Die Wände sind grau und schmutzig

Sulgen Die evangelische Kirche ist sanierungsbedürftig. Ziel der Kirchenvorsteherschaft ist es, das über 200 Jahre alte Gotteshaus auch technisch auf den neuesten Stand zu bringen.

Marcel Jud
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«Ist Gott so hässlich wie unsere Kirche?» Dies habe ihn ein Kind gefragt, als er vor kurzem die evangelische Kirche mit einer Klasse besucht habe, erinnert sich der Sulger Pfarrer Frank Sachweh. Tatsächlich bietet der Innenraum der Kirche keinen schönen Anblick: Wände und Stukkaturen sind ergraut vom Russ der Kerzen. Auch auf dem Boden und auf den Bänken haben Zeit und Abnutzung ihre Spuren hinterlassen.

Feldgottesdienste wird es vermehrt geben

«Die Kirche sollte meiner Meinung nach der schönste Ort in einem Dorf sein», sagt Sachweh. Viele Menschen fänden hier Trost und Kraft. Der Präsident der Evangelischen Kirchgemeinde Sulgen, Walter Berger, unterstreicht des Pfarrers Aussage: «Kirchbürger haben sich bereits mehrfach über den Zustand der Kirche beschwert.» Hinzu komme die kulturhistorische Bedeutung des Baus. Die Kirche erhielt von der kantonalen Denkmalpflege das Prädikat «besonders wertvoll». Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, soll die Kirche nun umfänglich saniert werden. Die letzte Innenrenovation erfolgte 1983. «Nach mehr als 30 Jahren ist eine erneute Sanierung unumgänglich», sagt Sacha Derron, Präsident der Baukommission. 2003 wurde eine Aussenrenovation vorgenommen.

Bei der Innenrenovation gehe es nicht nur um die Behebung oberflächlicher Mängel, betont Derron. «Nebst der Erneuerung des Verputzes und der Restaurierung von Stukkaturen und Vergoldungen stehen auch technische und sicherheitsrelevante Baumassnahmen an», erläutert Derron. Auch die 1966 erbaute und zuletzt 1983 renovierte Orgel soll ihren alten Klang zurückerhalten.

Da die Kirche während der Renovierung nicht genutzt werden kann, müssen für Gottesdienste, Taufen, Abdankungen und Hochzeiten Alternativen gefunden werden. «Wir werden vermehrt Feldgottesdienste abhalten», kündigt Pfarrer Sachweh an. Daneben stünden das Kirchenzentrum in Kradolf und das Kirchgemeindehaus in Sulgen zur Verfügung. Vorstellbar sei auch, einzelne Anlässe in der katholischen Kirche durchzuführen.

Bevor jedoch die Arbeiten beginnen können, müssen die Kirchbürger den von der Kirchenvorsteherschaft beantragten Bruttokredit von 1,14 Mio. Franken genehmigen. Da man mit rund 100 000 Franken Unterstützungsbeiträgen von Denkmalpflege und politischer Gemeinde rechne, belaufe sich der Finanzierungsbedarf am Ende auf 1,04 Mio. Franken, erläutert Walter Berger. Man werde dabei auch auf Rücklagen von 255 000 Franken zurückgreifen können. «Dank dieser Rücklage und der Beschränkung auf Notwendiges wird es uns möglich sein, das Projekt ohne Steuererhöhung zu realisieren», erklärt Berger.

A.o. Gemeindeversammlung: Montag, 19. September, 19 Uhr, evangelische Kirche, Sulgen