Die Thurella-Brache soll leben

EGNACH. Egnach will die Gemeindeentwicklung nicht privaten Investoren überlassen. An einer Informationsveranstaltung stellte die Gemeinde deshalb Leitziele und Leitsterne vor.

Barbara Hettich
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Blick auf das Mostereigebäude der Thurella: Das Arealentwicklungsbüro Intosens will es erhalten. (Archivbild: Donato Caspari)

Blick auf das Mostereigebäude der Thurella: Das Arealentwicklungsbüro Intosens will es erhalten. (Archivbild: Donato Caspari)

Vor einem Jahr hat die Thurella AG die Pläne für eine Wohn-Überbauung auf ihrer rund drei Hektar grossen Industriebrache in Egnach vorgestellt. Damals stiess insbesondere die geplante Begegnungszone auf der Bahnhofstrasse auf Skepsis: Wer soll sich dort begegnen? Kann in Egnach ein Begegnungszentrum funktionieren? Was kann man dafür tun, dass eine Begegnungszone bevölkert wird und nicht zum gähnend leeren Platz verkommt? Und was soll mit dem Schulhaus Gristenbühl geschehen, das ab Sommer 2016 nicht mehr gebraucht wird?

Diese und andere Fragen zur Gemeindeentwicklung haben den Gemeinderat dazu veranlasst, in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung im vergangenen Jahr ein Leitbild zu erarbeiten, das Grundlage für eine Studie des Zürcher Arealentwicklungsbüros Intosens bildete. Finanziert wird die Studie von Gemeinde und Thurella gemeinsam.

Ein Tauschhandel?

Am Mittwochabend stellte der verantwortliche Planer Götz Datko erste Resultate vor. «Wir haben die Gemeinde statistisch durchleuchtet und eine Wahrnehmungsanalyse erstellt», erklärte er. Seine Lösungsansätze: Egnach sollte sich als Landgemeinde klarer positionieren und ein geselliges Zentrum schaffen. Die Idee für eine Begegnungszone auf der Bahnhofstrasse gehe in die richtige Richtung, sagte Datko. Um diesen Platz aber mit Leben zu füllen, dürften in den Erdgeschossen der Gebäude rund um den Platz keine Wohnungen entstehen, sondern müssten einem Nutzungsmix mit Magnetwirkung zur Verfügung stehen.

Wie dies aussehen könnte und wie man mit einem klaren Konzept Leitsterne setzen kann, zeigte Götz Datko an Beispielen auf: Zum Thema Eigenbranding könnte er sich eine Brennerei, eine Akademie für Obstbrand, Kleingewerbe und Restaurants und Läden für gesunde Ernährung vorstellen. Zum Thema Kultur einen Kunstplatz mit Cafés und Ateliers für lokale Künstler. Zum Thema Gesellschaftssuchende Angebote für verschiedenste Altersgruppen und Interessen.

Jedenfalls fände er es schade, wenn vom alten Gebäude der Mosterei nur noch die Fassade übrigbleiben würde. Vielleicht könnte die Gemeinde dieses Gebäude von der Thurella übernehmen, um diesen Nutzungsmix sicherzustellen, so seine Anregung.

Im Gegenzug könnte die Gemeinde ja der Thurella ein Höherbaurecht für die Wohnbauten einräumen.

Besucher sind angetan

Auch das Areal Gristenbühl hat das Planungsbüro unter die Lupe genommen. Das Schulhaus soll auf Wunsch der Bevölkerung auch weiterhin öffentlich zugänglich bleiben. «Mit zwei Wohnungen im Obergeschoss und einer Wohnung unter dem Dach könnte man eine öffentliche Nutzung im Erdgeschoss finanzieren», so die Einschätzung von Götz Datko. Für weitere Neubauten auf dem Areal sei der Nordhang ungeeignet, eine Terrassenüberbauung wäre unpassend und die Realisierung zu teuer. Mit Neubauten auf dem Hügelkamm, je zwei links und rechts und mit genügend Abstand zum Schulhaus, würde qualitativ hochwertiger Wohnraum entstehen.

In der anschliessenden Diskussionsrunde zeigten sich die Votanten mehrheitlich angetan von den Vorschlägen und Ideen. Gemeindeammann Stephan Tobler informierte, dass man als Nächstes für das Areal Gristenbühl einen Investorenwettbewerb vorbereite, zum Thurella- Areal werde man die vorgelegten Ideen weiterentwickeln und Vorschläge ausarbeiten.