Die Vögel bedienten sich

Vor 30 Jahren erhielt Romanshorn einen neuen Gemeindehafen. Jetzt wird Schlamm ausgebaggert und der Grund abgetieft. Ungezählte Fische mussten deshalb ins Exil – oder wurden zum willkommenen Häppchen.

Daniel Walt
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Ungewohnter Anblick: Der abgepumpte Gemeindehafen.

Ungewohnter Anblick: Der abgepumpte Gemeindehafen.

Gegen fünf Tonnen Karpfen, zudem Hechte, Eglis, Zander, Welse, Aale, Schleien oder gar ein Flussfisch: Selbst Fachleute sind erstaunt über die Vielfalt, die beim Ausfischen im Gemeinde- sowie im Inselihafen vorgefunden wurde. Und rasch wurden auch Fischliebhaber der speziellen Art auf das Angebot aufmerksam: «Möwen, Kormorane und Graureiher fanden einen gedeckten Tisch vor», sagt Peter Ribi. Er ist Teilhaber des Ingenieur- und Planerbüros Ribi & Blum, das den Auftrag für die Sanierung des Gemeindehafens erhielt.

Von der Seebadi zum Hafen

Gegen 100 Interessierte liessen sich von den Fachleuten vor Ort über die Arbeiten orientieren. «Die zwei Boots- respektive Yachthäfen haben eine grosse Bedeutung für Romanshorn», schickte Gemeindeammann Norbert Senn voraus. Er blickte zurück auf jene Zeit, als im Gebiet des heutigen Gemeindehafens noch die Seebadi war. 1976 dann das Ja des Souveräns zum Bau eines Bootshafens. Rund 20 bis 30 Zentimeter Schlamm lagerten sich seither ab – dieser wird jetzt abgetragen. Gleichzeitig wird die Chance genutzt, um den Hafen abzutiefen.

Praktisch kein Unrat

«Seewasserbauten sind immer spannend – wir haben viele Hilfsbauleiter rund um den Hafen», schmunzelte Ingenieur und Planer Peter Ribi. Dies in Anspielung auf die vielen Schaulustigen, die die Arbeiten jeweils vom Ufer aus verfolgen. Ausgebaggert werden rund 6500 Kubikmeter Schlamm. Im Vorfeld wurden die Einfahrten abgesperrt, die Schwimmstege entfernt und rund 80 000 Kubikmeter Wasser abgepumpt. Gewisse Schwierigkeiten traten beim Inselihafen auf: «Die Aussenmauer dort ist nicht dicht. Etwa ein Viertel Kubikmeter Wasser pro Minute läuft deshalb rein», erläutert Peter Ribi. Das Ganze sei aber kein grosses Problem, das Wasser werde laufend wieder abgepumpt. Erfreulich: Laut dem Gemeindeammann lag praktisch kein Unrat auf dem Grund des Sees – «die Romanshorner entsorgen dort, wo sie sollen», stellt Norbert Senn schmunzelnd fest.

Fluten gegen Ende März

Der Zeitplan des Sanierungsprojektes sieht vor, dass der Schlamm auf dem Grund des Hafenbeckens an Weihnachten – zumindest grösstenteils – abgepumpt sein wird. In den Monaten Januar und Februar folgen Arbeiten zur Abtiefung des Hafens, dann das Versetzen der Pfähle. Spätestens Ende März soll der Gemeindehafen wieder geflutet werden, damit die Einwasserung der Boote rechtzeitig vonstatten gehen kann. Dann wird das schwimmende Hotel – so nennt der Gemeindeammann den Bootshafen – wieder voll in Betrieb sein. «Und Romanshorn wird eine wichtige, zukunftsgerichtete Investition getätigt haben», so Senn. Diese wird überdies nicht von der Gesamtheit der Steuerzahler, sondern von den Liegeplatzbesitzern durch ihre Gebühren berappt.

Grosses Interesse: Gegen 100 Personen liessen sich vor Ort informieren. (Bilder: Daniel Walt)

Grosses Interesse: Gegen 100 Personen liessen sich vor Ort informieren. (Bilder: Daniel Walt)

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