Dreimal Ja und einmal Nein

AACHTHURLAND. Das Thurgauer Stimmvolk sprach sich mit 54,6 Prozent für den Bau von Bodensee-Thurtal-Strasse und Oberlandstrasse aus. Die vier Gemeindeammänner im AachThurLand hatten kein so klares Ergebnis erwartet.

Daniela Ebinger
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Die Bodensee-Thurtal-Strasse wird zwischen dem Weiler Uerenbohl (oben links) und dem Dorf Sulgen verlaufen. (Bild: Daniela Ebinger)

Die Bodensee-Thurtal-Strasse wird zwischen dem Weiler Uerenbohl (oben links) und dem Dorf Sulgen verlaufen. (Bild: Daniela Ebinger)

Als Befürworter ist Andreas Opprecht, Gemeindeammann von Sulgen, mit der Stimmbeteiligung von 64 Prozent und dem positiven Ergebnis von 60 Prozent mehr als zufrieden. Für ihn sind die 40 Prozent Nein-Stimmen aber ein Auftrag an den Bauherrn, den Bund, die Motive der Gegner auch ernst zu nehmen.

«Wenn sich der Bund für eine Realisierung entschliesst, werden nach meiner Einschätzung irgendwann in den Zwanzigerjahren dieses Jahrhunderts in Sulgen die Bauarbeiten beginnen», erklärt Opprecht. Damit erhielten die Industrie- und Gewerbebetriebe der Region eine bessere Verkehrsanbindung. Es sei wichtig, auf dem Gemeindegebiet Rückbau- und Gestaltungspotenzial auf und neben der heutigen T14 zusammen mit dem Kanton festzulegen, betont Opprecht.

Um eine Zersiedelung zu vermeiden, müsse allenfalls der Zonenplan den neuen Gegebenheiten angepasst und für die Nord-Süd-Achse ein Konzept für die Bewältigung des leicht steigenden Verkehrs erarbeitet werden. Opprecht: «Die Gemeinde wird hier rasch mit dem Kanton das Gespräch suchen, um diese Prozesse aktiv mitgestalten zu können.»

Entlastung der Hauptstrasse

Das Erler Stimmvolk votierte bei einer Stimmbeteiligung von 64 Prozent und einem Ja-Anteil von 56 Prozent ebenfalls klar für BTS und OLS. «Ich freue mich über den kantonalen Ausgang mit dem klaren Ergebnis von 54 Prozent Ja für das umfassende Mobilitäts- und Entwicklungsprojekt des Kantons Thurgau», sagt Roman Brülisauer, Gemeindeammann von Erlen.

Eine Prognose vor der Abstimmung empfand Brülisauer als schwierig. Mit der Realisierung von BTS und OLS erfahre die Hauptstrasse Riedt–Amriswil eine markante Entlastung. «Durch diese wird auch die Sicherheit des Langsamverkehrs verbessert. Vor allem die Schulwege, die teils direkt an der Hauptstrasse liegen, werden sicherer.» Aber auch die anderen Gemeindeteile würden entlastet, wie zum Beispiel Engishofen und Ennetaach, die für den Schleichverkehr zuletzt immer attraktiver geworden seien.

Zersiedelung verhindern

Für Walter Schönholzer, Gemeindeammann von Kradolf-Schönenberg, ist eine über 30jährige Diskussion positiv zu Ende gegangen. Seine Gemeinde stimmte bei einer Stimmbeteiligung von 59 Prozent mit einem Ja-Anteil von 59 Prozent dem Netzbeschluss zu. «Jetzt geht es darum, die BTS und OLS rasch zu bauen und die Anliegen der Gegner ernst zu nehmen», sagt Schönholzer.

Die Reaktionen der Gegner mit den Vandalenakten und emotionalen Leserbriefen hätten ihm gezeigt, dass diesem Lager die sachlichen Argumente ausgegangen seien. «Diese unfairen Reaktionen haben mich zuversichtlich gestimmt.» Für ihn wird Kradolf-Schönenberg zusammen mit den anderen Gemeinden im Thurtal gefordert sein, die Raumentwicklung kontrolliert zu steuern und keine Zersiedelung zuzulassen. «Wir haben hier bereits mit unserer im Jahr 2010 revidierten Ortsplanung die Weichen gestellt.»

Schönholzer freut sich auf die zeitgemässe Erschliessung und dass die Gemeinden Sulgen und Erlen vom enormen Verkehrsproblem entlastet werden. «Dies ist ein Meilenstein für die wirtschaftliche Entwicklung und vor allem für die Lebensqualität im AachThurLand», sagt Schönholzer.