EGNACH: Wasser, frisch ab Quelle

Wegen der Landwirtschaft ist der Wasserverbrauch sehr hoch. Damit qualitativ hochwertiges Trinkwasser aus dem Hahn sprudeln kann, braucht es zuweilen grössere Investitionen. Derzeit werden die Quellfassungen saniert.

Barbara Hettich
Drucken
Teilen
Remo Strasser zeigt das Ausmass der Bauarbeiten im Wald von Atzenholz. (Bild: Barbara Hettich)

Remo Strasser zeigt das Ausmass der Bauarbeiten im Wald von Atzenholz. (Bild: Barbara Hettich)

Barbara Hettich

romanshorn@thurgauerzeitung.ch

Im Wald in Atzenholz in der Gemeinde Egnach sieht es derzeit wie in einer Mondlandschaft aus. Auf einer relativ grossen Fläche wurden Bäume gefällt und in vier Metern Tiefe haben die rund 120 Jahre alten Quellen neue Fassungen aus Beton und Lehm bekommen. Wegen fehlender Pläne, wo das Wasser gefasst wird, habe man den alten Fassungssträngen nachgraben müssen, zudem musste vorgängig ein Ableitungsgraben in den Hegibach erstellt werden, um zu verhindern, dass sich die Quelle bei den Schürfarbeiten einen anderen Weg durch den Untergrund sucht, erklärt Brunnenmeister Remo Strasser von der Wasserversorgung Egnach das Ausmass der Grabungen. «Das hat hohe Wellen geworfen», sagt er. Viele hätten nicht verstanden, warum so ein Eingriff in die Natur, in einer Schutzzone, notwendig wurde.

Fünfzig Kilometer langes Leitungsnetz

«Quellwasser ist das kostbarste Wasser, es ist von hoher Qualität, ohne bedenkliche Rückstände und ohne grossen Aufbereitungsbedarf», sagt Remo Strasser. Zudem fliesse es von selbst ins Reservoir und müsse nicht wie das Seewasser hochgepumpt werden, verbrauche also auch hier keine kostbare Energie. In der Gemeinde Egnach gebe es seit 2013, mit dem Zusammenschluss der drei Wasserkorporationen Steine-brunn, Neukirch-Egnach und Betenwil-Baumannshaus eine Generelle Wasserversorgungsplanung (GWP). Darin sei festgehal-

ten, dass für eine sichere Wasserversorgung alle drei Standbeine – Grundwasser, Quellwasser und Seewasser – von Bedeutung sind. Falle eine Zuleitung aus, dann können andere überbrücken. Die Gemeinden sind besorgt, dass Tag für Tag einwandfreies Trinkwasser aus dem Wasserhahn sprudelt. In der Gemeinde Egnach kommt das Wasser über ein rund fünfzig Kilometer langes Leitungsnetz, Hausanschlüsse nicht eingerechnet.

2800 Kubikmeter pro Tag im Sommer

Im Winter fliessen 750 Kubik Wasser pro Tag durch die Röhren, im Sommer sind es bis zu 2800 Kubik. «Wir haben sehr viel Landwirtschaft, deshalb ist der Wasserverbrauch in Egnach mit 350 Liter pro Person und Tag doppelt so hoch wie im Schweizer Durchschnitt mit rund 150 Liter», sagt Brunnenmeister Remo Strasser. Ein Viertel des Wasserverbrauchs in Egnach wird durch Quell- und Grundwasser gedeckt, drei Viertel bezieht die Gemeinde von den Seewasserwerken Romanshorn und Arbon. In den vergangenen Jahren sei das Quellwasser stark zurückgegangen, erzählt Remo Strasser weiter. Grund dafür waren die alten Leitungen und Wurzel-Einwachsungen. Nach der Sanierung der Quellfassungen wird das kostbare Nass wieder reichlich in das Reservoir fliessen. Remo Strasser freut sich über das gesunde Wasser, das in einem Vergleich mit teuren Mineralwassern problemlos mithalten kann und erst noch frischer sei. Rund 200000 Franken hat sich die Gemeinde Egnach dies kosten lassen. «Die Natur wird sich von diesem Eingriff sehr schnell wieder erholen und hat dann die nächsten 120 Jahre wieder Ruhe», ist Remo Strasser überzeugt.