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Die Väter stehen im Zentrum

Der sechste Schweizer Vätertag steht unter dem Motto «Vätergeschichten». Mark Riklin und Cornel Rimle-Heeb sammeln die Erzählungen von Passanten, die von Erlebnissen mit ihren Papis berichten.
Michèle Vaterlaus
Geschichten erzählen im Schaukelstuhl: Mark Riklin hört einer Frau zu, die mitten auf dem Bahnhofplatz in Romanshorn von einem besonderen Erlebnis mit ihrem Vater erzählt. (Bild: Michèle Vaterlaus)

Geschichten erzählen im Schaukelstuhl: Mark Riklin hört einer Frau zu, die mitten auf dem Bahnhofplatz in Romanshorn von einem besonderen Erlebnis mit ihrem Vater erzählt. (Bild: Michèle Vaterlaus)

ROMANSHORN. «Wir waren in Brasilien. Ich war vier Jahre alt, als mich mein Vater mitten in der Nacht weckte und sagte: <Es blüht wieder eine.> Es war die Blüte der <Königin der Nacht>. Diese blühen nur ein einziges Mal, und das mitten in der Nacht. Damit ich das erlebe, hat mich mein Vater geweckt», sagt die Erzählerin. Sie sitzt in einem Schaukelstuhl mitten auf dem Bahnhofplatz in Romanshorn und schildert ihre Vatergeschichte. Ihr gegenüber sitzt Mark Riklin und hört aufmerksam zu, fragt nach, nickt, schreibt auf. Er sammelt mit Cornel Rimle-Heeb Väter- und Grossvätergeschichten von Passanten. Ein Projekt der Gruppe Familien-Ost-Schweiz im Hinblick auf den Vätertag am 3. Juni (Kasten).

Geschichten verbreiten

«Wir wollen die Gesellschaft sensibilisieren, dass auch Väter Familien- und Berufsleben unter einen Hut bringen müssen», sagt Rimle-Heeb. Es sei wichtig, dass bei den verschiedenen Familienmodellen, die es heute gibt, auch Väter die Möglichkeit hätten, Teilzeit arbeiten zu können. Deshalb wollen die Geschichtensammler alle Erzählungen aufschreiben, zusammenfügen und sich damit an Unternehmen wenden. «Zum Beispiel könnte eine Firma mit Mensa Tischsets mit den Geschichten bedrucken», sagt er. Er könne sich auch vorstellen, dass auf Toiletten immer wieder neue Geschichten aufgehängt werden. «Oder bei der Südostbahn im Zug wäre ein toller Platz.»

Emotionen an der Tankstelle

Damit Rimle-Heeb und Riklin auf möglichst viele und unterschiedliche Menschen treffen, haben sie sich die aussergewöhnlichsten Orte ausgesucht, an denen sie ihre Erzählstube aufbauen. Sie waren im Kindergarten, im Pflege- und Behindertenheim, am Bahnhof und an einer Tankstelle. «Dort habe ich unerwartet emotionale Geschichten gehört», sagt Riklin. Ein Mann habe ihm erzählt, dass der Arzt bei seiner drei Tage alten Tochter eine Hirnhautentzündung diagnostiziert habe. Er sei mit dem Auto nach St. Gallen gerast. Eine Krankenschwester mit dem Baby hinten im Auto drin. Dieser Moment der Angst und Sorge habe die Vater-Tochter-Beziehung stark geprägt.

Ganz privat in der Öffentlichkeit

«Spannend finde ich, dass Menschen die intimsten Geschichten in einem öffentlichen Raum erzählen», sagt Riklin. Und während er erzählt, packt er selber eine Vatergeschichte aus. «Ich sitze unterm Schreibtisch meines Vaters und durchsuche den Papierkorb nach Verwertbarem: Ausschusspapier, Kugelschreiber, halb vertrocknete Leuchtstifte. Mein Vater spricht in sein Dictaphone. Während den Pausen zwischen den Sätzen saugt er genüsslich an seiner Tabakpfeife und pafft den Rauch über sein handgeschriebenes Manuskript hinweg, die Schreibstube füllt sich mit einem angenehmen Duft, dem Duft meiner Kindheit.»

Rund 55 Geschichten haben die beiden schon gehört. «Sie waren sehr unterschiedlich. Schöne, herzige und düstere Geschichten sind dabei», sagt Rimle-Heeb. Die kompletten Geschichten können sie aber nicht niederschreiben. «Wir picken die Pointen heraus.» Diese erkenne man leicht. Es seien nicht die ausgefallensten Erlebnisse. «Es sind jene, bei denen die Augen der Erzähler leuchten. Da erkennt man die Leidenschaft.»

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