«Dürfen stolz sein»

Er hätte der Held des Spiels werden können: Während 120 Minuten hielt Goalie Javier Belda seinen Kasten dicht. Im Penaltyschiessen musste sich der FCA aber Schaffhausen beugen.

Roger Häni
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Volksfest im Tellenfeld: Zu Hunderten fiebern die Zuschauer mit den tapferen FCA-Kickern mit. (Bilder: Roger Häni)

Volksfest im Tellenfeld: Zu Hunderten fiebern die Zuschauer mit den tapferen FCA-Kickern mit. (Bilder: Roger Häni)

Die Ausgangslage vor dem Cupspiel gegen den Challenge-League-Verein Schaffhausen ist klar: Die junge Amriswiler Truppe braucht ein Wunder, um die nächste Runde zu erreichen. Das wissen die Zuschauer, welche am Samstagnachmittag in erfreulich grosser Zahl im Tellenfeld eintreffen. Während die Fussballhymne «Bring en hei» aus den Lautsprechern dröhnt, hat sich vor dem Kassahaus eine Schlange gebildet – wann hat es das zuletzt gegeben?

Leuchtpetarden gezündet

Doch nicht nur der grosse Aufmarsch, sondern auch das Spielgeschehen sind dafür verantwortlich, dass FCA-Präsident Markus Stahel zur Pause «happy» ist. «Einen solchen Match brauchten wir jede Saison», meint er und spricht von einer ausgeglichenen Partie. Tatsächlich halten die Amriswiler, angefeuert von Coach Matthias Nauer, den Schaffhauser Angriffsbemühungen gut stand. Grosse Torchancen bleiben bis zur Pause rar. Mit etwas Glück könnten in der Nachspielzeit sogar die Rot-Weissen in Führung gehen.

Und als gleich nach Wiederanpfiff der Kopfball eines Amriswilers nur knapp am Gehäuse vorbeistreicht, muss die Super-League erprobte Schaffhauser Fangruppe Dampf ablassen. Sie tut dies in Form von Leuchtpetarden. «Wir möchten die Zuschauer darauf hinweisen, dass Abbrennen von Feuerwerk nicht erlaubt ist» – so die ungewohnte Durchsage des Amriswiler Speakers, der sich wenig später bei 620 Zuschauern bedanken darf.

Mit Fortdauer der Partie nimmt die Überlegenheit des Favoriten zu. Immer mehr rückt Javier Belda ins Zentrum des Geschehens. «Mir hend en Goalie…» rufen die jungen Amriswiler Fans als Alternative zu «F-C-A». Und auch die Erwachsenen werden mit jedem «Etappenziel» nach 90, 105 und 120 Minuten lauter. Die anfänglich dominierenden «Hopp Schaffhuuse»-Rufe der Gelb-Schwarzen werden weniger. Die Amriswiler Spieler kommen dem Wunder immer näher.

«Egal, welche Liga»

«Als es nach 90 Minuten immer noch 0:0 stand, wussten wir schon, dass wir stolz sein dürfen», wird Javier Belda nach dem Schlusspfiff sagen. Wagemutig wirft sich der Amriswiler Goalie auch in der Verlängerung Mal für Mal in die gegnerischen Schüsse und bringt damit die Schaffhauser Angreifer zur Verzweiflung. «Es ist mir egal, ob ein Stürmer aus der fünften Liga oder aus der Challenge League auf mich zukommt», so sein Credo.

Dann ist es so weit: Penaltyschiessen! Sofort begibt sich die Schaffhauser Fangruppe hinter das als Schauplatz ausgewählte Tor. Aber auch die Amriswiler Zuschauer rücken näher ans Feld. Erneut kommt der Speaker zum Einsatz. Das Penaltyschiessen beginne erst, wenn alle hinter den Abschrankungen stünden, so seine Durchsage auf Geheiss des Schiedsrichters. FCA-Spielertrainer Olaf Sager, der sich im Laufe der Partie ausgewechselt hat, hilft selbst mit, diese Aufforderung in die Tat umzusetzen. Derweil lassen sich die Schaffhauser Fans erst nach Bitten der eigenen Spieler zum Zurücktreten bewegen.

Hängende Köpfe

Dass Javier Belda am Ende doch kein Held ist, hat mit einer Lotterie zu tun. Die routinierteren Schaffhauser setzen sich im Penaltyschiessen mit 4:2 durch. Die Spieler des FC Schaffhausen werden von ihrem Anhang gefeiert. Jene des FC Amriswil ziehen mit hängenden Köpfen vom Feld. Javier Belda hat jedoch recht: Sie dürfen trotzdem stolz sein.

Die Entscheidung: Schaffhauser Fans stürmen das Feld.

Die Entscheidung: Schaffhauser Fans stürmen das Feld.

Penaltyschiessen: Die Amriswiler Spieler leiden.

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«Hopp FC Amriswil»: Unterstützung mittels Transparent.

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Auge in Auge mit einem Schaffhauser: Ein Junior wirft den Ball zu.

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