Dorfbach bleibt unter der Erde

UTTWIL. Die ausserordentliche Gemeindeversammlung in Uttwil hat entschieden. Eine klare Mehrheit hat sich gegen die Öffnung des Dorfbachs im Dorfzentrum ausgesprochen. Knapp wurde ein Gegenvorschlag des Gemeinderats angenommen.

Alois Degenhardt
Drucken
Teilen
Der Dorfbach ist nur nördlich der Hauptstrasse bis zum See als Rinnsal sichtbar. (Bild: Alois Degenhardt)

Der Dorfbach ist nur nördlich der Hauptstrasse bis zum See als Rinnsal sichtbar. (Bild: Alois Degenhardt)

Enttäuschung beim Initiativkomitee von Françoise und Albert Jucker: Mit 161 zu 59 Stimmen hat die Gemeindeversammlung deutlich einen Rahmenkredit von 220 000 Franken zur Öffnung und Renaturierung des Dorfbachs auf einer Strecke von 70 Metern zwischen der Romanshornerstrasse und der Oberdorfstrasse abgelehnt. Die Mehrheit war den Argumenten des Biologen Peter Stutz gefolgt, der zurzeit im Auftrag der Gemeinde ein vom Kanton gefordertes Bachunterhaltskonzept erarbeitet.

Schlechte Prognose

Aus ökologischer Sicht, so der Experte, verspreche das Projekt nur geringen Erfolg. Die isolierte Lage und die Kürze der Öffnung würden die erhoffte Einwanderung von Fauna und Flora weitgehend verhindern. Aus ästhetischer Sicht wirke das schmale, tiefliegende Rinnsal als trennendes, nicht als verbindendes Element. Nicht zu unterschätzen sei der intensive Pflegeaufwand an einer steilen Böschung, die nur durch intensiven Strauchbewuchs befestigt werden könne.

Verpasste Gelegenheit

Frau Gemeindeammann Brigitte Kaufmann stellte dem Projekt einen Gegenvorschlag entgegen, der den Gemeinderat verpflichtet, spätestens im Jahr 2011 ein Projekt mit hohem ökologischem Nutzen und einem guten Kosten-Nutzen-Verhältnis vorzulegen. Albert Jucker, Initiant des Volksbegehrens, zeigte sich mit der ablehnenden Haltung des Gemeinderats unzufrieden.

Aus seiner Sicht sei nach einer Übereinkunft mit der Bauherrschaft auf dem ehemaligen Käsereiareal genug Platz für die Bachöffnung und einen öffentlichen Weg vorhanden. Mit der Ablehnung sei eine gute Lösung zur Verschönerung des Dorfzentrums verpasst worden. «Ich bin vom Abstimmungsresultat enttäuscht», bekannte Jucker, «zumal die Initiative von einer grossen Anzahl von Dorfbewohnern unterstützt wurde».

Abgelehnt wurde im übrigen auch der Antrag auf eine Machbarkeitsstudie zur Renaturierung des Dorfbachs von der Romanshornerstrasse bis zum Uttwiler Weiher.

Furcht vor Enteignung

Im Diskussionsteil der Versammlung meldeten sich sowohl Gegner als auch Befürworter des Projekts zu Wort. Es wurde die verpasste Gelegenheit beklagt, mit dem Bauherrn auf dem Käsereiareal eine Lösung zu finden, die später mit zahlreichen Stockwerkeigentümern nicht mehr erreicht werden könne.

Die Öffnung wäre der Schritt zu einem Dorfbach, der seinen Namen verdiene. Zu vernehmen war aber auch die Furcht vor eventuell nötigen Enteignungsverfahren, die allerdings nach Brigitte Kaufmann nur als allerletzte Möglichkeit gesehen werde. Eher hätte man sich bei Annahme um eine Redimensionierung des Projekts bemüht.

Im übrigen zeigte sich Frau Gemeindeammann mit dem Ergebnis zufrieden: «Die Initianten des Volksbegehrens haben dazu beigetragen, den Focus verstärkt auf Renaturierungsmassnahmen in der Gemeinde zu richten.

Wir werden mit einem guten Projekt auf die Wünsche der Öffentlichkeit reagieren. Einmal mehr war ich von der guten Diskussionskultur in unserer Gemeinde beeindruckt.»