Drei Awards gehen nach Wuppenau

WUPPENAU. Nur gut 1000 Einwohner zählt Wuppenau. Dieses Jahr sind aber gleich drei Studenten aus der Gemeinde am Nollen für ausserordentlich gute Bachelorarbeiten ausgezeichnet worden. Nicht nur mit Höchstnoten, sondern auch mit einem Award. Zwei von ihnen sind nun Konkurrenten.

Simon Dudle
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Matthias Schnetzler, Pascal Brunner – Gewinner des Rieter-Awards – und Omar Alqadi besprechen auf dem Nollen ihre ausgezeichneten Arbeiten. (Bild: Simon Dudle)

Matthias Schnetzler, Pascal Brunner – Gewinner des Rieter-Awards – und Omar Alqadi besprechen auf dem Nollen ihre ausgezeichneten Arbeiten. (Bild: Simon Dudle)

Omar Alqadi, 22 Jahre alt, aus Hosenruck. Matthias Schnetzler, 23jährig, ebenfalls aus Hosenruck. Pascal Brunner, 24 Jahre alt, aus Welfensberg. Auf den ersten Blick sind sie drei ganz normale Studenten aus der politischen Gemeinde Wuppenau. Aber nur auf den ersten. Denn hinter den dreien stecken Geschichten, die es zu erzählen lohnt. Omar Alqadi, perfekt Mundart sprechend, kam vor elf Jahren aus Qatar in die Schweiz, wo er in der 6. Klasse ins hiesige Schulsystem einstieg. «Die Lehrer haben mich gepusht», sagt er.

Auf die Oberstufe und die dreijährige Lehre samt Berufsmittelschule bei Rieter in Winterthur folgte das dreijährige Vollzeitstudium an der School of Engineering der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Winterthur.

Methode bleibt geheim

Seine Bachelorarbeit, zusammen mit Christian Stahel aus Buchs verfasst, hatte es nicht nur wegen der Schlussnote 6 in sich. Das Ziel war, eine neue Methode zu entwickeln, um die Energieeffizienz von Kälteanlagen zu messen. Ein interessantes Feld, wenn man bedenkt, dass weltweit schätzungsweise 15 bis 20 Prozent der gesamten elektrischen Energie für Kälte- und Klimaanlagen verwendet werden und Experten davon ausgehen, bei optimiertem Anlagebetrieb den Energieverbrauch um bis zu einen Drittel senken zu können. Zur Validierung der Methode Alquadis wurden an einer Labor- und an einer Feldmaschine Messungen durchgeführt. Dabei konnte ein Durchfluss mit einer Abweichung von lediglich einem Prozent bestimmt werden. Dies ist besonders beachtlich, da die Abweichungen bisher immer mindestens acht Prozent betragen haben. Doch wie haben Stahel und Alqadi das gemacht? «Das wird nicht verraten», sagt Alqadi. Der Lohn für die beste Arbeit ihres Jahrgangs waren 4000 Franken und der Gewinn des regionalen Siemens Excellence Award – verbunden mit der Nomination für den nationalen Excellence Award, der nächstes Jahr vergeben wird und mit 10 000 Franken dotiert ist.

Mit Notendurchschnitt 5,74

Ebenfalls für diesen nationalen Excellence Award nominiert, und somit Konkurrent von Alqadi, ist Matthias Schnetzler, der in Luzern an der Hochschule für Technik und Architektur studiert. Auch er diente mit seiner Bachelorarbeit einem Unternehmen zu, das Kälteanlagen herstellt. Zusammen mit Nando Schär aus Arbon setzte er sich als Ziel der Arbeit, eine Software zu entwickeln, um die Erfassung von Rapporten zu vereinfachen. Mit dem Einsatz der neuen Lösung, welche von den Lehrern mit der Note 5,5 bewertet wurde, konnten Probleme behoben und der Prozess beschleunigt werden. Detail am Rande: An der Preisverleihung war Schnetzler nicht dabei. Der Grund: Er hat die Schlussarbeit zeitlich vorgezogen und wird den Bachelortitel (voraussichtlich) erst in einem halben Jahr in den Händen halten. Bei der Verleihung handelte es sich um eine Diplomfeier, an der nur Diplomanden zugelassen waren.

Der dritte im Wuppenauer Bunde, Pascal Brunner, ist im Jahr 2011 erstmals öffentlich in Erscheinung getreten, als er an den Berufsweltmeisterschaften in London bei den Konstrukteuren die Bronzemedaille für sich und die Schweiz holte. Der Welfensberger, der in Winterthur Maschinentechnik studierte, wurde mit dem 2500fränkigen Rieter-Award für den besten Notendurchschnitt aller Studenten seines Jahrgangs bedacht. Auf 5,74 beläuft sich sein Mittel. «Es ist eine Frage der Motivation. Ich mache einfach alle Fächer gerne», sagt Brunner bescheiden. Es versteht sich fast von selbst, dass der Welfensberger bei der Bachelorarbeit die Note 6 bekommen hat. Dabei geht es darum, dass PET-Flaschen bei der Sammelstelle maschinell nach der Farbe des Granulats getrennt werden und somit ein Arbeitsschritt gespart werden kann.

Verschiedene Ansichten

Alle drei Studenten bewegen sich mit ihren Arbeiten am oberen Ende der Notenskala – und haben eine eigene Einstellung zum schulischen Erfolg. «Eine Arbeit vorzeigen zu können, ist viel mehr wert als eine gute Note», sagt Alqadi. Er sieht seine Zukunft in Qatar, um sich dort der vielen Kälteanlagen anzunehmen.

«Ich mache halt auch Sachen gerne, die andere nicht mögen», sagt Brunner. Schnetzler hält es derweil mit einer optimierten Gestaltung der vorhandenen Arbeitszeit und relativiert seine Leistung mit der Aussage: «Ein Vierer ist genügend. Genügend ist gut. Gut ist fast eine Sechs. Ich habe Gas gegeben, weil die Arbeit selber Spass gemacht hat.»