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EGNACH: Thurella-Areal: «Wir wollen nichts verschenken»

Die Entwicklung des Thurella-Areals dauert länger als geplant. Wie so oft geht es auch ums Geld. Der Gemeinderat fordert eine Gegenleistung für die vorgesehene Umzonung. Denn diese wertet das Grundstück massiv auf.
Markus Schoch
Gemeindepräsident Stephan Tobler vor dem Mostereigebäude. (Bild: Donato Caspari)

Gemeindepräsident Stephan Tobler vor dem Mostereigebäude. (Bild: Donato Caspari)

Markus Schoch

markus.schoch@thurgauerzeitung.ch

Der Fahrplan war zu ehrgeizig. 2016 sollte das Jahr der Entscheidung sein. Doch entschieden ist bis heute nichts. Gemeindepräsident Stephan Tobler geht davon aus, dass die Weichen erst im nächsten Jahr gestellt werden. «Auf jeden Fall erst dann, wenn wir so weit sind.»

Das Projekt der Thurella für ein neues Zentrumsquartier lässt sich nur verwirklichen, wenn die Egnacher Ja sagen zur Umzonung des riesigen Geländes direkt beim Bahnhof. Es hat die Fläche von über 20000 Quadratmetern, was in etwa der Grösse von drei Fussballplätzen entspricht. Die drei Parzellen liegen heute in der Gewerbezone und sollen zur viergeschossigen, gut erschlossenen Zentrumszone werden, die eine gemischte Nutzung mit Wohnungen und Gewerbeflächen erlaubt.

Der Gemeinderat stehe nach wie vor hinter dem Projekt, das der Bevölkerung vor bald drei Jahren vorgestellt wurde, sagt Gemeindepräsident Stephan Tobler. «Es ist schön.» Und es sei ein wichtiger Beitrag zur Verdichtung. Egnach habe heute 40 so genannte Raumnutzer pro Hektare. «Wir müssten aber gemäss Berechnungen des Kantons 60 haben», sagt Tobler. Wie ernst es dem Gemeinderat ist, lässt sich daran ermessen, dass der Entwurf des revidierten kommunalen Zonenplans die Entwicklung auf dem Thurella-Areal bereits vorwegnimmt. Das letzte Wort werde aber die Bevölkerung in einer separaten Abstimmung haben, versichert Tobler.

Gemeinde will Abgeltung für Mehrwert

Grund für die Verzögerung seien schwierige Verhandlungen, die seit langem mit den Verantwortlichen der Thurella geführt würden. «Dabei geht es ganz wesentlich um den Mehrwert, den die Grundstücke durch die Umzonung erhalten.» Die Rede ist von 6 bis 8 Millionen Franken. Der Gemeinderat sei der Meinung, dass die Öffentlichkeit auch ­etwas davon haben sollte, sagt Tobler. «Wir wollen nichts verschenken.»

Die Behörde möchte kein Geld, sondern eine Gegenleistung für das Entgegenkommen der Gemeinde. Konkret erwarten Tobler und seine Kollegen und Kolleginnen, dass die Thurella Finanzierungsmodelle entwirft, die es erlauben, Leben in die denkmalgeschützten Gebäude zu bringen. Die Mietpreise beispielsweise in der ehemaligen Mosterei sollen so attraktiv sein, dass die Gewerbeflächen dort auch tatsächlich belegt werden.

Egnach erfinde das Rad nicht neu, sagt Tobler. Uster beispielsweise habe sich als Gegengeschäft für die Umzonung von den davon profitierenden Investoren riesige Grünanlagen in der Stadt finanzieren lassen.

Gewerbe will nicht alles umzonen

Die Mehrwertabschöpfung ist jedoch nicht der einzige Diskussionspunkt, der die Gespräche in die Länge zieht. Der Gewerbeverein wehre sich dagegen, dass das ganze Thurella-Grundstück zur Zentrumszone wird, sagt ­Tobler. «Er möchte, dass ein Teil weiter der gewerblichen Nutzung zur Verfügung steht.»

Hinzu kommen Bedenken von Industriebetrieben aus der Nachbarschaft, die wegen des von ihnen verursachten Lärms Probleme mit den künftigen Wohnungsmietern befürchten. Es brauchte deshalb ein entsprechendes Gutachten. Und ebenso eines in Bezug auf den Verkehr, sagt Tobler.

Für die Gemeinde stellt sich darüber hinaus die Frage, wie die Überbauung mit 140 Wohnungen etappiert werden kann, sodass sie keine 20 Jahre währende Grossbaustelle wird. Fast noch entscheidener sei, wie die Abmachungen mit der Thurella für Dritte verbindlich erklärt werden können, sagt Tobler. Denn die Firma wird das Projekt nicht selber realisieren, sondern einen Investor an Bord holen, sobald die Baubewilligung vorliegt. Auch dafür brauche es eine Lösung, sagt Tobler.

«An einem Punkt angelangt, wo es schwierig ist»

Heinz Stübi, der Vizepräsident des Thurella-Verwaltungsrates, will nichts beschönigen. «Wir sind jetzt tatsächlich an einem Punkt angelangt, wo es schwierig ist, nachdem im Verlaufe des Projektes immer neue Anforderungen an uns herangetragen worden sind.» Insbesondere die Auflagen im Energiebereich, in der öffentlichen Nutzung und in Bezug auf den Gewerbeanteil würden eine «wirtschaftlich sinnvolle Umsetzung des Projektes verunmöglichen». Zuversichtlich stimme ihn aber, dass «wir bis jetzt immer eine Lösung gefunden haben». Weil sich beide Seiten einig gewesen seien, dass das Projekt «eine Win-win-Situation ist».

An der Thurella soll es nicht liegen, macht Stübi klar. Auch weil sie bereits viel Geld in die Entwicklung des Areals gesteckt hätten. «Wir sind nicht abgeneigt, eine faire Abgeltung des Mehrwertes durch eine Umzonung zu leisten.» Details dazu könne er aber nicht nennen. «Die Verhandlungen sind noch nicht angelaufen.»

Lange kann es aber nicht mehr dauern. Bereits in den nächsten Tagen setzen sich der Thurella-Verwaltungsrat und eine Delegation des Gemeinderates an einen Tisch, um die offenen Punkte zu besprechen.

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