Drei ernsthafte Schwinger

Die Bühlers aus Amriswil schwingen seit drei Generationen: Sie steigen mittlerweile aus Tradition in den Ring aus Sägemehl. Heute feuert der Grossvater bereits seine Enkel an und hilft mit seiner Erfahrung.

Alice Grosjean
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Drei Generationen im Sägemehl: Die Amriswiler Schwingerfamilie mit Ernst Bühler senior, Ernst Bühler junior und Ernst Bühler. (Bild: Alice Grosjean)

Drei Generationen im Sägemehl: Die Amriswiler Schwingerfamilie mit Ernst Bühler senior, Ernst Bühler junior und Ernst Bühler. (Bild: Alice Grosjean)

amriswil. «Trudi & Ernst» steht auf einem bemalten Holzschild vor der Haustür. Darunter hängen fünf kleinere Täfelchen, eines davon davon trägt den Namen «Ernst». Bei den Bühlers wird Tradition grossgeschrieben. So wurde der Vorname Ernst schon über vier Generationen weitervererbt. Der jüngste Ernst Bühler ist heute 22 Jahre alt. Er schwingt, seit er sieben Jahre alt ist, genau wie sein Bruder Hannes, sein Vater und der Grossvater, Ernst Bühler senior. Schon davor hatte dieser die Enkel immer zu Schwingfesten mitgenommen und mit ihnen bei Trainings zugeschaut. «Ich konnte es kaum erwarten, endlich selbst in die Schwingerhosen zu steigen», erinnert sich der Junior. Unter seinen Schulkollegen war er immer der mit dem speziellen Hobby. «Im Sportunterricht haben wir einmal geschwungen», erzählt Bühler, das hätten danach weder die anderen noch er selbst in guter Erinnerung behalten.

Leises Mitfiebern

Heute trainiert Ernst Bühler junior zwei- bis dreimal in der Woche, die Ausbildung hat aber Priorität für den gelernten Landwirt. «Meine Weiterbildung in Agrotechnik dauert noch ein Jahr. Danach möchte ich wieder mehr trainieren und richtig auf den Sport setzen.»

Das hofft auch der Grossvater, seinerzeit selbst ein erfolgreicher Kranzschwinger. Er begleitet seine Enkel regelmässig an Wettkämpfe, fiebert am Rande mit, motiviert und gibt Tips. Laut wird er dabei nie. Das tue man an Schwingfesten einfach nicht, erklärt der Junior. «Die Zuschauer halten sich zurück», auch wenn es Emotionen oder falsche Schiedsrichterentscheide gäbe. Der Senior stimmt zu: «Das Ausbuhen von Sportlern oder Pfiffe sind an Schwingfesten ein Tabu.»

Urchige Traditionen

Die Schwingfans sind ein friedliches Völkchen, genau das schätzten beide auch. «An den Festen sind gleich viele alte wie junge Leute anzutreffen», sagt Bühler junior. Er selbst findet Gefallen an den alten Traditionen, die «so schön urchig» seien – eine willkommene Abwechslung. Der Grossvater schätzt vor allem die Kameradschaft unter den Sportlern: «Das sind Freundschaften bis ins hohe Alter.»

Generationen

Das Schwingen ist bei den Bühlers Familiensache, vielleicht sogar bald mit einem vierten Ernst? «Wohl eher nicht», meint der Junior dazu lachend. Natürlich würde er seine Kinder eines Tages gern im Sägemehl sehen, «aber Ernst wird sicher keines davon heissen». Immerhin hat der 22-Jährige ja selbst noch eine ganze Sportlerkarriere vor sich. Mit einem Grossvater, einem Vater und einem schwingenden Bruder an seiner breiten Seite.

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