EGNACH: Senioren wollen sich nicht helfen lassen

Die Egnacher machen die gleichen Erfahrungen wie zuvor die Romanshorner mit einem ähnlichen Projekt für ältere Menschen: Das Angebot wird nicht genutzt.

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Die Bilanz war ernüchternd. Nur gerade vier Personen wollten sich innerhalb eines Jahres bei der Gartenarbeit oder im Haushalt für 22 Franken pro Stunde helfen lassen. Die Stadt Romanshorn entschied deshalb vor sieben Jahren, das von ihr entwickelte Projekt einzustellen beziehungsweise einen Teil der Aufgaben der Spitex zu übertragen. Es hiess «Länger daheim» und sollte Senioren ermöglichen, den Schritt ins Altersheim hinauszuzögern. Die Hilfsbereitschaft war gross: Es boten relativ viele Personen ihre Dienste bei der Koordinationsstelle an.

Nachbarschaftshilfe spielt gut

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in Egnach, wo die Kommission für Altersfragen 2014 mit der sogenannten Kompetenzbörse ein ganz ähnliches Angebot geschaffen hat. Es sind zwar aktuell rund 20 Senioren bereit, andere Senioren irgendwohin zu fahren oder bei kleineren Hausarbeiten zu unterstützen. «Die Nachfrage ist aber sehr gering», sagt Kommissionspräsidentin Verena Marti. Und das obwohl die Alterskommission bei jeder sich bietenden Gelegenheit für die Kompetenzbörse wirbt. Und obwohl der Tarif tiefer ist als seinerzeit in Romanshorn: Pro Stunde zahlt man in Egnach 15 Franken.

Über die Gründe für das äusserst verhaltene Interesse kann die SP-Gemeinderätin nur spekulieren. Eine mögliche Erklärung sei die Struktur von Egnach mit seinen fast 70 Weilern. «Man kennt sich. Die Nachbarschaftshilfe wird grossgeschrieben», weiss Marti aus eigener Erfahrung. Wenn man Unterstützung brauche, sei jemand da. Vielleicht seien die Ansätze auch zu hoch.

Trotz den bisher eher durchzogenen Erfahrungen will Marti an der Kompetenzbörse festhalten. «Ich habe immer noch die Hoffnung, dass die Nachfrage irgendwann anzieht. Es braucht sicher Zeit.» Sie verhehlt aber auch nicht, dass sie etwas enttäuscht sei. Vielleich seien Anpassungen am Konzept nötig, was sie in der Alterskommission nochmals zur Diskussion stellen wolle.

2017: das Jahr der Demenz

Im Moment stehe allerdings anderes im Vordergrund. «Wir haben 2017 zum Demenz-Jahr erklärt und eine Veranstaltungsreihe organisiert», sagt Marti. Der erste Anlass findet am kommenden Mittwoch um 19 Uhr in der Rietzelghalle statt: Es ist ein Vortrag von Gerald Weber-Luxenburger, Oberarzt der Clienia AG.

Markus Schoch

markus.schoch@thurgauerzeitung.ch

Kompetenzenbörse, Gemeindeverwaltung, Bahnhofstr. 81, 9315 Neukirch-Egnach, Tel. 071 474 77 78, sarah.nold@egnach.ch info@egnach.ch