Doch nicht so stressfrei

Irgendwie vergeht die Zeit schneller als früher. Das habe ich mir wohl auch in der Schweiz schon öfters gedacht. Aber wenn man unterwegs ist, ist das definitiv so. Die Zeit vergeht viel schneller! Wir fragen uns oft, wie wir unser altes Leben gemeistert haben.

Christian Grundlehner
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Irgendwie vergeht die Zeit schneller als früher. Das habe ich mir wohl auch in der Schweiz schon öfters gedacht. Aber wenn man unterwegs ist, ist das definitiv so. Die Zeit vergeht viel schneller! Wir fragen uns oft, wie wir unser altes Leben gemeistert haben. Mit all den Pflichten als Schweizer Steuerzahler und Hausbewohner. Aber vielleicht ist es auch nur, weil das Leben als Nomade aufwendiger ist. Wir verbringen viel Zeit mit der Suche nach einer effizienten Internetverbindung, nach Ausrüstungsgegenständen, Supermärkten und Waschgelegenheiten. Oder wir waschen von Hand. Das ist ebenso aufwendig.

Am Boot gibt es immer etwas zu tun. Ein Sprichwort besagt: «Weltumsegeln ist, sein Boot an den schönsten Plätzen der Erde zu reparieren.» Diese Aussage können wir nach nur wenigen Monaten bereits unterschreiben. Auch bei anderen Schiffen, die dasselbe Ziel haben wie wir, muss ständig irgendwas geflickt werden. Und die Suche nach Ersatzteilen kann zeit- und nervenaufreibend sein. Sogar wenn sie per Post kommen – oder kommen sollten. Die Stimmung unter den Fahrtenseglern ist angespannt. Alle haben Stress, um dem Winter in Europa zu entfliehen. Stress wollten wir aber nicht. Niemand von uns. Nicht wenige hängen aber wegen grösserer Reparaturen Tage oder gar Wochen fest. Doch nicht so stressfrei, dieses Fahrtensegler-Leben.

Trotzdem kommen wir voran. Die teuren Häfen in England liegen hinter uns, die Biskaya haben wir bei schönstem Wetter überquert. In La Coruña in Nordspanien treffen sich alle wieder, nach ihrer ersten grösseren Reise. Etwa fünf Tage auf offener See zu sein ist für die meisten, die von Norden kommen, etwas Spezielles. La Coruña ist wirklich schön und wenig touristisch. Englisch können nur die Marina-Mitarbeiter. Dafür gibt es Hunderte kleine Tapas-Läden mit günstigem, leckerem Essen! Und wir haben endlich auch Sommer.

Christian (32) und Jessica (29) Grundlehner aus Romanshorn sind mit ihrer Tochter Amyra (2) auf grosser Reise. Im deutschen Lübeck sind sie Anfang Juni mit ihrem Segelschiff Laya für unbestimmte Zeit in See gestochen. In der Thurgauer Zeitung berichtet das Ehepaar regelmässig über seine Erlebnisse.