Die Wissenschaft liefert den Beweis

BISCHOFSZELL. Schon unsere Vorfahren ahnten, dass der Mond einen Einfluss auf das Pflanzenwachstum hat. Forschungen haben dies bestätigt, wie an Vorträgen im Bischofszeller Rathaus zu erfahren war.

Erwin Schönenberger
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Möbelschreiner Christoph Lerch arbeitet in seiner Werkstatt mit Mondholz. (Bild: Erwin Schönenberger)

Möbelschreiner Christoph Lerch arbeitet in seiner Werkstatt mit Mondholz. (Bild: Erwin Schönenberger)

Die einen belächeln jene, die ihre Pflanzen nach den Mondphasen setzen und ernten. Andere sind überzeugt, dass der Mond einen grossen Einfluss auf das Wachstum hat. Wohl deshalb waren die Besucher bei den Vorträgen zum Thema «Bäume – Holz – Mondrhythmen» im Anschluss an die Versammlung der Revierkörperschaft Bischofszell so zahlreich erschienen.

Vom Thema fasziniert

Mit dem Bischofszeller Möbelschreiner Christoph Lerch und dem Bieler Professor Ernst Zürcher beleuchteten zwei Fachleute das Thema aus Sicht des Praktikers und des Forschers. Vor vielen Jahren war Lerch auf das Thema «Mondholz» gestossen, und es hat ihn bis heute nicht mehr losgelassen. Er wurde zu einem Experten, der immer tiefer in diese interessante Materie eindringt und sein Wissen in seine praktische Arbeit einfliessen lässt.

Altes Gebälk gut erhalten

Ernst Zürcher, Professor an der Fachhochschule in Biel, forscht über den Einfluss des Mondes auf die Bäume. Er hat nachgewiesen, dass Mondrhythmen einen grossen Einfluss auf das Wachstum der Pflanzen haben. Damit erhärtet sich auch die Erkenntnis der Vorfahren, die genau wussten, wann der richtige Zeitpunkt zum Fällen eines Baumes war.

Wer sich immer gefragt hat, warum das Gebälk in alten Häusern und Scheunen noch so gut erhalten und ohne Wurmbefall ist, findet nun die Antworten dafür in den neuesten Erkenntnissen der Forschung.

Zum richtigen Zeitpunkt

Bei den Mondphasen unterscheidet man zwei Rhythmen: jenen vom Vollmond zum Leermond und zurück zum Vollmond (synodische Periode) und den Stand des Mondes gegenüber den Planeten (siderische Periode, auch bekannt unter den Begriffen «obsigend» und «nidsigend»). Schon der griechische Naturforscher Theophrastus (372 bis 287 v. Chr.) schrieb: «Es gibt eine geeignete Jahreszeit für den Schnitt von Bäumen, und innerhalb dieser Jahreszeit ist das Holz härter und weniger anfällig auf Fäulnis, wenn es am Anfang des abnehmenden Mondes gefällt wird.»

In umfangreichen Forschungen der Fachhochschule Biel unter der Leitung von Professor Zürcher an über 600 zu vorbestimmten Zeitpunkten gefällten Bäumen an verschiedenen Standorten konnte diese alte These wissenschaftlich bewiesen werden.

Auch der Praktiker und Schreiner Christoph Lerch ist bei seinen jahrelangen Forschungen zum selben Ergebnis gekommen. Er verarbeitet nun besonders gerne «Mondholz», das nach seinen Angaben geschlagen, gesägt und gelagert wurde. Allerdings verzichtet er bewusst darauf, seine Möbel als Mondholz-Möbel zu bezeichnen. «Mondholz ist nur eines der Qualitätsmerkmale eines Möbelstücks, aber die Qualität muss in allen Bereichen stimmen», erklärt der Schreiner dazu.

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