Eher mildes Urteil für Verkehrsrowdies

Die zwei Raser, die in einer Dezembernacht 2006 mehrfach ein Auto Unbeteiligter rammten, müssen sechs Monate in Halbgefangenschaft. Das Kreuzlinger Bezirksgericht verurteilte sie gestern zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren, davon zwei Jahre bedingt.

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Die zwei Raser, die in einer Dezembernacht 2006 mehrfach ein Auto Unbeteiligter rammten, müssen sechs Monate in Halbgefangenschaft. Das Kreuzlinger Bezirksgericht verurteilte sie gestern zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren, davon zwei Jahre bedingt. Der Staatsanwalt hatte sechseinhalb Jahre Gefängnis gefordert, die Verteidiger 18, beziehungsweise 12 Monate bedingt.

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Das Gericht sprach die zwei Angeklagten vom Vorwurf der versuchten eventualvorsätzlichen Tötung frei, hingegen der mehrfachen Gefährdung des Lebens schuldig. Es war die Rede von grosser krimineller Energie, «zur Stunde der Idioten», also zwischen drei und fünf Uhr morgens. Wegen des «beeindruckenden Wandels» und dem «zu lange» dauernden Verfahren reduzierten die Richter das vorgesehene Strafmass von fünf Jahren um die Hälfte. Dank der Möglichkeit der Halbgefangenschaft können die heute 27-Jährigen ihre stabile berufliche Situation aufrecht erhalten. Sie waren zum Tatzeitpunkt vorbestraft, seither aber nicht mehr straffällig.

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Die Anwälte hatten am Mittwoch und am Donnerstagmorgen alle Register gezogen. Lautstark getadelt wurde die lange Verfahrensdauer von fünf Jahren. Der Verteidiger des Kosovaren sprach von einem «Skandal», aufgrund dessen das Strafmass um die Hälfte zu reduzieren sei. Der Verteidiger des Mazedoniers, der als Lenker die Rammstösse gegen das vordere Fahrzeug ausführte, zerpflückte die Anklageschrift und sparte nicht mit Kritik an den Untersuchungsbehörden und am Staatsanwalt. Dieser forderte Härte, weil die jungen Männer ihr Auto bewusst als Waffe eingesetzt hätten.

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In einem stundenlangen Plädoyer rollte letzterer Verteidiger den Fall noch einmal auf und stellte fast sämtliche Ausführungen der Staatsanwaltschaft sowie ein Gutachten in Frage. Die Opfer, alles Schweizer, hätten ihrerseits provoziert, die Angeklagten mit «Scheiss-Jugos» beschimpft. Sie hätten nicht wie dargestellt Todesangst gehabt, sondern dazu beigetragen, dass die Situation derart eskalierte.

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Die erste Hälfte der Horrorfahrt absolvierte bekanntlich der eine, die zweite Hälfte der andere Angeklagte. Die Verteidiger argumentierten, man könne den jeweiligen Beifahrer nicht für die Taten des Fahrers verantwortlich machen. Das Gericht ging jedoch wie der Staatsanwalt davon aus, dass beide mit dem gegenseitigen Handeln einverstanden waren. Da es die Verfolgungsjagd als Einheit sieht, ist auch das Strafmass bei beiden Tätern gleich.

Martina Eggenberger Lenz