EGNACH: Ein Scherbenhaufen

Auch das abgespeckte Überbauungsprojekt auf dem Gristenbühl kommt bei der Bevölkerung nicht gut an. An der Informationsveranstaltung am Montagabend machte sich eine gewisse Ratlosigkeit breit.

Markus Schoch
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Visualisierung der redimensionierten Überbauung auf dem Gristenbühl. (Bild: PD)

Visualisierung der redimensionierten Überbauung auf dem Gristenbühl. (Bild: PD)

Nach knapp zwei Stunden platzte Architekt Hans-Ullrich Grassmann der Kragen. «Was Sie uns bei der letzten Veranstaltung im Juli erzählt haben, war gar nicht so gemeint. Sie haben uns an der Nase herumgeführt.»

Damals hatte Grassmann den Egnachern das von ihm entworfene Siegerprojekt des Wettbewerbs für die Überbauung auf dem Gristenbühl beim alten Sekundarschulhaus präsentiert. Den meisten Besuchern war es entschieden zu gross und zu wuchtig. Die meisten gaben aber in einer Art Abstimmung auch zu verstehen, mit einer abgespeckten Variante leben zu können.

Grassmann und sein Team nahmen sich die Rückmeldung zu Herzen und überarbeiteten die Pläne. Konkret wollen sie nun bei allen vier Neubauten auf das Attikageschoss verzichten, womit sich die Zahl der Wohnungen von 28 auf 24 reduziert. Im alten Schulhaus sehen sie dafür drei zusätzliche Wohnungen in den Räumlichkeiten vor, die ursprünglich öffentlich genutzt werden sollten, was aber bei der Bevölkerung im Sommer nicht gut angekommen war. «Wir haben damit alle Ihre Einwände berücksichtigt», sagte Grassmann am Montagabend in der Meinung, dass jetzt alles gut sei.

Er musste jedoch sehr schnell feststellen, dass er sich geirrt hatte. Denn es ist gar nichts gut. Keiner der gut 80 Besucher in der Rietzelghalle konnte sich vorbehaltlos mit dem überarbeiteten Projekt anfreunden. Grassmann und die Vertreter des Investors Implenia mussten sich mehr als eine Stunde lang Kritik aus dem Publikum anhören.

«Ich habe das Gefühl, wir werden verarscht»

Den einen war der Abstand der Neubauten zum Schulhaus zu klein. Andere fanden, die Implenia wolle die Gemeinde über den Tisch ziehen, weil sie ihr jetzt nur noch 3 statt 3,7 Millionen Franken für das Grundstück zahlen will. Die Liegenschaft sei locker das doppelte wert, meinte einer. «Ich habe das Gefühl, wir werden verarscht.» Dritte stellten das Vorgehen der Behörde grundsätzlich in Frage, das Egnach bis jetzt rund 200 000 Franken gekostet hat. Ihrer Meinung nach sollte die Gemeinde das Land behalten. Dieser Ort müsse eine Ruheoase bleiben, sagte einer. «Er ist für mich wie das Rütli.» Andere stimmten ihm zu. «Dieser Platz ist unbezahlbar», hiess es.

Zweifel wurden auch laut, ob es wie angestrebt tatsächlich gelingen wird, mit der Überbauung mittelständische Familien nach Egnach zu bringen. Denn um die Wohnungen kaufen zu können, muss jemand zwischen 10 000 und 12 000 Franken verdienen, hatte Florian Klarer von der Implenia vorgerechnet.

Verschiedene Diskussionsteilnehmer meldeten zudem rechtliche Bedenken an. Es sei nicht zulässig, ein Wettbewerbs-Siegerprojekt so stark zu verändern. «Ich bin sicher, dass die anderen Teilnehmer Einsprache machen werden», sagte ein Mann.

«Wir müssen irgendwann Farbe bekennen»

Die Diskussion löste eine gewisse Ratlosigkeit aus. «Ich bin überrascht, weil wir keine Ahnung haben, was wir wollen», sagte ein Besucher. «Wenn wir vorwärts kommen wollen, müssen wir irgend wann Farbe bekennen und sagen, in welche Richtung es gehen soll.» Einer schlug vor, fünf Jahre nichts zu machen. «Und dann können wir über die Grundsatzfrage abstimmen.» So einfach sei das nicht, entgegnete ihm Gemeindepräsident Stephan Tobler. Bei einem Verkauf wolle der Stimmbürger wissen, was mit der Liegenschaft passiere. «Wir müssen uns darum zuerst klar darüber werden.» Wichtig sei, ruhig Blut zu bewahren, gab einer zu bedenken. «Wir dürfen jetzt nicht in Gehässigkeiten verfallen.»

Am Zug ist nun der Gemeinderat. «Wir haben die Stimmung aufgenommen und müssen jetzt diskutieren beziehungsweise entscheiden, wie es weitergehen soll», sagte Tobler. Das Angebot der Implenia bleibe bestehen, versicherten die beiden Vertreter des Investors.