Die Verhältnisse wiederherstellen

Die Saurer-Stadt war jahrzehntelang sozialdemokratisch geführt worden. Historiker, nostalgische Linke und Gewerkschafter sprechen von der Ära des «Roten Arbon». Bis in die Sechzigerjahre war das so. Franz Hayoz war der letzte SP-Stadtammann.

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Die Saurer-Stadt war jahrzehntelang sozialdemokratisch geführt worden. Historiker, nostalgische Linke und Gewerkschafter sprechen von der Ära des «Roten Arbon». Bis in die Sechzigerjahre war das so. Franz Hayoz war der letzte SP-Stadtammann. Seit einem halben Jahrhundert besetzen die Bürgerlichen das höchste Exekutivamt. Sowohl im Ortsverwaltungsrat (Ortsgemeinde) wie im Gemeinderat (Munizipale) war die SP hingegen immer vertreten. Mehr oder weniger gleichwertige Blöcke prägten eine politische Kultur des Ausgleichs, wenngleich des öftern mit harten Bandagen gekämpft wurde. Auch in der neuen Politischen Gemeinde – nach der Fusion mit Frasnacht – hatten SP und Gewerkschafter Gewicht.

3 – 1 – 0

Das war bis 2007 so. Damals, als der Stadtrat von sieben auf fünf Mitglieder verkleinert wurde, hatte die SP einen Aderlass hinzunehmen. Mit Jacob Auer und Roland Widmer mussten gleich zwei ihrer drei bisherigen Vertreter über die Klinge springen. Einzig Stadträtin Veronika Merz verblieb. Und als diese 2011 nicht mehr antrat, gelang es der stolzen SP nicht einmal, ihren einzig verbliebenen Sitz zu halten. Jacob Auers Comeback scheiterte. Er blieb 73 Stimmen hinter Konrad Brühwiler, der für die SVP eine vierjährige Vakanz beendet hatte. Es war eine Schmach für die SP. Selbst Bürgerliche fanden das nicht unbedingt gut für die Stadt und das Verhältnis zwischen Stadtrat und dem Parlament, in dem die SP entsprechend ihren Wähleranteilen von 20 bis über 25 Prozent vertreten ist.

Trostpflaster – und neuer Versuch

Es gab dann auch einen Mobilisierungseffekt für die wenige Wochen danach folgenden Parlamentswahlen, wie Exponenten wie Erica Willi, Peter Gubser und Präsident Bernhard Bertelmann hofften. So kam es denn auch. Die in der Exekutive geköpfte SP wurde stärkste Kraft in der Legislative, erreichte rekordverdächtige 32,6 Prozent der Stimmen und holte am meisten Sitze (10) in der 30köpfigen Volksvertretung. Für die Partei war dies ein grosses Trostpflaster. Einer, der in die Lokalpolitik zurückkehrte, Peter Gubser, wurde gar absoluter Stimmenkönig. Jetzt schickt sich der SP-Fraktionspräsident – der Mittelstufenlehrer ist seit einem Jahr pensioniert – an, den Stadtrat aufzumischen und die SP darin zurückzumelden. (me)

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