EGNACH: Die Zukunft ist die Vergangenheit

Die Behörde der Volksschulgemeinde Egnach ist mit den Schulbürgern nochmals über die Bücher gegangen und kommt wieder zum gleichen Ergebnis: Es führt wohl kein Weg an der Schliessung des traditionsreichen Schulhauses Ringenzeichen vorbei.

Markus Schoch
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Die Tage des Schulhauses in Ringenzeichen scheinen gezählt. (Bild: Michèle Vaterlaus)

Die Tage des Schulhauses in Ringenzeichen scheinen gezählt. (Bild: Michèle Vaterlaus)

EGNACH. Es ist noch nichts beschlossen. Aber alles deutet darauf hin, dass die Tage des Schulhauses in Ringenzeichen definitiv gezählt sind, wo seit dem Jahr 1659 nachweislich Kinder Unterricht erhalten. Die Schulbehörde hat sich einstimmig dafür ausgesprochen, die Schliessung des traditionsreichen Standortes mittelfristig ins Auge zu fassen. Der Entscheid fällt voraussichtlich Mitte November dieses Jahres und würde gegebenenfalls auf den Beginn des Schuljahres 2018/19 wirksam.

Über dieses Szenario informierte die Behörde kürzlich an einer Veranstaltung, die von rund 100 Schulbürgern besucht wurde. Sie stellte dabei die Leitlinien für die Schulstandort-Planung der Primarschule bis 2025 vor – und erläuterte die sich daraus ergebenden Konsequenzen. Grundlage der Leitlinien sind die Ergebnisse der sogenannten Zukunftskonferenz vom letzten November, bei der die Behörde im Gespräch mit der Bevölkerung herausfinden wollte, wie es mit den fünf Primarschulhäusern weitergehen soll.

Situation ist eine andere

Im Prinzip ist man in Egnach wieder gleich weit wie vor zwei Jahren, als die Behörde ankündigte, das Schulhaus Ringenzeichen auf das Schuljahr 2015/16 zu schliessen. Sie sah dann aber davon ab, nachdem sich betroffene Eltern gewehrt und sich die Schulbürger in einer Umfrage für den Erhalt des Standortes ausgesprochen hatten. Die Situation sei heute aber insofern eine grundlegend andere, als es zwischenzeitlich eine breite Diskussion in der Gemeinde zum Thema gegeben habe, sagt Schulpräsidentin Katrin Bressan. Und die Behörde habe nochmals umfassende Abklärungen getroffen. «Wir haben elf Varianten geprüft, wie wir den mittelfristig sinkenden Schülerzahlen im Gebiet Neukirch/Ringenzeichen begegnen könnten.» Weggefallen seien alle Ansätze, die mit einer Umteilung von Schülern verbunden sind. «Sie widersprechen dem Grundsatz in den Leitlinien, wonach die Kinder nahe am Wohnort zur Schule gehen sollen.» Auch die Gründung einer Gesamtschule komme wegen der neuen Leitlinien nicht in Frage. Darin ist festgehalten, dass an einem Schulstandort mindestens zwei Klassen mit zwei Klassenlehrern geführt werden müssen. Was im Fall von Ringenzeichen schwierig wird.

Einfach weiterzumachen wie bisher und in Ringenzeichen kleine Klassen in Kauf zu nehmen, sei aus finanziellen, pädagogischen und betrieblichen Gründen keine Option, hält die Schulbehörde fest. Das Problem lasse sich auch nicht mit einer Basisstufe, einer Tagesschule oder einer Schule mit erweiterten Tagesstrukturen lösen.

Schlechte Karten

Ebenfalls verworfen hat die Schulbehörde die Idee, die Kinder im Einzugsgebiet der beiden Schulhäuser Neukirch und Ringenzeichen so zu verteilen, dass in Ringenzeichen weiter zwei Klassen geführt werden können. Das Problem: Aufgrund der sinkenden Schülerzahlen muss die Zahl der Schulklassen an beiden Orten von heute sechs auf fünf reduziert werden. Belässt man zwei Klassen in Ringenzeichen, wären es nur noch drei in Neukirch, wo es gemäss Behörde problemlos Platz für fünf Klassen hätte. Und die Infrastruktur im Vergleich besser ist.

Gegen den Erhalt von Ringenzeichen spricht nach Meinung der Behörde weiter, dass das Schulhaus sicherheitstechnische Mängel aufweist, energetisch sanierungsbedürftig ist und über keinen Kindergarten verfügt.

Positive Rückmeldungen

Die Teilnehmer der Versammlung hätten grossmehrheitlich sehr positiv auf die Leitlinien reagiert, sagt Bressan. Dass die Ankündigung in bezug auf Ringenzeichen für betroffene Eltern «keine freudige Botschaft» ist, sei ihr bewusst. Den abschliessenden Entscheid werde die Behörde alleine treffen. An der Zukunftskonferenz hätten die Teilnehmer unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass sie Führungsverantwortung übernehmen solle. «Wir nehmen aber Anregungen und neue Ideen gerne entgegen», zeigt sich Bressan weiter gesprächsbereit.