Drei Ärzte unter einem Dach

TÄGERWILEN. In Tägerwilen entsteht eine neue Gemeinschaftspraxis. Zwei Tägerwiler Ärzte und einer aus Ermatingen wollen damit die gefährdete medizinische Grundversorgung in den Landgemeinden langfristig sicherstellen.

Urs Brüschweiler
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Die Überbauung Pflanzberg: So soll sie 2013 aussehen. (Bild: pd)

Die Überbauung Pflanzberg: So soll sie 2013 aussehen. (Bild: pd)

«Es gibt Dinge, die passen einfach», sagt Thomas Schneider. Voller Freude erzählt der Tägerwiler Hausarzt, wie das Projekt einer Gemeinschaftspraxis aufgegleist wurde. Im letzten Herbst erst habe der erste Kontakt zwischen den drei Medizinern – Thomas Schneider und Urs Roth aus Tägerwilen sowie Adrian Hermann aus Ermatingen – stattgefunden. Bereits ein paar Monate zuvor hatte Schneider Gemeindeammann Markus Thalmann von seiner Idee erzählt. Dieser hatte dann den Kontakt zu Koni Häberlin von der Generalunternehmung Häberlin AG vermittelt, welche bereits eine fertige Baubewilligung für die Überbauung Pflanzberg, in der Nachbarschaft zur Biotta, besass. Schnell habe man zusammengefunden, die Pläne geändert und eine Gemeinschaftspraxis integriert.

Alles habe seither wunderbar geklappt, bestätigten die Beteiligten beim gestrigen Spatenstich. 30 Millionen Franken betrage die Investitionssumme für die gesamte Überbauung mit acht Doppeleinfamilienhäusern und 27 Eigentumswohnungen. Fünf Millionen Franken davon seien für das Ärztezentrum, erklärte Koni Häberlin. Weder habe man Einsprachen gehabt, noch habe man Widerstände gespürt in der künftigen Nachbarschaft.

Mangel an Landärzten

Im April 2013 werden dann die drei Ärzte in ihre Praxen einziehen können. Auch Physiotherapeut Theo Brunt, der bis jetzt in einer Praxis im Alters- und Pflegeheim Bindersgarten praktiziert, wird mit dabei sein. Von den insgesamt fünf Hausärzten in den zwei Dörfern Tägerwilen und Ermatingen werden dann deren drei bei den «Ärzten am Pflanzberg» mitmachen. Ein Freudentag sei heute mitunter deshalb, weil man mit der Gemeinschaftspraxis die Weichen stelle für die Zukunft, sagt Markus Thalmann. Die medizinische Versorgung auf dem Land sei gefährdet. Die heute in Tägerwilen und Ermatingen tätigen Hausärzte seien alle im gleichen Alter und er müsse befürchten, dass in zehn Jahren keiner mehr einen Nachfolger finden werde, so Thalmann. «Es ist schwierig geworden, Ärztinnen und Ärzte für die Arbeit auf dem Land zu begeistern», bestätigt Thomas Schneider. Die Arbeitsbelastung sei gross und sie müssten heute neue Patienten ablehnen.

Den Nachwuchs sicherstellen

Mit der Gemeinschaftspraxis könne man ein attraktives Arbeitsumfeld für junge Mediziner schaffen und den Hausarztnachwuchs langfristig sicherstellen.

Für die Patienten bedeute das Gesundheitszentrum längere Präsenzzeiten der Mediziner, kürzere Wartezeiten, zusätzliche Kompetenzen, sowie Hausbesuche und eine Notfallbetreuung. Die «Ärzte am Pflanzberg» möchten ihre Gemeinschaftspraxis später durchaus noch erweitern. Im Bereich Gynäkologie und Pädiatrie könnten sie sich Verstärkung gut vorstellen.

Die Ärzte Adrian Hermann (1. v. l.), Urs Roth (2. v. l.), Thomas Schneider (4. v. l.) sowie Physiotherapeut Theo Brunt (2. v. r.) spannen zusammen. (Bild: Urs Brüschweiler)

Die Ärzte Adrian Hermann (1. v. l.), Urs Roth (2. v. l.), Thomas Schneider (4. v. l.) sowie Physiotherapeut Theo Brunt (2. v. r.) spannen zusammen. (Bild: Urs Brüschweiler)