Die Wohnplätze sind begehrt

AMRISWIL. Das Projekt «Begleitetes Wohnen» der Heilsarmee Amriswil kommt gut an. In den letzten beiden Jahren konnte das Angebot von drei auf neun Plätze ausgebaut werden. In diesem Monat nimmt eine zweite Begleitperson ihre Arbeit auf.

Maya Mussilier
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Die beiden Bewohner kochen für David Berlinger und Stephan Knecht, die sich ihrerseits beim Tischdecken nützlich machen. (Bild: Reto Martin)

Die beiden Bewohner kochen für David Berlinger und Stephan Knecht, die sich ihrerseits beim Tischdecken nützlich machen. (Bild: Reto Martin)

AMRISWIL. Stephan Knecht freut sich. Vor gut zwei Jahren hat der Leiter der Heilsarmee Amriswil das Projekt «Begleitetes Wohnen» in Amriswil lanciert. «Wir konnten nicht abschätzen, wie gut das Angebot hier bei uns genutzt wird», sagt Stephan Knecht. Er habe einfach das Gefühl gehabt, dass dieses auch in Amriswil einem Bedürfnis entspreche. Das Gefühl kam nicht ganz aus dem hohlen Bauch heraus. Denn zu diesem Zeitpunkt betrieb die Heilsarmee Amriswil bereits seit sechs Jahren ein Sozialstudio, das als Notunterkunft für maximal drei Monate zur Verfügung stand.

Neu gibt es neun Plätze

«Im März 2013 haben wir das Projekt mit einer Wohnung mit drei Plätzen und dem Studio gestartet», blickt Stephan Knecht zurück. Als Leiter begleitetes Wohnen ist David Berlinger seit Beginn dabei. Gleich nach Erscheinen des Zeitungsberichtes im Februar 2013 hätten sie den ersten Klienten bekommen, sagt David Berlinger. Die meisten Bewohner werden durch Kliniken oder Sozialämter vermittelt.

Das Projekt begleitetes Wohnen ist noch besser angelaufen als angenommen, so dass eine zweite Wohnung gemietet wurde. «Seit März haben wir sogar eine dritte Wohnung. Wir können also aktuell neun Plätze anbieten», erklärt Stephan Knecht.

Bessere Lebensqualität

Die Belegung im letzten Jahr lag bei 85 Prozent. Insgesamt haben in den letzten beiden Jahren rund 20 verschiedene Personen das Angebot nutzen können. «Die Aufenthaltsdauer ist sehr unterschiedlich», sagt David Berlinger. «Es gab Leute, die waren nur wenige Tage bei uns, und es gibt solche, die leben seit zwei Jahren hier.»

Für Stephan Knecht und für David Berlinger ist es schön, zu sehen, dass einige ehemalige Klienten unterdessen wieder Fuss fassen konnten. «Sie können wieder selbständig leben, haben eine Arbeit und kommen zurecht», freut sich Berlinger. Aber selbst jene, die diesen Schritt in die Selbständigkeit bis jetzt nicht geschafft haben, haben grosse Fortschritte gemacht. «Sie haben eine deutlich bessere Lebensqualität», sagt Berlinger. Eine Mutter habe festgestellt, dass ihr erwachsener Sohn noch nie so lange an einem Ort geblieben sei. Er sei zudem viel ausgeglichener und zufriedener als früher.

Nicht im Ghetto

Die guten Erfolge bei ihren Klienten führen Stephan Knecht und David Berlinger auf die ganze Umgebung zurück. «Die Wohnungen sind nicht irgendwo im Ghetto», sagt Knecht. «Die Leute sind also in ein normales Umfeld eingebunden.»

David Berlinger beschreibt, wie sich die Wohnsituation zeigt. In jeder der drei Viereinhalbzimmerwohnungen gibt es drei Wohnplätze. Jeder hat sein eigenes Zimmer. «Wir versuchen die Wohnkompetenz zu fördern, also die Bewohner in einen normalen Alltag zu führen.» Die meisten Klienten würden das begleitete Wohnen als Anschlussmöglichkeit nach einem Klinikaufenthalt nutzen. Wo möglich, unterstützt David Berlinger seine Schützlinge auch bei der Arbeitssuche. Er hat dabei die Erfahrung gemacht, dass viele wirklich froh sind um diese Hilfe.

Eine zweite Sozialpädagogin

Der Aufwand, den die Heilsarmee für das Projekt betreibt, liegt etwas höher als bei einem reinen begleiteten Wohnen. «Unsere Leute brauchen zum Teil schon etwas mehr Hilfe. Es ist eigentlich ein Zwischending von begleitetem und betreutem Wohnen», erklärt David Berlinger. Im Mai wird deshalb eine weitere Sozialpädagogin ihre Arbeit aufnehmen. Sie ist in einem 70-Prozent-Pensum angestellt.

Seine Arbeit beschreibt David Berlinger als sehr erfüllend. «Ich habe aber auch viel lernen müssen», gibt er zu. So beispielsweise habe er ein Gefühl dafür entwickeln müssen, was für Personen man im Wohnprojekt aufnehmen könne. «Eine gewisse Selbständigkeit der Person muss vorhanden sein. Jemand, der noch akut im Suchtprozess steckt, kann nicht aufgenommen werden.»

Schöne Erlebnisse gibt es viele, sind sich Stephan Knecht und David Berlinger einig. «Zum Beispiel hatten wir jemanden, der in sehr kurzer Zeit wieder Fuss gefasst hat und sich heute selbst einen glücklichen Menschen nennt.»

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