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Drei Monate bei Kälte im Freien

NEUKIRCH A. D. THUR. Seit 31 Jahren ist der Wanderschäfer Fiorenzo Zenoni im Winter mit seinen 600 Schafen, drei Eseln und zwei Hunden im Thurgau unterwegs. Der 58jährige Italiener aus der Provinz Bergamo sowie seine Tiere sind Tag und Nacht draussen.
Rudolf Steiner
Der italienische Wanderschäfer Fiorenzo Zenoni mit Hütehund Ferro und den 600 Schafen seiner Herde. (Bild: Rudolf Steiner)

Der italienische Wanderschäfer Fiorenzo Zenoni mit Hütehund Ferro und den 600 Schafen seiner Herde. (Bild: Rudolf Steiner)

NEUKIRCH A. D. THUR. Ein bissiger, kalter Nordwind, vermischt mit Regen und Schnee, pfeift an diesem Januarnachmittag über die Wiesen und Felder. Wer nicht unbedingt ins Freie muss, zieht es vor, sich daheim in der heimelig warmen Stube auf dem Ofenbänklein gemütlich einzurichten. Diese Wahl hat der 58jährige Fiorenzo Zenoni nicht, denn sein Arbeitsplatz ist die freie Natur.

«Hier habe ich meine Freiheit»

Der Wanderschäfer aus dem norditalienischen Val Seriano in der Provinz Bergamo ist seit 31 Jahren mit seinen Schafen im Thurgau unterwegs. «Ich kann mir gar keine andere Arbeit vorstellen», sagt Fiorenzo Zenoni. Dass er Schafhirte geworden sei, sei kein Zufall. Schon sein Grossvater und Vater seien Schafhirten gewesen. «Mit 14 Jahren war ich das erste Mal mit einer Schafherde auf einer Alp, das war noch in meiner Heimat Italien», erzählt er in gebrochenem Deutsch. Er habe es auch schon in einem anderen Beruf versucht, es aber dort nicht lange ausgehalten. «Schafhirte ist der schönste Beruf, hier habe ich meine Freiheit, obwohl ich Tag und Nacht bei den Schafen sein muss», sagt der von der Witterung gezeichnete bärtige Bergamasker.

Hunde halten Herde zusammen

Angefangen hat seine Wanderung Mitte Dezember in Braunau. Dorthin wurden die 600 Schafe mit drei Lastwagen aus dem Tessin transportiert. Nach der Kontrolle durch einen Tierarzt begann die dreimonatige Wanderung durch den Oberthurgau. «Ich kenne mittlerweile fast jeden Stein und Baumstrunk hier.» Neben seinen 600 Schafen gehören auch die beiden Hunde, der achtjährige Moro – ein Mischling aus Bergamasker und Deutschem Schäfer – und der zweijährige Border Collie Ferro zur Karawane. Die Hunde sind spezialisiert auf das Hüten von Schafen und halten die Herde zusammen. Am Tag grasen die Tiere auf der Weide, und die Nacht verbringen sie im Wald – sofern es nicht so fest stürmt wie nach Neujahr, als der Sturm Andrea über das Land fegte. «Dann ist es zu gefährlich, und ich muss auf der Weide bleiben», sagt er. Bei schlechtem Wetter stellt Fiorenzo Zenoni sein Zelt auf, sonst schläft er unter dem Sternenhimmel.

Wenn sich Esel näherkommen

Seinen bescheidenen Hausrat transportieren die beiden Esel, der achtjährige Hengst Pinocchio und die fünfjährige Stute Gina. Und weil sich auch Esel einander ab und zu näherkommen, gehört seit Mitte November das Hengstfüllen Peppino zur kleinen Familie. Eine eigene Familie hat der Schafhirte zwar nie gehabt, aber auch er hat im Thurgau Spuren hinterlassen. Auf seiner Wanderung hat er vor mehr als 20 Jahren eine junge, italienisch sprechende Thurgauerin aus Schönholzerswilen kennengelernt. Vor 23 Jahren wurde Tochter Isabelle geboren, die heute in Zürich lebt. Ihre Mutter ist aber vor 14 Jahren an Knochenkrebs gestorben, wie Zenoni traurig erzählt. Vielleicht ist es auch die Erinnerung an diese schöne Zeit, die ihn Jahr für Jahr wieder in den Thurgau zieht.

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