Drohbrief flattert auf den Partyplatz

ERMATINGEN. Wie im Tägerwiler Pfaffenbüel wurde auch auf dem Zelglihof in Ermatingen ein Festival mit elektronischer Musik veranstaltet. Das Resultat: Verärgerte Nachbarn, ein enttäuschter Veranstalter und Einschüchterungsversuche gegen den Zelglihof-Besitzer.

Annina Flaig
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Friedliches Fest oder unerträgliche Technoparty? Das Festival «Maison des Rêves», das auf dem Zelglihof stattgefunden hat, erhitzt die Gemüter. (Bild: pd)

Friedliches Fest oder unerträgliche Technoparty? Das Festival «Maison des Rêves», das auf dem Zelglihof stattgefunden hat, erhitzt die Gemüter. (Bild: pd)

«Man will mir offenbar die Eier abschneiden», sagt Walter Kreis mit einer Seelenruhe, die in Anbetracht der makabren Drohung überrascht. Der Bauer und Besitzer des Zelglihofs in Ermatingen hat einen anonymen Drohbrief enthalten, in dem von «Entmannung» die Rede ist. Er lässt sich aber nicht einschüchtern. «Was ich mache, gefällt nicht allen. Aber dass man mich auf diese Weise angreift, finde ich geschmacklos.»

Die Geschichte erinnert an diejenige im Tägerwiler Pfaffenbüel, wo der Partyplatz auf dem Hof von Christian Schwarz nach einer Party mit elektronischer Musik zum Problem geworden ist (unsere Zeitung berichtete). Auch Walter Kreis vermietet seinen Zelglihof seit Jahren sowohl für private Anlässe wie Geburtstagsfeste und Hochzeiten als auch für öffentliche Parties.

Alen Kayaoglu, Partyveranstalter Kreuzlingen (Bild: pd)

Alen Kayaoglu, Partyveranstalter Kreuzlingen (Bild: pd)

Gemeinde hat Party bewilligt

Auslöser für den anonymen Drohbrief, den der Bauer erhalten hat, könnte das «Maison des Rêves» gewesen sein, ein von der Gemeinde Ermatingen bewilligtes Festival, das am 18. und 19. Juli auf dem Zelglihof stattgefunden und mehrere Beschwerden nach sich gezogen hat.

In einem Schreiben hat der Gemeinderat den Veranstaltern nun mitgeteilt, dass das Festival im nächsten Jahr aufgrund der Lärmklagen nicht mehr bewilligt werden wird.

Die «Meckergasse» reklamiert

Für das Verbot gibt es laut Veranstalter Alen Kayaoglu jedoch keinen Grund: «Wir haben alle Auflagen der Gemeinde erfüllt.» Die rund 300 Besucher seien mit organisierten Extrabussen vorwiegend aus dem Thurgau und aus Zürich gekommen. Der Star der Szene, DJ Luke Miskelly, wurde aus London eingeflogen. «Alle, die da waren, sind hell begeistert», sagt der 30-Jährige. Der gebürtige Kreuzlinger ist Wochenaufenthalter in Zürich und veranstaltet unter dem Musiklabel L.E.T. Tech-House-Parties in Zürich, Istanbul und im Thurgau. «Ich verstehe nicht, wo das Problem liegt, wenn 300 friedliche Menschen ein einziges Mal im Jahr zusammen bei guter Musik eine Party feiern.» Darüber, was gute Musik ist und was nicht, scheiden sich die Geister: «Das war Bassgedröhne ohne jede Melodie», sagt Walter Heider. Er wohnt an der Immenstallstrasse, im Dorf auch bekannt als «Meckergasse». «Ich stehe halt hin und sage, was mich stört», sagt der pensionierte Lehrer. Er wolle klarstellen, dass er mit dem Drohbrief nichts zu tun habe. Weiter betont er, dass er mit anderen Festen auf dem Zelglihof, die Lärm verursachten, relativ gut leben könne. «Aber jetzt hat der Gemeinderat einen Blödsinn gemacht.» Gemeint ist, dass das Tech-House-Festival im Vorfeld von der Gemeinde bewilligt worden war. Für die Anwohner sei das Bassgedröhne über zwei Tage hinweg kaum auszuhalten gewesen. Selbst in der Nacht hätten seine Fenster vibriert. Er habe kaum geschlafen. Heider war es auch, der Gemeindepräsident Martin Stuber auf den Berg geholt hat. «Hör dir das mit deinen eigenen Ohren an», habe er zu ihm gesagt.

Walter Kreis, Besitzer Zelglihof Ermatingen (Bild: Archiv/Martina Eggenberger Lenz)

Walter Kreis, Besitzer Zelglihof Ermatingen (Bild: Archiv/Martina Eggenberger Lenz)

Veranstalter ist enttäuscht

Der Gemeinderat kam nun zum Schluss, dass der Zelglihof für Parties mit dieser Art Musik nicht geeignet ist, wie er im Brief an den Veranstalter schreibt. Eine Kopie davon ging an Zelglihof-Besitzer Walter Kreis. Dieser sagt: «Ich finde, das ist eine Diskriminierung dieser Art Musik.» Über die Festivalbesucher sagt er: «Das waren anständige junge Leute.» Und den Drohbrief hat er unterdessen abgehakt. «Ich hoffe, das war ein schlechter Scherz.»

Nicht abhaken kann die ganze Sache Partyveranstalter Kayaoglu. «Wir haben uns solche Mühe gegeben. Alle haben sich bereits auf das nächste Jahr gefreut. Und jetzt kommt aus heiterem Himmel plötzlich brieflich ein Verbot.» Er werde mit dem Gemeinderat das Gespräch suchen. «Ich wäre bereit zu verbessern, was nicht optimal gelaufen ist. Deswegen muss man doch nicht gleich alles verbieten.»