Die Terrainänderung war illegal

SCHERZINGEN. Aus einem Acker in Scherzingen wurde eine Aushubdeponie. Das kam Anwohnern merkwürdig vor. Sie zweifelten an der Richtigkeit der Bauarbeiten. Der Auftraggeber muss nun nachträglich ein Gesuch einreichen.

Martina Eggenberger Lenz
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Über 1000 Kubikmeter lagern jetzt auf dem Feld. (Bilder: zVg)

Über 1000 Kubikmeter lagern jetzt auf dem Feld. (Bilder: zVg)

SCHERZINGEN. Da staunten die Anwohner nicht schlecht: Während der Herbstferien karrte Lastwagen um Lastwagen, gefüllt mit Aushub, in Richtung Berghof ob Scherzingen. Der Dreck wurde auf einem ehemaligen Maisfeld abgeladen und mit einem Bagger schön verteilt – und das Terrain somit verändert. Ein Baugesuch lag aber nie auf.

900 Kubikmeter Aushub

Pächter des besagten Landes ist Bauer Hans-Ulrich Iseli. Er bewirtschaftet die Staatsdomäne. Ausgeführt hat die Arbeiten vor Ort die Häberli Baggerbetrieb GmbH. Inhaber Dario Häberli ist Sohn von Gemeinderat Jürgen Häberli. Er bestätigt auf Anfrage, dass seine Firma die Terrainanpassung koordiniert hat. Wieso wurde keine Bewilligung eingeholt? «Ich habe die benötigte Fläche unterschätzt», sagt Dario Häberli. Erst während der Arbeiten sei ihm das tatsächliche Ausmass bewusst geworden. Etwa 900 Kubikmeter Aushub und 300 Kubikmeter Humus seien auf das Feld aufgetragen worden. Das Material stamme aus Altnau und Siegershausen und sei nicht belastet.

Gemeinde wusste von nichts

Gemeindeammann René Walther sagt, der Gemeinderat sei zu keiner Zeit über die Terrainveränderung informiert gewesen. «Es ist weder eine Bauanfrage noch ein Baugesuch eingegangen.» Erst durch das zuständige kantonale Amt und Hinweise aus der Bevölkerung sei man auf die Terrainveränderung aufmerksam gemacht worden. Zusammen mit den kantonalen Stellen sei man nach einem Augenschein zum Schluss gekommen, dass die Terrainveränderung «nicht gravierend, jedoch bewilligungspflichtig» sei. Der Auftraggeber sei darum aufgefordert worden, ein nachträgliches Baugesuch einzureichen. Häberli sagt, er habe das eh vorgehabt. Sein Vater habe ihm geraten, ein nachträgliches Baugesuch einzureichen. Bevor er aber erste Schritte habe einleiten können, seien schon Meldungen bei der Gemeinde und beim Kanton eingegangen.

«Eine eingreifende Änderung»

Martin Eugster, Leiter der Abteilung Abfall und Boden des kantonalen Amtes für Umwelt, kennt den Fall. Das Amt sei Hinweisen aus der Bevölkerung nachgegangen und habe die Situation vor Ort begutachtet. Für Eugster ist klar: «Es handelt sich um eine eingreifende und damit bewilligungspflichtige Terrainänderung.» Beim Amt für Umwelt spreche man von einer mittelgrossen Terrainänderung. Gemäss Planungs- und Baugesetz liegt es im Ermessen der Gemeinde, ob eine Terrainänderung «eingreifend» ist. Falls ja, muss ein Bewilligungsverfahren durchgeführt werden. Mindestens drei kantonale Stellen müssen dann eine Beurteilung vornehmen: das Raumplanungsamt, das Landwirtschaftsamt und eben das Amt für Umwelt.

Kanton prüft den Fall

Das Amt für Umwelt beurteilt gemäss Eugster aufgrund eines komplexen Rasters das Gefährdungs-, aber auch Verbesserungspotenzial für den Boden. Im Fall Münsterlingen werde nun im nachhinein die Bewilligungsfähigkeit geprüft. Falls diese nicht gegeben sei, müsse man überlegen, ob ein Rückbau sinnvoll sei oder ob der Boden durch einen solchen noch mehr Schaden nehmen würde. Dario Häberli stellt gemäss eigenen Aussagen jetzt die Unterlagen für das Baugesuch zusammen und will dieses so schnell wie möglich einreichen.

Die Terrainänderung ist gemäss Kanton «mittelgross».

Die Terrainänderung ist gemäss Kanton «mittelgross».