Ein Dorf im Klang der Musik

Die Uttwiler Meisterkurse finden in dieser Woche zum fünftenmal statt. 24 Musikerinnen und Musiker nehmen bei Meistern auf ihrem Instrument Unterricht. Für das Wohlbefinden der Teilnehmer sorgen freiwillige Helfer aus dem Dorf.

Michèle Vaterlaus
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Sie sind die guten Seelen der Uttwiler Meisterkurse: Christine Gantner, Monika Breitenmoser, Rosmarie Sonderegger, Walter Sonderegger und Annelies Schindler. (Bild: Michèle Vaterlaus)

Sie sind die guten Seelen der Uttwiler Meisterkurse: Christine Gantner, Monika Breitenmoser, Rosmarie Sonderegger, Walter Sonderegger und Annelies Schindler. (Bild: Michèle Vaterlaus)

UTTWIL. «Wenn man durch das Dorf läuft, hört man überall Musik, Uttwil ist in diesen Tagen ein klangvolles Dorf», schwärmt Monika Breitenmoser. Und Christine Gantner fügt an: «Es ist toll, wenn diese jungen Musiker mit ihren Instrumenten durchs Dorf spazieren.» Die beiden Frauen sind zwei neben rund zwölf weiteren Helferinnen und Helfern bei den Uttwiler Meisterkursen (siehe Kasten). Auch Annelies Schindler sowie Werner und Rosmarie Sonderegger haben sich bereit erklärt, das Projekt zu unterstützen.

Mädchen für alles

«Wir sind quasi die Handlanger der Teilnehmer», sagt Werner Sonderegger und schmunzelt. Die Helfer sorgen dafür, dass die Musiker während ihrer Übungsstunden zu trinken und etwas kleines zum Essen haben. Sie halten die Toiletten sauber, sorgen dafür, dass die Teilnehmer die Wege in Uttwil finden und stehen für jegliche Fragen zur Verfügung. Für Werner Sonderegger ist das aber keine Arbeit. «Ich fühle mich privilegiert, helfen zu dürfen.»

In Manchen Situationen sind von den Helfern Sprachkenntnisse gefragt. Denn an den Meisterkursen nehmen Schweizer sowie Russen, Deutsche, Koreaner und viele andere teil. «Wenn es sprachlich nicht klappt, arbeite ich mit Bilder, um zu erklären, wo beispielsweise das WC ist», sagt Christine Gantner. Sie ist seit Beginn der Uttwiler Meisterkurse dabei. Selbst hat sie einmal Klavier gespielt. «Später habe ich gesungen – immer in Chören.»

Zuhören im Unterricht

Doch nicht alle freiwilligen Helfer haben einen direkten Bezug zur Musik. «Ich habe immer eher dem Sport den Vortritt gegeben», sagt Annelies Schindler. Auch Rosmarie Breitenmoser hat nie ein Instrument gelernt. «Zwar wollte ich das immer, aber es hat nie geklappt. Mein Einsatz hier ist eine Art Kompensation», sagt sie und fügt an: «Am liebsten habe ich das Klavier.»

Spannend ist die Mitarbeit an den Meisterkursen für die Helfer aber auch ohne musikalischen Hintergrund. «Wenn ich in den Stunden sitze und zuhöre, klingt im ersten Moment für uns Laien alles perfekt. Dann gibt der Lehrer Inputs, und zum Schluss merken wir doch, dass einzelne Passagen ganz anders klingen», sagt Monika Breitenmoser.

Austausch ist spannend

Es sei aber nicht nur die Musik, die sie an den Meisterkursen reize. «Der Austausch mit diesen jungen, talentierten Menschen ist spannend», sagt sie. So beherbergt sie jeweils einen jungen Musiker. «Dieses Jahr haben wir wieder einen Cellisten bei uns», sagt sie. Damit sie ein Zimmer für den Gast frei hat, mussten ihre eigenen Kinder etwas zusammenrücken. «Sie schlafen in einem Zimmer oder auswärts bei ihren Freunden», sagt sie. Das sei kein Problem. Sie geniesse es, wenn der Musiker bei ihr Zuhause übe. «Das letzte Mal haben mir die Klänge des Cellos gefehlt, als die Woche vorüber war.»

Damit ist sie nicht alleine. «In dieser Woche ist das Dorf so voller Leben. Wenn ich das Fenster öffne, höre ich bestimmt irgendwoher Klänge einer Geige oder eines Klaviers», sagt Christine Gantner. Danach sei alles wieder still. Damit sie die Zeit bis im nächsten Jahr überbrücken kann, kauft sie sich jeweils eine CD vom Abschlusskonzert. «Diese kann ich dann mit Genuss immer wieder hören», sagt sie.