Die Stimmung hellt sich etwas auf

Der Kreuzlinger Gewerbeverband wollte ein Jahr nach dem Frankenschock den Puls der hiesigen Detailhändler fühlen. Er lud zu einer Diskussionsrunde im derzeit leerstehenden ehemaligen Schuhgeschäft Tiefenbacher. Den drei teilnehmenden Geschäftsinhabern läuft es gut.

Urs Brüschweiler
Drucken
Teilen
Urs Portmann, David Betschart, Thomas Gut, Andreas Netzle, Sandra Linder und Hans Naef trafen sich zum Detaillisten-Talk. (Bild: Donato Caspari)

Urs Portmann, David Betschart, Thomas Gut, Andreas Netzle, Sandra Linder und Hans Naef trafen sich zum Detaillisten-Talk. (Bild: Donato Caspari)

KREUZLINGEN. «Wie gohts?», fragte Moderator Thomas Gut. «Einem Detaillisten ist es noch nie gut gegangen», meinte Urs Portmann mit einem Augenzwinkern. Doch in der Tat habe der Nationalbank-Entscheid am 15. Januar 2015 – der sogenannte Frankenschock – sein Tabakgeschäft hart getroffen. «Wir hatten drei bittere Monate. Aber danach ist es wieder aufwärts gegangen.» Seine Lieferanten seien ihm entgegengekommen und er habe Preisanpassungen vorgenommen.

Keine Untergangsstimmung

Ähnlich wie Portmann erlebten das vergangene Jahr seit der Aufhebung des Euro-Franken-Mindestkurses auch die beiden anderen Geschäftsinhaber in der Diskussionsrunde, zu welchem der Gewerbeverein eingeladen hatte. Sandra Linder von «Unique Style» an der Sonnenstrasse hat es nicht Knall auf Fall getroffen, doch erlebte sie seither regelrechte Wellenbewegungen beim Einkaufsverhalten. Sie setze in ihrem Modegeschäft gezielt auf die Kundenpflege und arbeite mit Emotionen. «Bei mir gibt es immer einen Kaffee und wir machen öfter Mode-Apéros.»

Auch bei David Betscharts «David's Mode» hat der Frankenschock keine Untergangsstimmung ausgelöst. «Zum Glück hat uns das nicht so stark getroffen.» Er leiste eben sehr viel Hintergrundarbeit und dürfe auf viele Stammkunden zählen. Dennoch musste auch Betschart bei der Preisgestaltung reagieren.

Extremer geht nicht mehr

Auch wenn am Podium somit nur Kreuzlinger Vorzeige-Geschäftsleute zugegen waren – den Stadtpräsidenten freuten die Aussagen. «Dass es Detaillisten gibt, bei denen es gut läuft, relativiert das Bild, dass hier gar nichts mehr geht», sagte Andreas Netzle. «Die lokale Politik kann keine direkte Wirtschaftsförderung betreiben. Aber wir können analysieren, motivieren, Entwicklungen in Gang bringen und helfen, wo es möglich ist.» Ein Beispiel dafür sei die Belebung des Boulevards, welche derzeit vorangetrieben werde. Auch wenn die Rahmenbedingungen fast nicht mehr «extremer» sein könnten. «Die Stimmung wird besser», stellte der Stadtpräsident fest. «Ich wünsche mir, dass das Gewerbe den Schwung, der jetzt spürbar ist, beibehält und es vorwärts geht.» Er könne sich auch vorstellen, dass die Idee einer Detaillisten-Gruppierung, wie es einst PIC darstellte, wieder aufgenommen werden könnte.

Der Preis ist nicht alles

Interessante Diagnosen und Ansätze steuerte Hans Naef der Diskussion bei. Der Zürcher Experte für Standortanalysen hatte 2013 Kreuzlingen in Augenschein genommen. «Entscheidend sind nicht nur die Preise, sondern alles, was einkaufen attraktiv macht.» Dazu gehörten auch die Parkplätze. Eine Einschätzung, welche von den Einheimischen geteilt wurde. Sie stellen fest, dass mittlerweile nicht nur einfach in der Nachbarstadt eingekauft wird, sondern ganze Tagesausflüge nach Konstanz unternommen würden. Ein Thema, das die Diskutierenden sehr beschäftigt, ist auch das geplante Outlet-Center in Wigoltingen. Das Grossprojekt löst ambivalente Gefühle aus und wird mehrheitlich als Bedrohung wahrgenommen.

Aktuelle Nachrichten