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Die stummen Sparopfer

Leuchtturm

Brunnen sind heilig. Fast so wie Pappeln. Die Bevölkerung reagiert sensibel, wenn man bei ihnen sparen will. Zum Beispiel im Unterhalt. Noch schlimmer: Ein Baum wird gefällt oder – wie neulich in der Hafenstadt – ein alter Brunnen wird aus seinen Fugen gerissen und klammheimlich abtransportiert. Da wird der kleine Löffel-Park zum Nabel der Welt. Die Anwohner am Jakob-Schoop-Weg stürmen mit hochgekrempelten Ärmeln aus ihren Häusern. Wo sie denn jetzt nach dem Spazieren ihre Unterarme kühlen sollen, fragen sie. Sie kämpfen und sammeln Unterschriften. Sie wollen ihren Quartierbrunnen zurück am Ort, an dem sie seit 150 Jahren ihr Schwätzchen abhalten.

Doch seit die bei der Stadtkasse gemerkt haben, dass man bei den Brunnen sparen kann, ist keiner mehr sicher. Jüngstes Opfer in den Augen besorgter Bürger ist der Asco-Brunnen. Hier kümmert sich heuer nicht mehr gleich gut wie früher um die Ventile. Die Steuerzahler sind empört. Empört darüber, dass die Stadt so rigoros ihren Sparauftrag verfolgt, der ihr vor nicht allzu langer Zeit von eben diesen Steuerzahlern aufgezwungen worden ist. Warum also murren sie? Weil es wehtut. Weil alte Brunnen wertvoll sind wie alte Bäume. Weil sie nur scheinbar stumm am Wegrand stehen. In Wirklichkeit erzählen sie Geschichten, die gut tun, aus der alten Zeit, in der Romanshorn noch eine florierende Touristenstadt war.

Annina Flaig

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