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Ein Clown auf Abschiedstournée

Der Arboner Clown Gaston Häni tritt diese Woche mit dem Zirkus Nock in Romanshorn auf. Der 64-Jährige über Wehmut, Witze unter der Gürtellinie und Zeiten, als ihm das Lachen verging.
Markus Schoch
Schelmischer Kellner: Gaston Häni findet sich selber lustig. (Bild: pd)

Schelmischer Kellner: Gaston Häni findet sich selber lustig. (Bild: pd)

Herr Häni, Sie stehen diese Woche in Romanshorn in der Manege. War es zum Abschied nicht möglich, an Ihrem Wohnort in Arbon die Zelte aufzuschlagen?

Gaston Häni: Es gab eine Anfrage, aber weil vieles los ist und der Zirkus Royal wie jedes Jahr die Tage rund um den 1. August in Arbon Halt macht, bekamen wir den Platz nicht. In Romanshorn waren wir im letzten Jahr, und das war nicht schlecht – und der Ort ist auch nicht so weit weg von Arbon.

Es ist also doch eine Art Heimspiel?

Häni: Ja, ja. Der Platz in Romanshorn auf der Schlosswiese ist sehr schön, und wir freuen uns auf unser Gastspiel dort. Aber ich erinnere mich auch gerne an meine Auftritte in Arbon mit dem Zirkus Royal. Der Platz direkt am See war wunderbar. Zudem blieben wir jeweils lange.

Erwarten Sie viele Freunde und Bekannte aus Arbon bei Ihren Auftritten in Romanshorn?

Häni: Der eine oder andere wird wohl vorbeikommen. Sicher auch meine Familie, die in der Region wohnt.

Worauf können sich die Romanshorner freuen?

Häni: Ich hoffe, sie haben Spass an dem, was wir machen. Die Vorstellung kommt bis jetzt sehr gut an beim Publikum. Wir haben eine gute Resonanz. Wichtig ist, dass alles gut zusammenspielt während des zweieinhalbstündigen Programms, das wir bieten.

Ende Jahr treten Sie kürzer. Die langen Tourneen wird es nicht mehr geben. Wie gross ist die Wehmut, wenn Sie daran denken?

Häni:Überhaupt kein Problem. Nach 47 Jahren im Showbusiness kann ich gut aufhören. Mit dem Zirkus waren wir immer neun Monate unterwegs, was eine wahnsinnig lange Zeit ist. Man wechselt zudem alle zwei oder drei Tage den Standort und ist ständig angebunden. Man kann nichts daneben machen. Und das ist schon schwierig.

Sie freuen sich auf die Pensionierung?

Häni: Ja, sehr sogar. Ich kann gut kürzer treten. Ganz aufhören werden wir sicher nicht. Den Weihnachtszirkus Conelli in Zürich werden wir weiter machen, und auch andere Kurzgastspiele geben.

Kann man als Clown überhaupt aufhören. Oder ist man einfach für immer und ewig der dumme August?

Häni:Sicher, ich bin ein humorvoller Mensch. Aber ich kann auch sehr ernsthaft sein.

Wie schwierig ist es als Clown, ernst genommen zu werden?

Häni: Da habe ich keine Probleme. Ein strenger Blick genügt.

Immer lustig sein zu müssen dürfte nicht immer lustig sein.

Häni:Das ist oft tatsächlich nicht einfach. Man muss alles überspielen können, wenn man beispielsweise Probleme hat. Man muss das Publikum trotzdem unterhalten, als wäre nichts geschehen. Aber wenn man spürt, dass der Funke überspringt, dann macht es uns die Sache in solchen Situationen natürlich leichter.

Worüber können Sie selber lachen?

Häni: Über alles, was gut ist.

Und was ist gut?

Häni:Mit den Comedians in Deutschland, die den ganzen Abend Witze erzählen, habe ich oft ein bisschen Mühe, weil ihr Humor unter der Gürtellinie liegt. Es gibt aber auch solche, die ich mag, beispielsweise Michael Mittermeier. Er bewegt sich, arbeitet mit dem Körper und dem Gesicht und hat super Themen. Ich kann auch über die alten Komiker wie Heinz Erhardt lachen. Früher gab es auch viele gute Clowns, leider sind alle mittlerweile verstorben. Nachwuchs an traditionellen Zirkusclowns gibt es praktisch nicht. Es wird immer schwieriger. Clowns, die lange Nummern machen und mit Requisiten eine Geschichte erzählen, so wie ich es mit meinem Partner Roli Noirjean mache, werden immer weniger. Heute stehen Stand-up- Comedians, Strassenclowns oder Musikclowns in der Manege.

Warum gehören Sie zu einer aussterbenden Spezies?

Häni: Es gibt keine Nachwuchsförderung mehr. Früher übernahmen Zirkusdirektoren diese Aufgabe, das gibt es nicht mehr.

Wieso?

Häni: Weil es sie nicht mehr gibt. Heute sucht man Aushängeschilder. Es begann mit Dimitri und Emil und ging dann in dieser Richtung weiter.

Sie haben die Konsequenzen aus dieser Entwicklung gezogen und Ihren Kindern nahegelegt, mit der langen Zirkus-Tradition in Ihrer Familie zu brechen.

Häni:Ich wollte, dass sie eine sichere Zukunft haben. Und habe sie deshalb nicht gefördert, zum Zirkus zu gehen.

Werden Sie jetzt sesshaft?

Häni: Ich wohne schon seit 25 Jahren in Arbon.

Die meiste Zeit waren Sie allerdings unterwegs.

Häni:Ja, aber im Winter war ich jeweils zu Hause.

Und künftig?

Häni:Werden wir mehr wohnen. Darauf freue ich mich. Ich habe meine Familie hier, der ich wieder näher sein kann. Wir werden aber sicher auch ein bisschen Europa bereisen.

Haben Sie nicht längst alles gesehen?

Häni: Ich habe praktisch mein ganzes Leben fast nur im deutschsprachigen Raum gearbeitet, wegen unserer Dialoge und dem Geld. In Frankreich zu arbeiten und in der Schweiz Steuern und Versicherungen zu zahlen, geht nicht. Der Verdienst ist zu klein. Und wenn ich im Winter einmal Ferien nahm, was zuletzt nicht oft vorkam, musste ich immer weit weg, um die Sonne geniessen zu können.

Wohin zieht es Sie?

Häni:Nach Südfrankreich oder auch Spanien. Ich interessiere mich für Architektur, sehe gerne alte Dörfer und geniesse die Natur.

Sie waren beim Zirkus Knie und wurden von Prinz Rainer beim Zirkusfestival in Monte Carlo ausgezeichnet. Sie spielten in Filmen mit und standen auf der Theaterbühne. Trotzdem mussten Sie finanziell teilweise unten durch. Wie kann das sein?

Häni: Man macht sich falsche Vorstellungen. Die Gagen beim Knie beispielsweise waren klein. Und ich hatte immer einen Partner, mit dem ich teilen musste. Dann bleibt nicht mehr viel. Als die Kinder kamen, war es deshalb schwierig. Reich wird man nicht als Clown. Aber ich will nicht klagen: Man kann davon leben.

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