Dirigent aus Leidenschaft

Am Karfreitagskonzert in der evangelischen Kirche Amriswil (17 Uhr) wird neben Beethovens Messe in C-Dur auch ein zeitgenössisches Werk Enrico Cesares aufgeführt. Am Dirigentenpult steht der ehemalige «Harmonie»-Dirigent Rolf Bolli.

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Nicht müde: Rolf Bolli während einer Probe für das Karfreitagskonzert. (Bild: Erwin Schönenberger)

Nicht müde: Rolf Bolli während einer Probe für das Karfreitagskonzert. (Bild: Erwin Schönenberger)

Herr Bolli, man kennt Sie vor allem als Blasmusikdirigent. Nun leiten Sie am Amriswiler Karfreitagskonzert auch ein Sinfonieorchester. Was hat Sie dazu bewogen, von der Blasmusikszene in diese klassische Sparte zu wechseln?

Rolf Bolli: Es ist für mich nicht das erste Mal, dass ich im klassischen Bereich mit einem Sinfonieorchester zusammen mit Solisten und einem Chor musiziere. So hatte ich mit dem Vocalensemble «Arco Musicale» schon einige Auftritte im Raum Zürich.

Zudem führten wir vor zwei Jahren in Amriswil mit diesem Ensemble die Krönungsmesse von Luigi Cherubini mit grossem Erfolg auf. Am kommenden Karfreitagskonzert in Amriswil werden zwei weitere ganz spezielle Werke für Solisten, Chor und Orchester zur Aufführung gelangen.

Sie sind seit 40 Jahren Dirigent. Was hat Sie so lange an der Aufgabe gereizt, Noten in Klänge umzusetzen, und dies meist mit Amateurmusikern?

Bolli: Das Musizieren und ganz speziell das Dirigieren ist zeit meines Lebens meine grosse Leidenschaft gewesen.

Es ist jedes Mal eine spannende Sache, ein Konzertprogramm zur Aufführungsreife zu bringen. Dieser vorangehende Prozess ist eigentlich derselbe, ob mit professionellen Musikern oder mit Amateurmusikern. Bei letzteren braucht es einfach etwas länger.

Blasorchester und Sinfonieorchester sind doch recht unterschiedliche Klangkörper. Wo sind die Gemeinsamkeiten und wie unterscheiden sie sich voneinander?

Bolli: Blasorchester und Sinfonieorchester unterscheiden sich lediglich vom Klang her. Die Streicherselection im Sinfonieorchester erzeugt natürlich ein anderes Klangbild als der Holzsatz in einem Blasorchester. Grundsätzlich müssen aber Faktoren wie Klangausgleich, präzise Rhythmik oder Dynamik im Sinfonieorchester wie auch im Blasorchester genauso stimmen.

Sie sind pensioniert und könnten das Leben in Ruhe geniessen. Warum suchen Sie diese musikalischen Herausforderungen noch?

Bolli: Ich fühle mich zu jung und zu fit, um ohne das Musizieren auszukommen. Der Vergleich klingt vielleicht etwas vermessen, aber alle grossen Dirigenten wie Arturo Toscanini, Karl Böhm oder Herbert von Karajan haben bis weit über 80 Jahre dirigiert.

Auf dem Programm des Karfreitagskonzerts steht mit «Szene des Kaiphas» eine Uraufführung eines Werks von Enrico Cesare. Wer ist Enrico Cesare?

Bolli: Es ist wunderbar, dass wir am Karfreitag in Amriswil nebst einem grossen Werk von Ludwig van Beethoven ein spannendes Werk eines Komponisten unserer Zeit uraufführen dürfen. Die «Szene des Kaiphas» ist eine eindrückliche Komposition, die eigentlich für die Passionszeit geschrieben ist.

Enrico Cesare, der Komponist dieses Werks, hat in Zürich eine Chorschule aufgebaut und ist zugleich musikalischer Leiter des Vocalensembles «Arco Musicale».

Wodurch zeichnet sich diese Komposition für Soli, Chor, Orgel und Orchester aus?

Bolli: Die «Szene des Kaiphas» ist ein Werk, das in einem moderaten modernen Ton geschrieben wurde. So findet man auch Wendungen darin, die an Bach oder impressionistische Klänge erinnern.

Die solistischen Partien werden vor allem durch einen eindrücklichen Bassisten (Kaiphas) und durch eine Altistin und einen Tenor dargestellt. Delikate rhythmische Momente stehen im Wechsel mit wunderbar lyrischen Partien und vermitteln so einen tiefen Eindruck.

Verträgt sich Beethovens Messe in C-Dur mit einem zeitgenössischen Werk? Ergänzung oder Gegensatz?

Bolli: Die «Szene des Kaiphas» zu Beginn des Konzerts bildet inhaltlich wie auch stilistisch einen beeindruckenden Gegensatz zur nachfolgenden genialen Messe in C von Ludwig van Beethoven.

Mit welchen Sätzen würden Sie für den Besuch des Konzerts am 2. April um 17 Uhr werben?

Bolli: Alle Mitwirkenden freuen sich sehr auf die Aufführung dieser zwei speziellen Werke am Karfreitag in Amriswil. Ein gutes Orchester und das versierte Vocalensemble «Arco Musicale» bieten Gewähr für ein eindrückliches Konzerterlebnis für Konzertbesucher und alle Mitwirkenden.

Interview: Erwin Schönenberger

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