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EGNACH: «Unnötige Verletzungen»

Letzte Woche diskutierten Fachleute und betroffene Angehörige über Demenz. Die Krankheit ist weit verbreitet. Unkenntnis und Unwissenheit sind aber noch immer gross.
Markus Schoch

Markus Schoch

markus.schoch@thurgauerzeitung.ch

Die Krankheit ist weit verbreitet, Angehörige kämpfen mit Überforderung und Schuldgefühlen. «Demenz ist bei mir in der Praxis ein häufiges Thema, weil die Menschen immer älter werden», sagte der Egnacher Hausarzt Reto Kälin am Podium der Kommission für Altersfragen am Mittwoch in der Rietzelghalle. Moderiert wurde der Anlass von Karin Kobler.

Schätzungsweise über 4000 Personen sind im Thurgau von Alzheimer und Co. betroffen. Doch bei der Hälfte ist der ­fortschreitende Abbau von Nervenzellen im Hirn gar nicht ­diagnostiziert, was vieles noch schwieriger macht, als es ohnehin schon ist. «Es passieren unnötige Verletzungen», sagte Marlene Schadegg, Leiterin des Pflegeheimes Sonnhalden in Arbon. Zur Unkenntnis kommt oft auch Unwissenheit. Die grösste Herausforderung für sie sei, «wie wir das Thema noch mehr in die Köpfe der Menschen bringen», sagte Heidi Schänzle-Geiger, Fachärztin für Alterspsychiatrie und Vorstandsmitglied der Alzheimervereinigung Thurgau. Denn es könne jeden treffen. «Es ist wichtig, etwas gegen die Stigmatisierung zu tun», meinte auch Martin Peterson, ärztlicher Bereichs­leiter im Spital Münsterlingen. «Menschen mit Demenz sind nicht demente Menschen.»

Hampi Thoma hätte sich ­gewünscht, besser informiert zu sein, als seine Mutter vor 15 Jahren die Diagnose bekam. «Die Ungewissheit am Anfang machte Angst und beschleunigte die Orientierungslosigkeit.» Sie stelle fest, dass es oft viel brauche, bis jemand professionelle Hilfe in Anspruch nehme, sagte Evelyn Schwab, Geschäftsleiterin der Spitex der Region Arbon «Die Widerstände sind teilweise gross.» Und das Ganze ende zuweilen in Notfallsituationen. Die Spitex könne «eine Menge leisten» und die Angehörigen in schwierigen Situationen entlasten.

Kanton hat sich grosse Schuhe angezogen

Beratung bietet nebst der Alz­heimervereinigung auch die Pro Senecute an, sagte Angelika Langen, die in Amriswil ihr Büro hat. Sie hilft beispielsweise beim Verfassen eines Vorsorgeauftages, der regelt, wer einen vertreten soll, wenn man nicht mehr urteilsfähig ist. «Das ist sehr wichtig», betonte Hausarzt Kälin. «Der Zeitpunkt dafür ist genau jetzt», meinte Schadegg.

Die Fäden im Hintergrund zieht der Kanton. Mit dem neuen, im Frühling des letzten Jahres verabschiedeten Geriatrie- und Demenzkonzept werde die Grundlage für die Entwicklung einer bedarfsgerechten Gesundheitsversorgung der alten und hochaltrigen Bevölkerung im Thurgau geschaffen, sagte Susanna Schuppiser, die stellvertretende Leiterin des Gesundheits­amtes. Die Demenz soll in der Grundversorgung eine stärkere Beachtung erhalten, und es sollen spezielle Angebote zur Verfügung gestellt werden. «Wir haben uns grosse Schuhe angezogen, um vorwärts zu kommen», sagte Schuppiser.

Ein Heilmittel zur medikamentösen Therapie der Krankheit gebe es im Moment nicht, sagte Peterson. «Und ich rechne in den nächsten 20 Jahren auch nicht damit, trotz vielversprechender Ansätze.» Ein Leben mit Demenz müsse nicht unbedingt nur schlimm sein, sagte Schadegg. «Es sind wunderschöne ­Beziehungen auf ganz anderen Ebenen möglich.»

Markus Schoch

markus.schoch@thurgauerzeitung.ch

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