Dreimal täglich Getreidebrei

AMRISWIL. Die mittelalterliche Küche stand am Museumssonntag im Bohlenständerhaus im Mittelpunkt. Für die Besucher gab es nicht nur Tips, sondern auch Rezepte.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
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Karin Hungerbühler zeigt, wie Pastinaken aussehen. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Karin Hungerbühler zeigt, wie Pastinaken aussehen. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

«Meistens gab es zum Frühstück, zum Mittagessen und zum Nachtessen Getreidebrei», erzählt Karin Hungerbühler, Mitglied der Betriebskommission des Bohlenständerhauses. Der Getreidebrei stand vor rund 500 Jahren zuoberst auf dem Speiseplan. Er war schnell gemacht und einfach in grossen Mengen herstellbar.

Salz so wertvoll wie Gold

Die Menüauswahl war sehr bescheiden und besonders schmackhaft waren die Gerichte nicht, denn es gab kaum Salz zum Würzen. Was für uns selbstverständlich ist, konnten sich die Leute von damals auf dem Lande nicht leisten. So galt Salz als Gold des Mittelalters. Gesüsst wurde mit Wildbienen-Honig, dem einzigen Süssmittel, das man kannte. Die Speisen kamen in Holztellern, als Brei oder Suppe, auf den Tisch. Gegessen wurde mit Holzlöffeln und den Fingern. Messer und Gabel kannte man noch nicht. Neben dem Getreidebrei war das Fladenbrot das zweitwichtigste Grundnahrungsmittel.

Die Pastinake, die in den letzten Jahren wieder an Bedeutung gewonnen hat, galt als die Kartoffel des Mittelalters. Auch Rauke, heute besser bekannt als Rucola, kannten schon unsere Vorfahren. Die Getränkeauswahl war ebenfalls nicht besonders gross. Es gab Wein, Bier und Apfelmost. Aus Kamillenblüten, Fenchelsamen, Pfefferminze und Hagebutten stellte die Bauersfrau den Tee für die Familie her. Die Getränke waren kalt. In den Bechern, aus denen getrunken wurde, hielt sich nämlich nichts Warmes.

Der Wald war der Supermarkt

«Der Supermarkt im Mittelalter war der Wald», sagt Karin Hungerbühler und lacht. Dort gab es Holz zum Bauen, und das gesammelte Laub diente als Material zum Abdichten und zur Herstellung von Kissen und Bettdecken. Gejagt wurden die im Wald freilebenden Tiere. Auch fand man dort frische Pilze, Beeren und Kräuter. Fische, die aus der Aach stammten, brachten Abwechslung auf der Amriswiler Speisekarte. Die Kuh im Stall diente als Milchlieferant; musste diese jedoch geschlachtet werden, dann in der kalten Jahreszeit. Denn das Fleisch war nur in den Wintermonaten haltbar.

Mit den Seereisen von Christoph Columbus änderte sich schliesslich auch der Speiseplan. Die Kartoffel gelangte von Südamerika nach Europa. Kaffee, Kakao, Tomaten, Zuckerrohr und damit auch die Schokolade sorgten bald für Abwechslung auf dem Tisch.

Um selber ein bisschen Mittelalter-Feeling zu erfahren, wurden den Besuchern Rezepte vom Getreidebrei und Fladenbrot abgegeben.

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