Ein Dorf verkauft seinen Anteil am Kabelnetz

Der Telekomanbieter UPC übernimmt rückwirkend per 1. Juli die Regionalantenne Ermatingen. Die Gemeinde kassiert über eine halbe Million Franken.

Urs Brüschweiler
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Drei Buchstaben verschwinden von der Bildfläche. Drei andere treten an ihren Platz. UPC übernimmt die RAE. Wie der Telekommunikationskonzern gestern mitteilte, hat er von der Gemeinde Ermatingen deren 33-Prozent-Anteil an der Regionalantenne Ermatingen gekauft. Am 23. Mai dieses Jahres hatte die Gemeindeversammlung des Unterseedorfes das Geschäft mit 50 Ja- zu 5 Nein-Stimmen gutgeheissen. Per 1. Juli ist der Verkauf von 135 Namenaktien nun vollzogen worden. Die UPC war bereits zuvor Mehrheitsaktionärin der RAE und ist nun alleinige Eigentümerin des Kabelnetzes. Denn der andere verbliebene Minderheitsaktionär, die Berlinger Telebe AG, hat ihren Anteil ebenfalls verkauft.

Für die rund 1100 Ermatinger und Salensteiner TV-, Internet- und Telefonie-Kunden ändere sich durch die Übernahme nichts, schreibt die UPC in ihrer Mitteilung. Die RAE wird sich mit dem Verkauf auflösen und vollständig in die upc integriert. Der letzte Vertreter der Gemeinde Ermatingen im Verwaltungsrat, der ehemalige Vizegemeindeammann Peter Hausammann, ist per 1. Juli zurückgetreten. Für UPC-Mediensprecher Bernard Strapp entspricht der Kauf der Strategie des grössten Schweizer Kabelnetzbetreibers: «Die Übernahme eines langjährigen Partners ist ein schöner Weg, unser Netz auszubauen und weiter zu wachsen.»

Das Know-how ist nicht mehr vorhanden

Für Peter Hausammann ergibt der vollständige Rückzug der Gemeinde Sinn. «Die Beteiligung ist nicht mehr zeitgemäss. Wir können das nötige Know-how für den Betrieb eines Glasfasernetzes mit diversen Diensten gar nicht aufbringen.» Kritischen Voten, dass Ermatingen eine lukrative Geldanlage ohne Not aus der Hand gebe, erteilt er eine Absage: «Wir hielten die Anteile nicht, um Gewinn zu machen.» Es sei eine Investition in die Infrastruktur gewesen, jedoch sei der Betrieb eines Kabelnetzes heute keine Aufgabe der Gemeinde mehr. Voraussetzung für den Verkauf sei auch die Tatsache gewesen, dass mit der Swisscom ein weiterer Anbieter vorhanden sei. «Es gibt kein Monopol in Ermatingen, sondern volle Konkurrenz.»

Den Erlös, den die Gemeinde Ermatingen durch den Verkauf ihrer Aktien realisiert, liegt über einer halben Millionen Franken. Der exakte Betrag wird erst in der Jahresrechnung der Gemeinde Ermatingen öffentlich sichtbar werden. «Er berechnet sich aufgrund klar definierter Kriterien, wie etwa der Abonnentenzahl per Stichtag 1. Juli», erklärt Hausammann. An der Gemeindeversammlung war ein Verkaufspreis von circa 560 000 Franken plus/minus 20 000 Franken genannt worden. «In diesem Rahmen wird es etwa liegen», sagt Hausammann. «Bei einem Buchwert der Beteiligung von 162 000 Franken ist das sicher ein gutes Geschäft.»

Erlös soll in eine neue Innovation fliessen

Das Geld fliesst nicht einfach in die Gemeindekasse. Auf Antrag von Peter Hausammann tätigte die Gemeindeversammlung noch einen zusätzlichen Beschluss. Der Gemeinderat fasste den Auftrag, bis zur Budgetversammlung einen Vorschlag zur Verwendung des Erlöses zu erarbeiten. «Dank des vorausschauenden Handelns der Gründer der RAE sind wir zu diesem Geld gekommen. Und es soll wieder in ein innovatives und zukunftsgerichtetes Projekt investiert werden.» Hausamann könnte sich etwa eine grosse Solaranlage vorstellen oder vielleicht LED-Strassenbeleuchtungen.