zusammen. So ist die Herbstviehschau ein gelungenes Dorffest, das den Menschen Tradition und Landwirtschaft wieder ein Stückchen näherbringt.