EGNACH: Grosse Baustelle mitten im Wald

Die Gemeinde fasst eine Quelle beinahe auf dem höchsten Punkt des Dorfes neu. Das Wasser von dort wird rund einen Viertel des Bedarfes von Egnach liefern. Nicht alle haben Freude am Projekt.

Markus Schoch
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In den letzten Wochen ist viel Erde bewegt worden: Die Grube ist viele Meter tief. (Bild: Markus Schoch)

In den letzten Wochen ist viel Erde bewegt worden: Die Grube ist viele Meter tief. (Bild: Markus Schoch)

Markus Schoch

markus.schoch@thurgauerzeitung.ch

Zuletzt konnte man das Wasser nicht mehr trinken, das aus der Quelle in Atzenholz gefasst wird. Die Zugänge waren verschmutzt. Es läuft deshalb seit bald zehn Jahren direkt in den Hegibach. Jetzt ist die Gemeinde daran, die Anlage für rund 200000 Franken zu sanieren und auszubauen – eines der Ziele im Generellen Entwässerungsplan aus dem Jahr 2010.

Die Quelle liegt etwas unterhalb des höchsten Punktes von Egnach und ist wichtig für das Dorf: Sie wird künftig 50000 und 60000 Kubikmeter Wasser pro Jahr liefern, was in etwa einem Viertel des Bedarfs der Gemeinde entspricht. «Es hat Mineralwasserqualität und läuft zuerst ins neue Wasserreservoir in Winden und von dort in die Haushaltungen», sagt Gemeindepräsident Stephan Tobler

Dachse und Füchse verlieren ihre Wohnung

Das Quellgebiet liegt mitten in einem weitgehend unberührten Waldstück unmittelbar neben einem geschützten Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung. Den Bauarbeiten fielen nicht nur viele Bäume zum Opfer. Es wurden auch Jahrhunderte alte Dachsburgen zerstört, bedauert der ehemalige Jagdaufseher Werner Hofmann. Sie seien unnötigerweise kaputt gemacht worden, weil die Verantwortlichen zuerst unmittelbar daneben nach Wasser gesucht hätten, was ein schlechter Witz sei. «Wer so etwas tut, steht neben den Schuhen. Denn Dachse graben sicher nicht dort Gänge in den Boden, wo sie nachher nasse Füsse haben.» Füchse hätten ebenfalls ihre Wohnung sowie ihre Jungen verloren. Und rund 50 Orchideen ihren Lebensraum.

Es sei alles mit rechten Dingen zu- und hergegangen, sagt Tobler. «Es gab ein ordentliches Baugesuch, das diverse Ämter des Kantons geprüft und schliesslich für bewilligungsfähig erklärt haben.» Die Gemeinde werde das Gelände wieder aufforsten und renaturieren – das sei Teil der Abmachung mit dem Kanton. Das mit den Dachsen und Füchsen tue ihm leid, sagt Tobler. Die Tiere würden sich aber neue Höhlen bauen.

Er sei zuversichtlich, dass sich die Natur im Waldgebiet wieder erholen werde. So wie sie es im Naturschutzgebiet nebenan gemacht habe. Dort wurde früher Kies abgebaut. Später warfen Soldaten Handgranaten zu Übungszwecken. Die Krater sind heute noch zu sehen.

Die Gemeinde mache viel für den Naturschutz, erklärt Tobler mit Verweis auf das Flachufer in Wiedehorn oder die ökologischen Aufwertungsmassnahmen bei der Rietzelghalle.

Mehr Platz für Pflanzen und Tiere gebe es bald auch beim Wasserreservoir im «Chrummholz», das im Zusammenhang mit dem Neubau in Winden abgebrochen werde. «Auch dort wird eine Aufforstung und Renaturierung stattfinden. Dachse und Füchse erhalten auf diese Weise wieder mehr Lebensraum.»