EGNACH: Die Orientierung neu finden

Die Implenia würde das ehemalige Schulgelände auf dem Gristenbühl gerne überbauen. Am 21. Mai stimmen die Egnacher über den Verkauf des Landes ab. Die Diskussionen werden so oder so weitergehen.

Markus Schoch
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Ein Gipsmodell der geplanten Überbauung mit dem alten Schulhaus in der Mitte. (Bild: Reto Martin)

Ein Gipsmodell der geplanten Überbauung mit dem alten Schulhaus in der Mitte. (Bild: Reto Martin)

Markus Schoch

markus.schoch

@thurgauerzeitung.ch

Es ist ganz anders gekommen, als der Gemeinderat erwartet hatte. Und darum will er jetzt endlich einen Entscheid, damit alle Beteiligten wissen, woran sie sind.

Die Behörde ging davon aus, dass eine Mehrheit der Bevölkerung das rund 10000 Quadratmeter grosse Grundstück auf dem Gristenbühl verkaufen will. Lange Jahre gehörte es der Schulgemeinde, die aber unten im Dorf neu baute und darum die Liegenschaft der Politischen Gemeinde für 2,5 Millionen Franken abtrat. Vor vier Jahren sagten die Egnacher Ja zu dieser Handänderung. Der Gemeinderat schrieb in der Folge einen Investorenwettbewerb aus, den das Architekturbüro Baumschlager Eberle aus St. Gallen mit der Implenia als Investor gewann.

Das Projekt sieht vier Neubauten mit insgesamt 28 Wohnungen vor, und zwar links und rechts vom alten, denkmalgeschützten Schulhaus, in dem ebenfalls vier Wohnungen eingebaut werden sollen. Die Pläne stiessen auf grossen Widerstand im Dorf. Vielen war die Überbauung zu wuchtig. Andere wollten das Filetstück von Egnach am liebsten ganz frei halten. Das Architekturbüro ging deshalb nochmals über die Bücher und präsentierte eine abgespeckte Variante mit einem Stockwerk weniger pro Gebäude, was nicht ohne Folgen für den Preis blieb, den die Implenia zu zahlen bereit ist: Er sank von 3,7 auf 3 Millionen Franken. Der neue Vorschlag liess die Kritiker aber nicht verstummen.

Bevölkerung soll Grundsatzentscheid fällen

Die Egnacher können nun am 21. Mai entscheiden, wie es weitergehen soll. Soll die Gemeinde das Grundstück behalten, oder soll sie es verkaufen? Und wenn sie es verkauft: Welche der beiden zur Diskussion stehenden Überbauungsvarianten soll es sein? Die Behörde fände es aber am besten, wenn es so kommen würde wie geplant: Die Implenia realisiert das ursprüngliche Projekt, das im Wettbewerb die Jury überzeugt hatte. Sie seien aber auch für jede andere Lösung zu haben, betonte Gemeindepräsident Stephan Tobler an einer Informationsveranstaltung am Mittwochabend im Hinblick auf den Urnengang. «Wir sind offen.»

In der Diskussion musste sich die Behörde nochmals viel Kritik anhören. Der Verkaufspreis sei ein Hohn, meinte ein Mann. Sie hätten kein besseres Angebot erhalten, entgegnete ihm Tobler. Der Markt gebe offenbar im Moment nicht mehr her. Ein anderer Besucher störte sich daran, dass der Gemeinderat die weiteren Schritte bei einem Nein bereits festgelegt hat: Die Behörde will das alte Schulhaus für Wohnzwecke nutzen und den Anbau abbrechen, was der Mann für übereilt hält, weil das Gebäude allenfalls noch genutzt werden könnte. Er hätte erwartet, dass man bei einem Marschhalt die Situation zuerst nochmals von Grund auf neu beurteile und auch die bis jetzt ausser Acht gelassene und rund 3700 Quadratmeter grosse Freihaltezone in die Überlegungen einbeziehe, erklärte der Besucher. Die Freihaltezone sei tabu, erklärte Tobler. Sie hätten deswegen das Gespräch mit dem Kanton gesucht, doch der lasse in diesem Punkt nicht mit sich sprechen.

Über alles andere könne man reden, sagte Tobler. Die Bevölkerung werde auch bei einem Nein zur Vorlage am 21. Mai das letzte Wort zum Gristenbühl haben, versicherte er. Der Gemeinderat mache lediglich einen Vorschlag, der nur umgesetzt werden könne, wenn die Stimmbürger mitmachten. «Und wenn eine Mehrheit will, dass wir den Anbau stehen lassen, dann machen wir das.»

Ein Teilnehmer der Informationsveranstaltung zeigte sich sehr enttäuscht darüber, dass der Gemeinderat nicht die Möglichkeit eines Teilverkaufs des Grundstückes geprüft hat. Er könnte sich drei Einfamilienhäuser auf dem Gristenbühl vorstellen, womit 2,5 Millionen Franken in die Kasse kämen – so viel wie die Gemeinde seinerzeit der Schule für die Parzelle bezahlt habe. Tobler zweifelte daran, dass der Kanton dazu Hand bieten würde. «Ich kann mir es fast nicht vorstellen.» Denn ein solches Projekt würde allen raumplanerischen Grundsätzen widersprechen. Zumal Egnach schon heute massiv zu wenig dicht bebaut sei.

Doch es gab auch Lob für den Gemeinderat am Mittwochabend. Er sei zwar gegen den Verkauf des Landes, am Vorgehen der Behörde gebe es aber nichts auszusetzen, und er müsse ihr darum ein Kränzchen winden, meinte ein Mann. «Es ist eine tolle Botschaft: Sie ist klar, verständlich und umfassend.» Für dieses Votum gab es den meisten Applaus an der Veranstaltung.