Ein Bürgerforum für Arbon

ARBON. Seit vier Jahren vertritt die Quereinsteigerin Astrid Straub die SVP im Parlament. Politisiert worden ist sie über eine Bürgerbewegung. Jetzt will sie im Stadtrat bürgerverbunden wirken.

Max Eichenberger
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Auf die Stimmung im Volk besser hören: Astrid Straub vor dem Haus zur Biene in der Altstadt. (Bild: Max Eichenberger)

Auf die Stimmung im Volk besser hören: Astrid Straub vor dem Haus zur Biene in der Altstadt. (Bild: Max Eichenberger)

Diesen Monat wird sie 50, seit 26 Jahren ist sie verheiratet, hat einen erwachsenen Sohn. In Goldach aufgewachsen, lebt Astrid Straub seit 1975 in Arbon. Anfangs bewohnte sie das Haus zur Biene. In der Altstadt, von deren Entwicklungspotenzial sie überzeugt ist, hat sie auch die Lehre im Damencoiffeuse-Fach absolviert. Später war sie als Versicherungsagentin tätig. Seit 15 Jahren arbeitet die sportliche Stadtratskandidatin, die als Ausgleich gerne im Fitnesscenter Workouts schwitzt und Volleyball spielt, mit einem 50-Prozent-Pensum als Betriebsangestellte in einem Steinacher KMU-Unternehmen.

Politik aus Betroffenheit

Politisiert wurde Astrid Straub aus eigener Betroffenheit vor fünf Jahren. Damals sorgte das neue Durchgangsheim für Asylsuchende in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft für Schlagzeilen. «Wir sind vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Man hat es nicht für nötig befunden, die Anwohner direkt zu informieren. Die SVP hat dann unsere Bedenken aufgenommen.» Diese Bürgernähe der Partei habe sie als regelmässiger Gast am Politstamm schätzen gelernt. Und ihr Interesse, in Arbon aktiv etwas auf dem Politik-Parkett bewegen zu wollen, geweckt. So trat sie der SVP bei, liess sich auf die Parlamentsliste setzen und wurde 2011 prompt auf Anhieb gewählt.

An Lösungen arbeiten

So, wie sie als Leserbriefschreiberin ihre Meinung kundgetan hatte, nahm Astrid Straub dann auch als Volksvertreterin kein Blatt vor den Mund. Als Aktivposten erwarb sie sich in der Fraktion als neugierige Quereinsteigerin rasch Respekt und den Ruf einer hartnäckigen Arbeiterin, die den Gang zum Mikrophon nicht scheut. «Ich setze mich gern ein und arbeite an Lösungen», sagt sie. «Wenn ich etwas anpacke, dann ist es mein Ehrgeiz, dies auch beharrlich durchzuziehen.» Sie bezeichnet sich selber als Frau, «die Dinge hinterfragt, bevor sie zu etwas Ja sagt». Die knochenharte Basisarbeit und die Stimmung im Volk lernte sie beim Sammeln der Unterschriften für die Sozialdetektiv-Initiative kennen: «Man muss erklären können, worum es bei einem Engagement geht.» Niemand habe Empfänger von Sozialhilfe im Visier, die unverschuldet in eine solche Situation geraten sind und berechtigte Ansprüche haben. Missbrauch-Verdachtsfällen sei aber konsequenter nachzugehen. Und für die Bewirtschaftung der Dossiers müsse man sich mehr Zeit nehmen.

Mehr Eigenverantwortung

Gut vertreten ist Astrid Straub in Kommissionen. So ist sie Mitglied der Einbürgerungskommission. Diese Arbeit, die «zeitaufwendig, aber interessant ist», bereite ihr Freude. Der Prozess der Meinungsfindung sei spannend, sagt Astrid Straub. Sie knie sich gern in Themen rein, habe «keine Berührungsängste». Anzutreffen ist Astrid Straub an fast allen Informationsveranstaltungen.

Sie möchte nun die Sicht des Volkes in den Stadtrat einbringen. Es mangle an offener Kommunikation. «Von Überforderung der Bevölkerung zu sprechen, wie dies der Stadtammann tat: eine solche Aussage macht man nicht.» Der Stadtrat müsse mehr Eigenverantwortung wahrnehmen, eine straffe Führung und effiziente Abläufe gewährleisten. «Wir brauchen nicht so viele teure Gutachten.» Und die Verwaltung habe für die Bürger da zu sein. Astrid Straub könnte sich vorstellen, ein Bürgerforum zu initiieren, um die Basis besser an Prozessen zu beteiligen, deren Meinung abzuholen, bevor etwas beschlossene Sache ist.

Versteckte Steuern ein «No-go»

Ein «No-Go» sind für sie versteckte Steuern wie Abfallgebühren. Höhere Badetarife vergraule die Leute, es gebe andere Sparpotenziale als an Arboner Errungenschaften zu rütteln. Der Geldbeutel vertrage keine Luxuslösungen, verlangt Straub mehr Mass für das zweckmässig Machbare und Nötige – in der Entwicklung wie aktuell beim Verkehr. «Manchmal muss man halt auch etwas zurückstellen.» Zur Qualität gehörten überdies die Sicherheit ihrer Bürger – und genügend Grünräume.

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