EGNACH: Noch weit entfernt vom Ziel

Am Freitagabend lud die Gemeinde zu einem gemütlichen Beisammensein ein. Dieses Dankeschön richtete sich an Arbeitgeber, welche sich um die Integration von Asylbewerbern kümmern.
Sara Carracedo
Christina Holzer von der Kommission Integration richtet Dankesworte an die anwesenden Arbeitgeber. (Bild: Sara Carracedo)

Christina Holzer von der Kommission Integration richtet Dankesworte an die anwesenden Arbeitgeber. (Bild: Sara Carracedo)

Sara Carracedo

romanshorn@thurgauerzeitung.ch

Das Restaurant Traube im Herzen der Gemeinde ist ausnahmsweise abends noch beleuchtet. Normalerweise schliesst das Lokal am frühen Abend, doch heuer schwirren die Angestellten leicht nervös umher und treffen die letzten Vorbereitungen. «Schau, du musst das Glas so halten und bis zum Bauchanfang einschenken», erklärt die Servicekraft, eine Sozialhilfeempfängerin, dem Asylbewerber wie der Wein korrekt einzuschenken ist. Die Wahl der Lokalität passt perfekt für den heutigen Anlass, denn die Kommission für Integration will sich bei allen Arbeitgebern der Gemeinde mit einem schmackhaften Abendessen bedanken, welche tatkräftig die Integration von Asylbewerbern und Sozialhilfeempfängern unterstützen.

Schweizweit die höchste Vermittlungsquote

Betreuer des Restaurants ist Roman Sturzenegger, Programmleiter des gastro-abc. Er hat aktuell 23 Beschäftigte bei sich im Programm. Im Restaurant lernen seine Klienten den Umgang mit Kunden und werden in die Arbeitswelt integriert. Sturzenegger und sein Team bereiten die zu Vermittelnden soweit vor, dass sie nach wenigen Monaten einem Arbeitgeber übergeben werden können. Im letzten Jahr hat das gastro-abc eine Vermittlungsquote von 75 Prozent ausgewiesen. «Wir haben schweizweit die höchste Vermittlungsquote im Bereich der Sozialhilfe und Asylwesen», sagt Sturzenegger stolz.

Toni Hengarter, Besitzer von Hengartner Pflanzen GmbH, beschäftigt ebenfalls Asylanten bei sich. «Im Winter gehe ich die Personalplanung an und wenn ich Lücken sehe, gehe ich auf Pius Schenker zu und frage ihn, ob er noch jemanden hat, der Lust und Zeit hat und motiviert ist», erklärt Hengarter. Schenker ist Leiter der Sozialen Diensten in Egnach und froh um jede Unterstützung. Oftmals stellen sich aber die Sprache und das Rechnen als Problem aus, wie Schenker weiss: «Vor allem Erwachsene aus den östlichen Ländern haben einen Rechenstatus wie ein Drittklässler und dann wird es schwierig.»

Aber Schenker kann grundsätzlich ausschliessen, dass Asylanten aus dem einen Land besser oder schlechter seien, denn er habe schon zu oft Ausnahmen erlebt. Er stelle zwar kulturelle Unterschiede fest, doch es komme immer auf die Person selbst an. Das kann Hengartner nur bestätigen. Seine Angestellten stammen aus rund 15 verschiedenen Nationen und das funktioniere sehr gut, denn er habe noch nie Probleme mit Asylanten oder Ausländern bei sich gehabt. «Klar kommt es mal vor, dass ein Asylant speditiver arbeitet als ein anderer, doch das haben wir bei den Schweizern auch», sagt Hengartner und lacht.

Das Ziel Schenkers ist klar: «Jeder der irgendwie arbeitsfähig ist, sei es ein Asylant oder ein Schweizer Sozialhilfeempfänger, soll in die Arbeitswelt integriert werden. Aktuell sind wir bei 30 Prozent und somit meinem Ziel leider noch weit entfernt.»

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