Dorfbüssli schiebt Stadtbus an

Das Gemeindeparlament hat sich für die Ausarbeitung einer Abstimmungsvorlage über ein Innerorts-Angebot im öffentlichen Verkehr ausgesprochen, und das trotz grosser Kritik am vorgelegten Konzept.

Mario Testa
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Die Ortsbus-Befürworter freuen sich nach der Sitzung über den Entscheid zur Ausarbeitung einer Abstimmungsvorlage. Bild: Mario Testa

Die Ortsbus-Befürworter freuen sich nach der Sitzung über den Entscheid zur Ausarbeitung einer Abstimmungsvorlage. Bild: Mario Testa

Ein kurzer Applaus der Besucher auf der Empore, strahlende Gesichter in der Ratslinken, lange Gesichter auf der Rechten und vorne bei den Gemeinderäten. Kurz zuvor hatte das Gemeindeparlament an seiner Sitzung am Donnerstagabend nach dreiviertelstündiger Debatte im Rathaussaal grünes Licht gegeben für die Ausarbeitung eines Detailkonzepts und einer Abstimmungsvorlage für den vierjährigen Testbetrieb eines Ortsbusses in Weinfelden. Der Entscheid fiel mit 15 Ja- zu zwölf Neinstimmen bei zwei Enthaltungen knapp aus.

Der zuständige Gemeinderat Hans Eschenmoser hat recht behalten mit seiner Beobachtung, die er in seinen einleitenden Worten zur Debatte äusserte. «Bei Gesprächen in Weinfelden wird deutlich: der Ortsbus ist ein brennendes Thema. Die Bevölkerung ist geteilt in zwei Lager.» Eschenmoser erklärte auch, weshalb der Gemeinderat das Thema in Form einer Konsultativabstimmung überhaupt ins Parlament brachte, und das Konzept nicht einfach kurzerhand ad Acta legte, was er hätte tun können. «Wir wollen mit der heutigen Abstimmung euch, den Volksvertretern, eine Plattform zur Diskussion bieten.»

Keine überzeugende Variante im Konzept

Die Diskussion wurde dann auch sehr lebhaft geführt. «Wenn man die Analyse liest, zeigt sich , dass der Bus nicht den gewünschten Nutzen bringt. Wenn schon bräuchte es den Viertelstundentakt», sagt Tobias Greminger (FDP), der den Ortsbus in dieser Variante ablehnt und die Frage aufwirft: «Und wer entscheidet, welcher Ortsteil bedient wird? Mich stört, dass der Osten erschlossen wird, der Westen aber nicht.» Manuel Strupler (SVP) hätte es dem Gemeinderat zugetraut, das Thema gleich selbst ad Acta zu legen. «Nicht alles, was man sich leisten kann, muss man sich auch leisten», sagt er. Fraktionskollege Daniel Engeli sagt: «Das vorliegende Konzept mit der ausgewählten Variante überzeugt nicht. Es profitieren nur wenige.» Das Konzept solle jedoch nicht einfach entsorgt, sondern in ein paar Jahren wieder zur Schublade heraus geholt werden. «Sagen wir heute nein zum Dorfbüssli, dafür später Ja zum Stadtbus.»

Auch Samuel Curau (JA) griff dieses Thema auf. «Wann sind wir eine Stadt? Was muss passieren? Es ist bei vielen offenbar nicht angekommen, dass wir es bereits sind.» Deshalb gelte es, ein wichtiges Thema nicht wieder einmal hinaus zu zögern, sondern einen Schritt vorwärts zu machen. «Abwarten ist keine Option.» Susanna Brüschweiler von der EVP, die vor fünf Jahren das Thema Ortsbus ins Rollen brachte, sagt: «Laut Analyse hat Weinfelden eine ungenügende Erschliessung. Ein Ortsbus wird dieses Manko nicht vollständig verbessern, aber es ist ein erster Schritt. Und wundern wir uns wirklich, dass bei der Auswertung des Alterskonzepts ein Ortsbus der meistgenannte Wunsch war?»

Angst vor der Abwanderung in die Peripherie

Auch Lukas Madörin (EDU) äusserte sich als Gemüsehändler im Zentrum zu den Befürchtungen, ein Ortsbus könnte Einkaufswillige vermehrt in die Läden an der Peripherie bringen. «Die Zentrums-Detaillisten möchten den Bus so schnell wie möglich versenkt sehen, aber ich habe da eine etwas andere Meinung. Manchmal muss man etwas wagen, ich sehe auch Chancen in einem Ortsbus.» In der Abstimmung enthielt er sich dann seiner Stimme aus Rücksicht auf die Detaillisten-Kollegen. Eine weitere Vertreterin dieser Gruppe im Parlament ist Buchhändlerin Katharina Alder (GP). «Auch wenn ich das vorliegende Konzept eine Katastrophe finde, und wie bei all unseren Parlamentsgeschäften nie alle davon profitieren können, ist es wichtig, es weiter zu entwickeln. Von Anfang an alles tot würgen, ist keine Lösung», sagt sie. Deutliche Worte richtet Alexandra Beck (CVP) an den Gemeinderat, der in seinem Bericht zum Schluss kommt, zu Fuss oder mit dem Velo sei in Weinfelden auch alles schnell zu erreichen. «Diese Aussage ist ein Affront gegenüber allen Menschen, die nicht mehr mobil sind.»

Ins gleiche Horn stösst auch Marcel Preiss (GLP). «Wir leben in einer Mobilitätsgesellschaft, und wer nicht mehr gehen, Velo oder Auto fahren kann, ist vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen», sagt er. «Zudem ist die Verkehrsdebatte auch eine Energiedebatte.» Busfahren sei umweltfreundlicher als der motorisierte Individualverkehr. Gemeinderat Hans Eschenmoser muss sich nun ans Ausarbeiten des Detailkonzepts machen. Nicht beantworten konnte er die Frage von Daniel Engeli, ob an der Linienführung aus dem Konzept festgehalten wird oder diese nochmals neu überdacht wird. «Die Vorgaben sind: ein Bus und Halbstundentakt. Ob wir die Linienführung beibehalten, kann ich nicht sagen.»