Die Stimmung ist derzeit positiv

SULGEN. An der Infoveranstaltung über die zeitweilige Bereitstellung der Sulger Luftschutzanlage für Asylsuchende äusserten Einwohner Sicherheitsbedenken. Der Gemeinderat erntete für seinen Entscheid aber auch Lob und Respekt.

Georg Stelzner
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Andreas Opprecht, Gemeindepräsident von Sulgen, hört zu, wie sich Gemeinderat Werner Herrmann während der Informationsveranstaltung für die Unterbringung von Asylsuchenden in der Luftschutzanlage an der Auholzstrasse stark macht. (Bild: Reto Martin)

Andreas Opprecht, Gemeindepräsident von Sulgen, hört zu, wie sich Gemeinderat Werner Herrmann während der Informationsveranstaltung für die Unterbringung von Asylsuchenden in der Luftschutzanlage an der Auholzstrasse stark macht. (Bild: Reto Martin)

Deutlich mehr als 100 Personen hatten am Dienstagabend im kleinen Auholzsaal Platz genommen, als Gemeindepräsident Andreas Opprecht die mit Spannung erwartete Veranstaltung eröffnete. Der an eine Gemeindeversammlung erinnernde Besucheraufmarsch war ein Indiz für die Brisanz des zu behandelnden Themas. «Der Gemeinderat hofft auf einen guten Dialog heute abend und in den nächsten drei Monaten», sagte Opprecht zu Beginn. Der erste Teil dieser Hoffnung sollte sich vorgestern bereits erfüllen.

Verlängerung ist möglich

Der Gemeindepräsident rekapitulierte zunächst das Zustandekommen der Vereinbarung mit dem Staatssekretariat für Migration (vgl. Thurgauer Zeitung vom 16. Oktober) und stellte dann fest, dass Sulgen ab nächster Woche bis Ende Januar 2016 zu einer Dépendance des Empfangs- und Verfahrenszentrums (EVZ) Kreuzlingen werde.

Vorgesehen sei, in der Anlage für Luftschutztruppen an der Auholzstrasse maximal 120 Asylsuchende vorübergehend unterzubringen. Die Option für eine Verlängerung gebe es, räumte Opprecht ein, doch komme diese nur dann zum Tragen, wenn seitens des Bundes weiterhin ein Bedarf bestehe und der Betrieb auch aus Sicht der Gemeinde Sulgen «erfolgreich» sei.

Ausschliesslich junge Männer

Roger Boxler, Leiter des EVZ, gab zu bedenken, dass Europa die grösste Migrationsbewegung seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges erlebe. Er verwies auf die seit dem Sommer sprunghaft angestiegene Zahl von Asylsuchenden und begründete damit die Suche nach alternativen Unterbringungsmöglichkeiten ausserhalb Kreuzlingens. Laut Caesar Andres, Chef Fachbereich Partner und Administration im EVZ, kommt der Standort Sulgen nur für alleinstehende Männer mit guter Gesundheit in Frage.

In der Fragerunde kritisierte ein Einwohner, dass der Gemeinderat die Bevölkerung vor vollendete Tatsachen gestellt habe. Der Gemeindepräsident entgegnete, dass es sich um eine Krisensituation handle, die rasches Handeln erfordere. Die Kompetenz des Gemeinderates zur Vermietung der Luftschutzanlage sei rechtlich abgesichert.

Keine Zwischenfälle bekannt

Zu reden gab der Umstand, dass sich die für die Unterbringung der Asylsuchenden vorgesehene Anlage gleich neben dem Schulhauses Auholz befindet. Ein Votant machte auch darauf aufmerksam, dass der Schulweg für viele Sekundarschüler genau an der Luftschutzanlage vorbei führe. Es sei zu befürchten, dass junge Frauen belästigt werden.

Andreas Opprecht versuchte, diesbezügliche Ängste mit dem Hinweis auf die Erfahrungen in Kreuzlingen zu entkräften. In den letzten drei, vier Jahren hätten sich dort keine derartigen Zwischenfälle ereignet, betonte der Gemeindepräsident. Pedro Fité, Sicherheitsbeauftragter Aussenstellen im Staatssekretariat für Migration, betonte, dass sich das Sicherheitskonzept bewähre. Sollte etwas vorfallen, könne sofort reagiert werden.

Gemeinderat Werner Herrmann richtete einen flammenden Appell an seine Zuhörer, dem Projekt eine Chance zu geben. «Ich habe mit Flüchtlingen gute Erfahrungen gemacht», erklärte Herrmann und lehnte Vorverurteilungen ab. Er riet, das Problem offensiv anzugehen, am Schluss Bilanz zu ziehen und dann entsprechend zu reagieren. «Für mich ist wichtig, dass wir in Sulgen ein freundliches Gesicht zeigen», sagte Herrmann, der für sein Statement grossen Applaus erntete. Unterstützung erhielt Herrmann von Erwin Dreier, seinem Kollegen im Gemeinderat. Dreier konstatierte «eine gewisse Problematik» und zeigte Verständnis für Bedenken, äusserte aber die Überzeugung, dass die Gemeinde Sulgen diese Herausforderung meistern könne.

«Stolz auf Gemeinde Sulgen»

Joos Bernhard, Kantonsrat und ehemaliger Sulger Gemeinderat, warnte davor, den Sicherheitsaspekt zu unterschätzen. Er empfahl den Einwohnern, die Augen offen zu halten. Bernhard bekannte sich jedoch ebenfalls uneingeschränkt zum Entscheid des Gemeinderates. «Ich bin stolz auf die Gemeinde Sulgen», sagte er und erhielt dafür Beifall.

Primarschulpräsident Ernst Ritzi rief die Eltern dazu auf, das Thema in der Familie zu erörtern: «Es ist wichtig, dass die Kinder wissen, welche Leute jetzt zu uns nach Sulgen kommen und weshalb.» Den Standort der Luftschutzanlage bezeichnete er als «Schönheitsfehler». Dennoch solle man den Versuch wagen. Die aussergewöhnliche Situation kann nach Einschätzung Ritzis eine Chance für die Schule und die Kinder sein.

24-Stunden-Hotline ab Montag, 26. Oktober: Telefon 058 480 53 23